Demenz: Frühere und einfachere Alzheimer-Diagnose durch neuen Bluttest

Alfred Domke

Diagnose Demenz: Bluttest auf Alzheimer in Aussicht

Laut Gesundheitsexperten ist es zwar möglich, durch bestimmte Maßnahmen Alzheimer vorzubeugen, doch heilbar ist die neurodegenerative Krankheit leider nicht. Wenn sie jedoch frühzeitig diagnostiziert wird, könnte sie womöglich aufgehalten werden. Forschern ist es nun gelungen einen neuen Bluttest zu entwickeln, der eine frühere Diagnose von Alzheimer ermöglichen könnte.


Frühe Diagnose wichtig

Wie auch bei vielen anderen Krankheiten ist es bei Alzheimer wichtig, die Krankheit möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Zwar kann die Erkrankung derzeit noch nicht geheilt werden, es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sich bei früher Diagnose eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs erreichen lässt. Hilfreich könnte hier ein neuer Bluttest sein.

Forscher haben ein neues Verfahren entwickelt, das zur Früherkennung von Alzheimer dienen könnte. Ein erster Bluttest zur Demenz-Diagnose scheint in Sicht. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Bluttest zur Früherkennung von Alzheimer

In den letzten Jahren war immer wieder von neuen Bluttests zur Alzheimer-Früherkennung berichtet worden.

So stellten etwa US-amerikanische Forscher in einer Untersuchung fest, dass so ein Test die Erkrankung schon Jahre vor dem Krankheitsausbruch nachweisen kann.

Und japanische und australische Wissenschaftler veröffentlichten vor kurzem Studienergebnisse, die zeigten, dass ihr neu entwickelter Bluttest in 90 Prozent der Fälle zur Früherkennung der Krankheit diente.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichtet nun in einer Mitteilung, über den Bluttest, der sich als so erfolgversprechend erwiesen hat.

Frühere und einfachere Diagnose der Krankheit

Laut DGN ist es den Forschern gelungen, Peptide im Blut zu bestimmen, die für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch sind.

Aus den Konzentrationsverhältnissen können sie überdies mit hoher Genauigkeit ablesen, ob die Blutproben von gesunden Menschen stammten, von solchen mit leichten kognitiven Störungen (MCI) oder von Alzheimer-Patienten, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“.

„Dies könnte eine frühere und einfachere Diagnose der Alzheimer-Krankheit ermöglichen“, so Professor Richard Dodel, Demenz-Experte der DGN.

Wie die DGN schreibt, gibt es derzeit noch kein Medikament, das den Ausbruch oder das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit aufhält. Patienten hätten deshalb noch keinen unmittelbaren Nutzen von dem Test, betont der Neurogeriater.

Hohe Genauigkeit

Der Test bestimmt mit hoher Genauigkeit β-Amyloid (Aβ), ein Eiweißbruchstück, das sich schon Jahrzehnte vor Ausbruch der klinischen Symptome im Gehirn von Alzheimer-Patienten ansammeln kann.

Es lässt sich bisher zuverlässig nur mit zwei Methoden nachweisen: mit einer Aufnahme des Gehirns mit einer speziellen Variante der Positronen-Emissions-Tomographie („Amyloid-PET“) oder mit der Entnahme von Nervenwasser im Rahmen einer Lumbalpunktion mit anschließendem Nachweis verschiedener Proteine (Aβ und tau-Protein).

„Die erste Methode erfordert einen hohen apparativen und logistischen Aufwand mit entsprechenden Kosten, die zweite Methode kann insbesondere für ältere Patienten eine Belastung sein“, so Neurogeriater Richard Dodel, Lehrstuhlinhaber am Universitätsklinikum Essen und Chefarzt des Geriatrie-Zentrums Haus Berge am Elisabeth-Krankenhaus. „Viel besser wäre ein Bluttest.“

Nur in sehr geringen Konzentrationen im Blut

Aβ findet sich im Blut aber nur in sehr geringen Konzentrationen. Versuche, es dort mit Hilfe von Immunassays (ELISA) nachzuweisen und daraus auf die Konzentrationen im Gehirn zu schließen, hatten in der Vergangenheit zu inkonsistenten Ergebnissen geführt.

In der neuen Arbeit nutzten die japanischen und australischen Forscher eine Kombination aus Immunpräzipitation und Massenspektroskopie, die wesentlich empfindlicher ist als ELISA.

Auch bestimmten sie nicht die Gesamtmenge an Aβ, sondern das Konzentrationsverhältnis dreier Aβ-Varianten zueinander: Aβ42, Aβ40 und APP669-711.

Getestet wurde die Zuverlässigkeit der Methode anhand zweier Gruppen von zusammen 373 Patienten, die in Japan bzw. Australien bereits mit PET und anderen Methoden untersucht worden waren.

Dabei konnte der neue Test mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen, ob die Studienteilnehmer Aß-Ablagerungen im Gehirn hatten oder nicht. Mit der Kombination zweier Quotienten für die verschiedenen Aß-Varianten erreichte die Vorhersagegenauigkeit 90 Prozent.

Anwendung in klinischen Studien

Die ersten Anwendungen erwartet der Neurologe Dodel in klinischen Studien.

„Für die Erforschung von Therapien, die in Frühphasen der Alzheimer-Krankheit ansetzen, mit dem Ziel, den Verlauf zu verlangsamen oder ihr Fortschreiten gar zu stoppen, wäre ein verlässlicher Bluttest ein Fortschritt“, erläutert der Experte.

„Studienteilnehmer mit hoher Aβ-Last wären leichter zu identifizieren, und man könnte womöglich auch einfacher als bislang feststellen, welchen Einfluss Arzneikandidaten auf die Ablagerungen haben.“

Mittelfristig könne ein Bluttest auch die Diagnose im Verdachtsfall verbessern oder helfen, Menschen mit hoher Belastung zu erkennen, so Dodel weiter. „Vor einer Zulassung müssen die Ergebnisse allerdings unabhängig bestätigt werden – und auch die Kostenfrage gilt es zu klären.“ (ad)