Depressionen bei Kindern: Wann zum Arzt?

Heilpraxisnet

Depressionen können auch im Kindesalter auftreten

10.07.2014

Depressionen ereilen nicht nur Erwachsenen, sondern können unter Umständen bereits im Kindergartenalter auftreten, warnt Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP). Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ erklärte der Facharzt, dass hinter körperlichen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen bei Kindergartenkindern auch eine Depression stecken könne.

Generell sind auch Kinder und Jugendliche laut Aussage des Experten nicht vor Depressionen geschützt. Allerdings werden diese nicht immer als solche erkannt wird. Hier sei es wichtig, dass die Eltern die Hinweise richtig deuten, berichtet die „dpa“ unter Berufung auf Spitczok von Brisinski. Nicht nur die typischen Anzeichen einer Depression wie Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Zukunftsängste und das Meiden soziale Kontakte seien dabei zu beachten, sondern auch körperliche Beschwerden könnten einen Rolle spielen, erläuterte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie weiter.

Anzeichen einer Depression richtig deuten
Zwar leiden Säuglinge und Kleinkindern laut Spitczok von Brisinski nur sehr selten an Depressionen, doch im Vor- und Grundschulalter seien bereits deutlich häufiger entsprechende Beschwerden zu beobachten. Mit der Pubertät steige die Häufigkeit erneut deutlich an, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie weiter. Das Beschwerdebild sei dabei in den verschiedenen Altersstufen äußerst unterschiedlich. So würden kleinere Kinder zum Beispiel oft verstärkt die Nähe zur Mutter suchen. Kindergartenkinder ziehen sich indes eher verstärkt zurück, möchten am liebsten zu Hause bleiben, haben keine Lust auf Aktivitäten in der Gruppe und entwickeln mitunter körperliche Symptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen, berichtet der Experte. Bei Schülern seien indes vermehrt deutlich nachlassende Leistungen zu beobachten. Bei Jugendlichen können laut Spitczok von Brisinski Ein- und Durchschlafstörungen, Appetit- und Gewichtsverlust sowie tageszeitliche Schwankungen des Befindens mit einem Stimmungstief am Morgen mögliche Anzeichen einer Depression sein. Auch eine ausgeprägte Lustlosigkeit sowie Alkohol- und Drogenkonsum seien hier mögliche Anzeichen einer Depression.

Spätestens nach zwei Wochen einen Arzt hinzuziehen
Sind die Beschwerden länger als zwei Wochen zu beobachten, rät der Experte dringend einen Arzt aufzusuchen, wobei dieser zunächst klären werde, ob sich hinter den Symptomen möglicherweise eine körperliche Ursache verbirgt. Leiden die Betroffenen unter extrem ausgeprägten psychischen Beschwerden, sehen sie keine Zukunftsperspektive, fühlen sich wertlos oder denken möglicherweise sogar an Selbstmord, ist laut Spitczok von Brisinski umgehend ein Kinder- beziehungsweise Jugendpsychiater hinzuzuziehen. (fp)

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