Depression im Alter wird oft zu spät erkannt

Fabian Peters
Bei Depressionen im Alter ist Hilfe erforderlich

Depressionen im Alter sind durchaus keine Seltenheit, doch bleiben diese häufig unerkannt, weil die psychische Erkrankung sich in körperlichen statt seelischen Beschwerden widerspiegelt (somatische Beschwerden). Zudem könne „die Abgrenzung zwischen Depression und Demenz aufgrund ähnlicher Symptomatik eine große Herausforderung sein“, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe Ulrich Hegerl in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Pro Alter“ des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA).

„Rund vier Millionen Menschen sind in Deutschland von einer Depression betroffen, jüngere ebenso wie ältere“, so die Mitteilung des KDA . Im Alter werde die Diagnose und Behandlung mitunter jedoch deutlich erschwert. Haben die Großeltern eine Depression, sind sie zudem besonders suizidgefährdet. Bei Männern über 75 Jahre ist das Suizidrisiko laut Aussage von Ulrich Hegerl fünfmal höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Depressive Seniorinnen und Senioren sind daher dringend auf therapeutische Hilfe, aber auch auf Unterstützung durch die Familie, angewiesen. Für letztere kann dies laut Angaben des KDA jedoch zu einer erheblichen Belastung werden und sie brauchen eine hohe Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, um nicht selbst eine Depression zu erleiden.

Depression-Alter
Deppressionen im Alter ähneln in der Symptomatik oft einer Demenz.

Defizite bei der Diagnostik und Behandlung
Depressive Störungen zählen neben den Hirnleistungsstörungen zu den häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter, doch die Qualität der Versorgung bleibe niedrig, so der Düsseldorfer Psychiater Martin Haupt in der Pressemitteilung des KDA. Defizite bei der Diagnostik und Behandlung seien unter anderem auf die symptomatischen Besonderheiten zurückzuführen. Denn häufig würden ältere Menschen beim Arztbesuch eher über somatische als psychische Leiden klagen. Hierauf müssten die behandelnden Ärzte besonders achten, so Haupt. Nicht selten würden sich die Betroffenen ins Bett zurückziehen und hierdurch schnell an Kraft verlieren, wird Ulrich Hegerl von der Nachrichtenagentur „dpa“ zitiert. Zudem vernachlässigen die Betroffenen laut Aussage des Experten mitunter auch das Essen und Trinken. Sie sind dringend auf eine psychotherapeutische Behandlung gegebenenfalls mit Einsatz von Antidepressiva angewiesen. Darüber hinaus bedürfen sie jedoch auch der Unterstützung durch ihre Angehörigen und Freunde.

Angehörige sollten Betroffene unterstützen
Um die depressiven Senioren aus ihrer Starre zu befreien, könnten Angehörige zum Beispiel gemeinsame Spaziergänge mit Ihnen unternehmen, berichten die Experten. Auch sollten die Angehörigen darauf achten, dass die Betroffenen ihre Körperpflege nicht vernachlässigen. Die älteren Menschen mit Depressionen müssten zudem bestärkt werden, zum Beispiel indem sie Zuspruch bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben erhalten. Des Weiteren sei eine wichtige Aufgabe die Suche eines geeigneten Therapeuten. Grundsätzlich sollten Angehörige der Betroffenen sich gut über das Thema Depression informieren, so die Mitteilung der „dpa“ unter Berufung auf das Fachmagazin „Pro Alter“. Denn je besser sie über die Krankheit informiert sind, desto besser sei das Verständnis für die Betroffenen. Hier könne auch der Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls ein depressives Familienmitglied haben, hilfreich sein.

Angehörige und Pflegekräfte stark belastet
„Eine angemessene Versorgung ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen und die Mitarbeitenden in der Altenhilfe wichtig“, so die Mitteilung des KDA. Denn sie sind in ihrem Alltag im Umgang mit depressiv Erkrankten einem besonders hohen Druck ausgesetzt, auch weil Menschen mit Depression oft unbewusst von ihrem Gegenüber verlangen, dass dieser der Depression standhält und sich nicht zurückzieht. Hier müssten Pflegende und Angehörige lernen, für die eigene seelische Gesundheit zu sorgen und eine sozial bezogene Autonomie zu entwickeln, nicht zuletzt, um sich selbst vor einer Depression zu schützen. (fp)

nachweis: Karin Bangwa  / pixelio.de