Depressionen führen bei Männern oft zum Suizid

Fabian Peters

Depressionen führen bei Männern häufig zum Suizid.

(23.08.2010) In Deutschland leiden Frauen erheblich häufiger an Depressionen als Männer, allerdings liegt die Suizidrate bei den Männern rund dreimal höher. Von den ca. 9.500 Selbstmorden in Deutschland pro Jahr, werden etwa 7.000 von Männern verübt.

Zu diesem Ergebnis kam der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Professor Manfred Wolfersdorf, in einem jetzt veröffentlichten Artikel der "Apotheken Umschau“. "Die positive Fähigkeit der Frauen, über ihre Beschwerden zu klagen, ist bei Männern jenseits der 50 meist nur gering entwickelt", erklärte Professor Wolfersdorf weiter.

Mehr zum Thema:

Männer tendieren dazu eher wegen körperlicher Leiden den Arzt aufzusuchen, auch wenn die Ursachen für ihre Erkrankung seelischer Natur sind. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder anhaltende Müdigkeit sind demnach oft der Anlass für den Arztbesuch. Lautet die Diagnose dann dennoch Depression, ist das für viele Männer doppelt problematisch, da sie einerseits unter den Auswirkungen leiden und anderseits dem traditionellen Bild vom "starken Mann" verhaftet sind. Gefühle passen nicht in dieses klassische Rollenverständnis und Probleme werden in erster Linie alleine gelöst. So erklärt sich, dass viele von Ihnen nicht die notwendige Unterstützung bei der Behandlung erhalten und die Verzweiflung überhand gewinnt. Die Folge: eine enorm hohe Selbstmordrate bei depressiven Männern.

Müssen die Männern zudem als alleiniger Versorger für das Einkommen der Familie aufkommen , sind insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten immer häufiger Depressionen zu beobachten. Der berufliche Leistungsdruck mit Versagensängsten, aber auch die Angst vor Arbeitslosigkeit und finanzielle Sorgen lösen eine Art „Dauerstress“ aus der insbesondere bei Personen mit genetischer Veranlagung oder seelischen Vorbelastungen (durch unverarbeitete Ereignisse in der eigenen Lebensgeschichte) zu schweren Depressionen führen kann.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich jährlich über eine Millionen Menschen das Leben nehmen und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention nennt Selbsttötung als eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Dabei ist in rund zwei Drittel der Fälle eine depressive Erkrankung Ursache für die Suizide.

Zur Früherkennung einer depressiven Erkrankung werden in der Fachliteratur zahlreiche Symptome gelistet, die von Veränderungen der Mimik, Gestik und Stimme über wechselnde körperliche Beschwerden bis hin zu Gewichtsverlust, auffallenden Konzentrationsstörungen und chronischer Unlust reichen können. Häufig begleitet von einer extrem negativen und pessimistischen Sichtweise in Bezug auf die eigene Lebenssituation, die sich z. B. über Äußerungen wie: „ Ich habe bald keine Lust mehr!“ artikuliert

Hier sind die Mitmenschen aufgefordert solche Veränderungen nicht nur zu registrieren sondern sie geduldig in einem offenen Gespräch zu hinterfragen. Dabei sollten die Probleme der Betroffenen auf jeden Fall ernst genommen werden, auch wenn die dargestellten Szenarien dem Zuhörer evt. etwas zu dramatisch erscheinen. Darüber hinaus ist in jedem Fall professionelle Unterstützung hinzuzuziehen, wobei auch hier ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt ist, um den Betroffenen von der Notwendigkeit einer Behandlung zu überzeugen. Der vorsichtige Hinweis auf bestehende konkrete Hilfsangebote sowie die erste Kontaktaufnahme zu unterstützenden Einrichtungen, sind Ansätze, um depressiven Personen bei der Überwindung ihrer Krankheit zu helfen. Im Internet stehen zudem zahlreiche Informationen zu Depression und Suizidalität, zu Verfügung, die auch Listen von regionalen Selbsthilfegruppen und Krisendiensten umfassen. (fp)