Depressionen gut therapierbar, solange sie frühzeitig erkannt werden

Fabian Peters
Depression meist gut behandelbar, doch oft unerkannt
Bei Depressionen kann den Betroffenen mit einer frühzeitig eingeleiteten Therapie meist geholfen werden, doch hindern unterschiedliche Faktoren sie oft daran, sich ihren Mitmenschen zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen, so Forscher des Universitätsklinikums Freiburg.

Wurde die richtige Diagnose einmal gestellt, kann bis zu 80 Prozent der Patienten mit einer Depression in einem überschaubaren Zeitraum entscheidend geholfen werden, berichtet die Freiburger Universitätsklinik. Daher ist es wichtig, auf entsprechende Anzeichen zu achten und gegebenenfalls zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Fühlen sich Menschen über längere Zeit antriebslos und überfordert, steckt oft eine Depression dahinter“, so der Hinweis der Freiburger Experten.

Depressionen sind meist gut behandelbar, doch nehmen Betroffenen oftmals zu spät Hilfe in Anspruch. (Bild: sompong_tom/fotolia.com)

Anzeichen einer Depression erkennen
Wenn Antriebslosigkeit und Gereiztheit zum Dauerzustand werden und selbst alltägliche Aufgaben eine Last darstellen, sind dies ernstzunehmende Warnzeichen. Zudem reduzieren sich bei einer Depression – im Unterschied zu einfachen Verstimmungen – auch die körperlichen und geistigen Funktionen drastisch und an Depressionen erkrankte Menschen ziehen sich meist aus dem Leben zurück, berichtet die Freiburger Uniklinik. Neben den psychischen Problemen seien oftmals auch körperliche Beschwerden festzustellen. „Die eigene vermeintliche Unzulänglichkeit in der Bewältigung des Alltags wiederum löst Ängste und Schuldgefühle aus, welche die angeschlagene Verfassung noch weiter belasten“, erläutern die Experten des Universitätsklinikums.

Frühzeitige Therapie besonders wichtig
„Das große individuelle Leiden und die deutlich erhöhte Suizidrate, vor allem bei schwer erkrankten Patienten, unterstreichen die Wichtigkeit einer frühzeitigen Therapie“, betont Prof. Dr. Dr. Katharina Domschke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Doch werde die Diagnose oft verzögert, da Unwissenheit, Verdrängung oder Schamgefühle Betroffene daran hindern, sich der Umwelt zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen.

Zustand der Betroffenen langfristig stabilisieren
Nach der Diagnose folgt eine auf die Patienten individuell zugeschnittene Therapie, welche bei bis zu 80 Prozent der Erkrankten in einem überschaubaren Zeitraum eine entscheidende Linderung der Beschwerden bewirkt, berichten die Experten. Die Therapie greife zuerst an der akuten Depression an und versuche im Anschluss den Zustand der Patienten so weit zu stabilisieren, dass ein baldiger Rückfall unter den Alltagsbelastungen vermieden wird. Am Ende werde auch an der langfristigen Rückfallverhütung gearbeitet.

Einsatz von Antidepressiva
Zu den Details der Therapie berichtet das Universitätsklinikum Freiburg, dass der Einsatz von sogenannten Antidepressiva sehr hilfreich sei und daher in den Leitlinien national wie international empfohlen werde. Durch die Arzneien verbessere sich die Stimmung und der innere Antrieb. Gleichzeitig werden die körperlichen Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit verringert, erläutern die Experten. Die Antidepressiva wirken dabei gezielt auf die Übertragung der Nervenimpulse im Gehirn.

Psychotherapeutische Ansätze der Behandlung
Des Weiteren wird in der Regel auch eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen, welche das soziale Umfeld der Patienten mit einbezieht und „versucht, seelische Belastungen und damit Stress in alltäglichen Situationen Schritt für Schritt abzubauen“, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Schramm, Leitende Psychologin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Freiburg. Kritische und krankheitsförderliche Lebenssituationen seien zu bearbeite und es gelte ein unterstützendes Beziehungsnetz, ein positiveres Selbstbild und den Umgang mit schwierigen emotionalen Situationen gemeinsam mit den Patienten zu erarbeiten. Die Forschungsergebnisse der Freiburger Experten zeigen außerdem, dass auch bei chronisch verlaufende Erkrankungsformen (wenn eine Depression länger als zwei Jahre besteht) speziell dafür entwickelte Psychotherapien – vor allem in Kombination mit Antidepressiva – erfolgreich sind.