Depressionen sind häufig und lebensbedrohlich

Heilpraxisnet

Bei Anzeichen von Depressionen schnell Hilfe holen

01.09.2013

Depressionen sind häufige, schwere und oft lebensbedrohliche Erkrankungen, die jeden treffen können“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Im Leipziger Gewandhaus kommen heute mehr als 1.200 von Depression Betroffene, Angehörige und Interessierte zusammen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veranstaltet gemeinsam mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression und der Deutschen DepressionsLiga zum zweiten Mal den Patientenkongress Depression. Moderiert wird die Veranstaltung von Entertainer Harald Schmidt. Die Schirmherrschaft hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr übernommen.

Depressionen sind und waren häufige Erkrankungen
Die Statistiken der Krankenkassen zeigen eine Zunahme an Arbeitsunfähigkeitstagen wegen Depression. Für Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, steckt dahinter keine „Depressionsepidemie“, sondern vielmehr die eher erfreuliche Tatsache, dass sich mehr Erkrankte professionelle Hilfe holen und Ärzte die Krankheit besser erkennen und korrekter benennen. Diese bessere Versorgung depressiv Erkrankter dürfte eine der Gründe für die Tatsache sein, dass sich die Zahl der Suizide in Deutschland von 18.000 pro Jahr Anfang der 80er Jahre auf heute ca. 10.000 reduziert hat.

Arbeit ist häufiger ein schützender als verursachender Faktor bezüglich depressiver Erkrankungen
Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Depressionen ist weniger klar als oft behauptet wird. „Depressionen sind bei Berufstätigen eher seltener als bei anderen Personengruppen, bei Teilzeitbeschäftigten zudem häufiger als bei Vollzeitbeschäftigten. Die Arbeit stellt für viele Menschen eher einen Schutzfaktor dar“, erklärt Prof. Hegerl.

Die Wartezeiten auf psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung ist ein großes Problem
„Ein Problem für eine zeitnahe und schnelle Hilfe ist die zu geringe Anzahl an Psychotherapeuten mit Kassenzulassung“, sagt Thomas Müller-Rörich, 1. Vorsitzender der Deutschen DepressionsLiga und Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Die Wartezeit auf ein erstes Gespräch mit einem Psychotherapeuten beträgt durchschnittlich 12,5 Wochen. Meistens vergehen weitere drei Monate zwischen Erstgespräch und dem tatsächlichen Beginn der Behandlung“, beklagt der 1994 selbst an einer schweren Depression erkrankte Müller-Rörich.

Wissensdefizite und Vorurteile führen zu Behandlungsdefiziten
Sachliche Information und Aufklärung sind wichtig, um Akzeptanz und Verständnis in der Gesellschaft zu verbessern. Der Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Moderator des Kongresses, Entertainer Harald Schmidt, sagt: „Überall hört und liest man davon, dass jemand Burnout hat. Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe weiß ich, dass die meisten in Wahrheit an einer Depression leiden. Wenn wir Depressionen auch Depressionen nennen, dann ist das auch ein Schritt zu der richtigen Behandlung und den Betroffenen wäre damit schon eine Menge geholfen."

Burnout, ein rein deutschsprachiges Phänomen?
„Burnout ist ein nur in deutschsprachigen Ländern gebräuchlich gewordener Modebegriff, der auch bei der Behandlung Verwirrung stiftet“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Dies kann z.B. in Google-Trends deutlich gemacht werden.

Depression ist eine Erkrankung mit einem besonders großen Optimierungsspielraum in der Behandlung
Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit ca. vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Obwohl gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, erhalten weniger als 10 % der Erkrankten eine optimale und leitlinienkonforme Behandlung.

Das Hauptprogramm des 2. Deutschen Patientenkongresses Depression umfasst sieben Vorträge, die sich mit unterschiedlichen Perspektiven der Erkrankung beschäftigen. Selbsthilfegruppen und regionale Bündnisse stellen sich im Foyer vor. Am Nachmittag können die Teilnehmer zwischen einem Vortrag von Bestseller-Autor Dr. Manfred Lütz („Irre! Wir behandeln die Falschen“) und zahlreichen interaktiven Workshops wählen. In diesen Workshop werden spezifische Themen rund um die Erkrankung in kleinen Gruppen diskutiert. „Mit dem 2. Deutschen Patientenkongresses Depression möchten wir den Teilnehmern ein informatives und unvergessliches Kongresserlebnis bieten“, betont Priv.-Doz. Dr. Christine Rummel-Kluge, Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Im Rahmen des 2. Patientenkongresses Depression wird der Carlsson Wedemeyer-Förderpreises verliehen. Er geht in diesem Jahr an ein Projekt der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Leipzig, das die Erforschung eines kreativtherapeutischen und -pädagogischen ambulanten Gruppenangebotes für Kinder und Jugendliche mit einer depressiven Erkrankung ermöglicht. Außerdem wird erstmalig der „Deutsche Medienpreis Depressionshilfe“ verliehen. Am Nachmittag prämieren die Besucher des Kongresses die Gewinner des Fotowettbewerbs „Wege aus der Depression“. (pm)

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Bild: RIKE / pixelio.de