Demenz-Risiko: Rauchen schädlich für Gehirn

Heilpraxisnet

Rauchen schädigt das menschliche Gehirn und steigert das Risiko für Demenz

Rauchen schädigt das Gehirn. Die negative Wirkung des Tabakkonsums auf das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege sind hinreichend bekannt. Auch die krebserregende Wirkung des Rauchens und die Erhöhung des Schlaganfall-Risikos ist bereits in zahlreichen Studien untersucht worden. Dass starkes Rauchen außerdem das Gehirn schädigt und das Risiko einer Alzheimer- bzw. Demenzerkrankung mehr als verdoppelt, haben amerikanische Wissenschaftler jetzt in einer Langzeitstudie mit 21.000 Teilnehmern festgestellt.

Demenz-Risiko mehr als verdoppelt
Im Rahmen der Langzeit Studie mit 21.000 Einwohnen Nordkaliforniens haben Forscher für den Gesundheitsfürsorger „Kaiser Permanente“ herausgefunden, dass insbesondere Menschen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren, die mehr als zwei Schachteln Zigaretten am Tag rauchen, einem mehr als doppelt so hohen Demenz-Risiko unterliegen wie Nichtraucher. Wer lediglich eine halbe Schachtel oder weniger raucht, untersteht hingegen keinem besonders erhöhten Risiko an Alzheimer oder einer anderen Demenzform zu erkranken, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Archives of Internal Medicine“.

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Schädigung des Gefäßsystems
Während manche Studien zu den Auswirkungen des Tabakkonsums auf die menschliche Gesundheit in der Vergangenheit die Vermutung nahelegten, dass Tabak vor neurodegenerativen Erkrankungen wie zum Beispiel Parkinson schützen könnte, ist das Ergebnis der jetzigen Langzeitstudie eindeutig. „Die Studie zeigt, dass das Gehirn nicht immun gegen die Langzeitfolgen starken Rauchens ist", so die Autorin des aktuellen Artikels, Rachel Whitmer. Dabei sind die durch Rauchen bedingten Druchblutungsstörungen im Gehirn besonders schädlich, da sie eine der Hauptursachen der vaskulären Demenz (gefäßbedingte Demenz) sind, welche nach Alzheimer (50-60 Prozent der Erkrankungen) mit 20 Prozent der Krankheitsfälle die zweithäufigste Form unter den Demenzerkrankung bildet. Zudem ergänzte Rachel Whitmer: „Wir wissen, dass Rauchen das Gefäßsystem über den Blutdruck schädigt, und die Gefäßgesundheit spielt auch für das Alzheimer-Risiko eine Rolle.“ Wobei sich für Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck das Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn zusätzlich erhöht, wie Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin erklärte.

Deutschlandweit 1,3 Millionen Demenzkranke
In Deutschland sind nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums derzeit rund 1,3 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei jüngste Studien jedoch davon ausgehen, dass im Jahr 2050 etwa 2,6 Millionen hierzulande an einer Demenzerkrankung leiden werden. Neben dem Rauchen sind Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes mellitus, Bluthochdruck (Hypertonie), wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung ebenfalls eindeutige Risikofaktoren für die Entstehung einer Demenzerkrankung. Außerdem nimmt mit dem Lebensalter das Risiko der Erkrankung automatisch zu. Während nur 1,2 Prozent der 65- bis 69-Jährigen unter Demenz leidet, sind laut der Berliner Altersstudie von den 80- bis 84-Jährigen bereits 13,3 Prozent und von den über 90-Jährigen ganze 34,6 Prozent betroffen.

Vorbeugung und frühzeitige Diagnose besonders wichtig
Da Vorbeugung in Bezug auf das Demenz-Risiko das A und O ist, raten Neurologen generell zu einem möglichst gesunden Lebensstil, mit viel Bewegung, gesunder Ernährung und dem Verzicht aufs Rauchen. Denn ein gesunder Lebensstil hält nach Ansicht der Experten die Gefäße sauber und senkt zudem das Risiko eines Schlaganfalls deutlich. Darüber hinaus haben bereits zahlreiche „Studien (…) belegt, dass ein hohes Bildungsniveau “ ebenso wie „eine rege geistige Aktivität“ vor Demenz schützt, so der renommierte Kölner Neurologe Prof. Gereon Fink. Außerdem sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen einer Demenzerkrankung schnellstmöglich einen Neurologen aufsuchen, denn mit Hilfe eines Spezialisten können im Sinne des Patienten bis zu drei Jahre gewonnen werden, in denen er länger alltagstauglich bleibt, so Prof. Fink.

Die Symptome an denen sich eine Demenzerkrankung erkennen lässt, sind bei den meisten Demenzerkrankungen sehr ähnlich: die Betroffenen verlieren ihre zeitliche und räumliche Orientierung, früheres Wissen geht verloren, sogar die eigene Biografie schwindet und die Patienten werden inaktiv und hilflos. Neuerungen bzw. Änderungen überfordern Demenzkranke oft maßlos und sie müssen mit zunehmender schwere des Krankheitsverlauf meist rund um die Uhr betreut werden. (fp, 01.11.2010)