Dengue-Fieber droht bei Fußball-WM in Brasilien

Alfred Domke

Experte warnt vor Dengue-Gefahr bei WM in Brasilien

30.11.2013

Mehr als drei Millionen Tickets für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 sollen verkauft werden. Wer sich im kommenden Jahr in Brasilien nur vom Fußball-Fieber, aber nicht mit Dengue-Fieber anstecken will, sollte sich schützen. Ein britischer Forscher warnt insbesondere für drei Spielstätten vor einem hohen Infektionsrisiko.

Warnung vor allem für drei Spielorte
Am 12. Juni 2014 ist es so weit, die zwanzigste Fußball-Weltmeisterschaft startet in Brasilien. Insgesamt sollen mehr als drei Millionen Tickets verkauft werden und es werden über 500.000 internationale Fans erwartet. Diejenigen, die währenddessen in das südamerikanische Land reisen, sollten auf ausreichenden Schutz vor Dengue-Fieber achten, wie etwa lange Kleidung, geschützte Fenster und Insektenspray. Für Brasilien und vor allem für die drei Spielorte Fortaleza, Natal und Salvador bestehe ein erhöhtes Infektionsrisiko. Darauf weist ein britischer Forscher von der Universität Oxford im Wissenschaftsjournal „Nature“ hin.

Höhepunkt während der Spiele
Der Epidemiologie-Professor Simon Hay schreibt in dem Meinungsbeitrag, dass das Infektionsrisiko in den drei Städten, die sich alle im Nordosten des Landes befinden, voraussichtlich zum Zeitpunkt der Spiele fast seinen Höhepunkt erreiche. Anhand der Krankheitsfälle der letzten Jahre hatte der Forscher mit seinen Kollegen das Infektionsrisiko für die verschiedenen brasilianischen Regionen abgeschätzt. Demzufolge werde in den meisten Austragungsorten der Höhepunkt der Dengue-Verbreitung bereits vor der WM erreicht sein. Für den Nordosten gelte dies laut Hay jedoch nicht. Allerdings verweist er darauf, dass sich diese Situation, ähnlich wie das Wetter, nicht exakt vorhersagen lasse.

Moskitostiche vermeiden
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht in ihrem Jahresbericht von jährlich 50 bis 100 Millionen Erkrankungen weltweit aus. Hay schätzt, dass es dreimal so viele sind. Dengue-Fieber wird durch Mücken übertragen und äußert sich durch Symptome wie Fieber, Hautausschlag sowie starke Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und kann zum Tode führen. Bis heute gibt es keinen wirksamen Impfstoff und keine spezifischen Medikamente gegen Dengue-Fieber. Laut Hay sei die beste Maßnahme, Moskitostiche zu vermeiden. Daher rät der Forscher allen Fans, die nächstes Jahr in die Risikogebiete reisen werden, Hotels mit geschützten Türen und Fenstern sowie einer Klimaanlage zu wählen. Außerdem sollte man vor allem früh am Morgen und am späten Nachmittag lange Kleidung tragen und sich mit speziellen Anti-Mückensprays schützen.

Forscher appelliert an die WM-Verantwortlichen
Der britische Professor ruft zudem die Behörden auf, Moskitos in den besonders stark betroffenen Gebieten auszuräuchern und ihnen die Fortpflanzung zu erschweren. Da sich die Mücken in stehendem Wasser vermehren, verweist Hay darauf, Becken, unter anderem auf wilden Müllkippen, zu beseitigen. Er appelliert außerdem an die brasilianische Regierung, den Fußballweltverband (FIFA) und Sponsoren des Wettbewerbs, Fans über das Dengue-Risiko und Präventionsmaßnahmen zu informieren. Im Gegensatz zu den Bewohnern tropischer Gegenden sei vielen Besuchern, unter anderem aus Europa, die Krankheit nicht geläufig. Daher sollten die Verantwortlichen ihre Erfahrung und ihren Einfluss nutzen, um aufzuklären.

Über 500 Todesfälle in Brasilien
Der Hauptüberträger von Dengue-Fieber ist die Mücke Stegomyia aegypti, die in feuchten, tropischen Gegenden weit verbreitet ist. Sie kann die Viren auch von Mensch zu Mensch tragen. Nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation starben in diesem Jahr in Brasilien bereits 522 Menschen an Dengue-Fieber. Auch Mittelamerika leidet derzeit an einer schweren Epidemie und es kam zu zahlreichen Todesfällen in Nicaragua, Honduras, Guatemala und El Salvador. In mehr als 100 Ländern grassiert das Virus weltweit. Oft ist der Krankheitsverlauf harmlos und Tropenmediziner gehen davon aus, dass bei vielen Urlaubsrückkehrern die Krankheit nicht erkannt werde. Allerdings könne es auch zu einem schweren, tödlichen Krankheitsverlauf mit zahlreichen Blutungen und Kreislaufversagen kommen. Davon seien vor allem Kinder, die in den betroffenen Gebieten leben und Personen mit wiederholten Infektionen betroffen.

Zahl der Infizierten dramatisch angestiegen
Dem deutschen Robert Koch-Institut (RKI) wurden im Jahr 2012 insgesamt 615 Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. Die Zahl ist vergleichsweise gering, wenn man beachtet, dass jährlich rund drei Millionen Deutsche in potentielle Risikogebiete reisen. Doch die Zahl der Dengue-Fieber-Infizierten ist „in den vergangenen Jahrzehnten weltweit dramatisch angestiegen“, wie es in der Welt-Gesundheits-Statistik 2013 der UN heißt. Dem RKI wurden in diesem Jahr bereits über 700 Patienten gemeldet, die sich alle im Ausland angesteckt hatten, ein Großteil davon in Thailand. Wer sich über das aktuelle Dengue-Risiko in einer bestimmten tropischen Region informieren möchte, kann dafür die sogenannte „Healthmap“ nutzen. Dabei handelt es sich um ein Projekt des US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) und eines Teams des Boston Children’s Hospitals, die Daten über Dengue-Ausbrüche weltweit sammeln und sie im Internet frei zur Verfügung stellen. (ad)

Bild: Stefan Klaffehn / pixelio.de