Demenz: Verbindung zwischen Herpes-Viren und Alzheimer festgestellt

Alexander Stindt

Forscher finden Zusammenhang zwischen Alzheimer und Herpes-Viren

Immer mehr Menschen leiden in der heutigen Zeit an Alzheimer. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass das Vorhandensein von Herpes-Viren im Gehirn mit der Entwicklung von Alzheimer in Verbindung zu stehen scheint.


Die Wissenschaftler der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Herpes-Viren scheinbar die Entstehung einer Alzheimer-Erkrankung begünstigen. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Neuron“.

Herpes-Viren können bekanntlich unangenehme Fieberbläschen hervorrufen. Experten fanden jetzt heraus, das Herpes-Viren eventuell auch an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein könnten. (Bild: Cherries/fotolia.com)

Haben Viren Einfluss auf die Alzheimer-Erkrankung?

Viren stehen schon länger im Verdacht, dass sie Einfluss auf die Entstehung von Alzheimer haben. Mediziner versuchten jetzt einen solchen Zusammenhang genauer zu analysieren. Dabei stellten sie fest, dass in einen frühen Krankheitsstadium von Alzheimer häufiger Virusstämme in den Gehirnen der Betroffenen vorkommen. Es ist allerdings noch unsicher, ob das Virus ein Auslöser oder ein Symptom der Erkrankung ist, erläutern die Experten.

HHV-6A und HHV-7 kamen häufiger in Gehirnen mit Alzheimer vor

Die Forscher stellten fest, dass Spuren der Varianten HHV-6A und HHV-7, welche entfernt mit Lippenherpes und Genitalherpes in Verbindung stehen, häufiger in den Gehirnen von Patienten mit einer Alzheimer-Erkrankung vorkommen. Das Vorhandensein dieser Viren im Gehirn wurde mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht, diese Feststellung stellt konventionelle Theorien über das Auftreten von Demenz in Frage.

Es wurde ein neuer Mechanismus gefunden

Die Wissenschaftler identifizierten bei ihrer Forschungsarbeit einen Mechanismus, durch den Viren die für Alzheimer typischen Schäden in Nervenzellen verursachen könnten. Die Ergebnisse basieren auf Tests des Gehirngewebes von insgesamt fast 1.000 Probanden. Die zwei oben erwähnten Stämme von Herpesviren kamen in den Gehirnen von Personen mit Alzheimer im frühen Stadium viel häufiger vor, verglichen mit gesunden Kontrollpersonen, sagen die Autoren der Studie. Es besteht jedoch Uneinigkeit unter den Experten darüber, ob die Viren ein aktiver Auslöser der Erkrankung sind oder ob die Gehirne von Menschen, die sich bereits auf dem Weg zur Alzheimer-Krankheit befinden, einfach anfälliger für Infektionen sind.

Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden an Alzheimer

Alzheimer stellt weltweit die häufigste Form von Demenz dar. Natürlich gibt es auch viele Menschen mit Alzheimer in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass etwa eine Million Menschen hierzulande an der Erkrankung leiden. Die frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Erkrankung stellt sich dabei oftmals problematisch dar, weil die Schädigung des Gehirns vorerst sehr langsam voranschreitet. Dies führt dazu, dass die Erkrankung eine lange Zeit unerkannt bleibt.

Beeinflussen Herpesviren im Gehirn die Aktivität verschiedener Gene?

Die viralen Genome waren in etwa 30 Prozent der Gehirne von Alzheimer-Patienten nachweisbar. Im Vergleich waren Viren in den Gehirnen der gesunden Kontrollgruppe praktisch nicht nachweisbar, erklärt der Studienautor Professor Sam Gandy von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York. Die Studie deutete auch an, dass das Vorhandensein von Herpesviren im Gehirn die Aktivität verschiedener Gene beeinflussen oder kontrollieren könnte, welche mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden sind.

Die Wissenschaftler suchten eigentlich nicht nach einer Verbindung zwischen Viren und Demenz. Stattdessen hofften sie Gene zu finden, die in den Gehirnen von Menschen mit dem frühesten Stadium von Alzheimer ungewöhnlich aktiv sind. Aber als sie das Gehirngewebe genauer untersuchten und Menschen mit Alzheimer im Frühstadium und gesunde Kontrollpersonen verglichen, wurden die auffälligsten Unterschiede in der Genaktivität nicht in menschlichen Genen gefunden, sondern in Genen, die zu zwei Herpes-Virusstämmen gehören, HHV6A und HHV7.

Erhöhte Virenkonzentration im Gehirn könnte Immunreaktion auslösen

Die Experten suchten ursprünglich nach molekularen Auffälligkeiten bei der Entstehung von Alzheimer. Dafür wurden vier von der Krankheit betroffene Hirnareale von Menschen genauer untersucht. Die Mediziner fanden heraus, dass das Erbgut von Menschen mit irgendeiner Form von Demenz häufiger Humanen Herpesviren (HHV) der Typen 6a und 7 enthielt. Eine Analyse von weiteren Datensätzen konnte ebenfalls solch einen Zusammenhang feststellen. Die Experten suchten zum Anfang der Studie eigentlich überhaupt nicht nach Viren. Aber die Viren sprangen sozusagen direkt ins Auge, erklärt Studienautor Ben Readhead von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Die weitere Untersuchung ergab dann, dass die Viren den Hirnstoffwechsel beeinflussen könnten. Eine erhöhte Virenkonzentration im Gehirn könnte eine Immunreaktion auslösen, welche die Entstehung oder das Fortschreiten von Alzheimer fördert, fügt der Experte hinzu.

Ergebnisse wurden mehrfach bestätigt

Die Autoren erklären, dass das Team zunächst überrascht und skeptisch auf die Ergebnisse reagiert habe. Es wurde versucht bei der Interpretation der Ergebnisse konservativ vorzugehen und die Ergebnisse in drei verschiedenen Gehirnbanken zu reproduzieren. Auch bei der zweifachen Wiederholung der Untersuchung konnten die Ergebnisse bestätigt werden. Die Mediziner konnten dabei zumindest erkennen, dass die erkrankten Gehirne diese viralen Genome tragen.

Herpes-Gene verstärken die Aktivität von Alzheimer-Genen

Die Wissenschaftler konnten nicht nachweisen, dass Viren aktiv zum Ausbruch der Krankheit beitragen, aber sie fanden einen plausiblen Mechanismus dafür, wie dies passieren könnte. Es wurde festgestellt, dass einige der Herpes-Gene die Aktivität mehrerer bekannter Alzheimer-Gene verstärken. Frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass Viren mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden könnten. Aber die aktuelle detaillierte Analyse des menschlichen Hirngewebes führt diese Forschung weiter und zeigt eine Beziehung zwischen den Viren und der Aktivität von Genen, die an Alzheimer beteiligt sind, sowie den Gehirnveränderungen, molekularen Signalen und Symptome, welche mit der Krankheit verbunden sind, erklären die Experten.

Alzheimer ist nicht ansteckend

Die festgestellten Viren sind nicht die gleichen wie diejenigen, welche die bekannten Herpesbläschen verursachen. Sie gehören zu viel häufigeren Formen von Herpes, welche fast jeder Mensch in sich trägt. Diese Formen von Herpes verursachen normalerweise keine Probleme, erläutern die Mediziner. Die Studie deute zudem keineswegs darauf hin, dass die Alzheimer-Krankheit ansteckend ist oder wie ein Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Außerdem gab es auch keine Hinweise dafür, dass das Risiko für die Entstehung von Demenz durch das Auftreten von Fieberbläschen erhöht wird. (as)