Depressionen treffen 42 Prozent der Schwangeren

Fabian Peters
Ein Drittel der schwangeren Frauen leidet unter Depressionen während der Schwangerschaft
Offizielle Daten über vorgeburtliche Depressionen zeigen, dass zwischen zehn und 15 Prozent der Frauen während ihrer Schwangerschaft unter Depressionen leiden. Doch das Problem scheint viel verbreiteter zu sein. Fast ein Drittel der befragten Mütter erlebte während der Schwangerschaft fünf oder mehr Schlüsselindikatoren für vorgeburtliche Depressionen, so das Ergebnis einer Umfrage in Großbritannien. Diese äußern sich beispielsweise in grundlosen Angstgefühlen oder die Mütter verloren ihr Interesse an alltäglichen Aktivitäten.

Fast eine viertel Millionen schwangere Frauen in Großbritannien leidet pro Jahr unter Depressionen, so das Umfrageergebnis des Informationsportals Babycenter. Etwa die Hälfte (42 Prozent) der Betroffenen wenden sich mit ihren Problemen weder an einen Arzt noch an eine Hebamme. Sie haben Angst, als psychisch krank zu gelten. Die drei meistgenannten Gründe hierfür waren, dass die werdenden Mütter sich schuldig fühlten (74 Prozent), sich schämten (62 Prozent) oder Angst hatten, andere Mütter könnten über sie schlecht urteilen (58 Prozent).

Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes eine Depression. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)
Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes eine Depression. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Viele werdende Mütter durchleben Depressionen
Die Schwangerschaft ist eine emotionale Zeit für jede Frau. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in dieser Zeit gelegentliche Stimmungsschwankungen auftreten. Aber viele der Mütter durchleben Symptome einer Depression. Frauen fühlen sich oft verpflichtet, das Bild einer perfekten Schwangerschaft zu wahren. Doch die Realität sieht meist ganz anders aus, erklärte Sasha Miller vom britischen Informationsportal Babycenter.

Depression werden von Betroffenen oft verschwiegen
In der heutigen Gesellschaft ist der Begriff Depression immer noch mit einem Stigma verbunden. Auch wenn viele werdende Mütter schon von den Symptomen betroffen waren, können die meisten nicht zugeben, dass sie Probleme während ihrer Schwangerschaft durchleben. Aus diesem Grund suchen sie keine Hilfe von Ärzten oder Hebammen. Die Einstellung zu dem Thema muss sich ändern, es ist wichtig Depressionen während der Schwangerschaft ernstzunehmen, warnen die Experten.

Geldmangel größte Sorge bei Depressiven
Frauen die während ihrer Schwangerschaft schon Depressionen durchlebten, machen sich neunmal mehr Sorgen, auch nach ihrer Entbindung postnatale Depression zu entwickeln. Als die größten Sorgen in Bezug auf das Leben mit einem Neugeborenen gelten beispielsweise Geldmangel oder die Gesundheit des Babys. Mütter die nicht unter Depressionen während ihrer Schwangerschaft litten, sorgen sich eher über Probleme wie Schlafmangel.

Behandlungen müssen zielgerichteter werden.
Heutzutage ist der Bekanntheitsgrad von Depressionen während der Schwangerschaft höher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Das bedeutet aber leider nicht, dass betroffene Frauen Hilfe und Unterstützung bekommen, um ihre geistige Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern, erklärte Sasha Miller. Schwangerschaftshormone könnten Frauen dazu bringen, verrückt zu spielen. Bei einigen Schwangeren betreffe dies nur einen kurzen Moment am Tag. Bei anderen Müttern dauere dieser Zustand länger an, gerade dann werde daraus ein ernsthaftes Problem. Es ist wichtig, dass Hebammen und anderes medizinisches Fachpersonal vertrauensvolle Beziehungen zu ihren Patientinnen aufbauen. Diese helfen den Frauen, ihre Gefühle zu teilen und die Depression zu akzeptieren. Dadurch ist es möglich, dass ihnen eine angemessene Behandlung zuteil wird. Normale Termine dauern ungefähr 15 Minuten und legen den Fokus auf die körperliche Untersuchung. Aus diesem Grund ist meist keine Zeit, die Schwangere nach ihren Gefühlen zu befragen. Unabhängige Geburtshilfe gewährleistet die Kontinuität der Versorgung, aber auch zeitlich ausgeprägtere Termine. Solche Untersuchungen können helfen, den Zustand der emotionalen Gesundheit aufzudecken und dann gegebenenfalls ermöglichen, passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden, erläutert der Fachmann.

Depressionen hängen oft mit Körperveränderungen zusammen
Die Umfragen des Babycenters zeigen ein klares Muster zwischen den Anzeichen von Depressionen und dem Gefühl der Veränderungen des Körpers. Die Frauen mit depressiven Symptomen fühlen sich fast doppelt so häufig unwohl und sind fast drei mal so oft angewidert von dieser Veränderung, wie nicht betroffene Frauen. Umgekehrt ist es bei Frauen, die keine der Symptome aufweisen. Sie fühlen sich dreimal so oft glücklich und sind erstaunt über die Art und Weise, wie sich durch die Schwangerschaft ihr Körper verändert. Viele der Mütter mit Depressionen sind sozial isoliert. Diese Frauen haben wenig Kontakt zu Freunden und Familie. Ein Viertel der Betroffenen sehen ihre Freunde weniger als einmal pro Woche, so das Informationsportal weiter.

Ratschläge für Betroffene
Die britische Wohltätigkeitsorganisation „Pandas“ rät betroffenen Familien dazu, möglichst früh mit einer Hebamme oder einem Arzt über die Symptome zu sprechen. Es sollte sich Zeit genommen werden, eigene Bedürfnisse ernstzunehmen. Müttern wird dazu geraten, dem Partner oder Freunden von ihrem Problem zu erzählen. Diese sind immer eine gute Quelle für emotionale Unterstützung und können helfen, die soziale Isolation zu verhindern. Schwangere können versuchen, leichte Bewegungen und Sport auszuführen, um ihre Stimmung anzuheben. Hierzu eignen sich beispielsweise Schwimmen, Wandern oder Schwangerschafts-Yoga. Wenn werdende Mütter bemerken, dass sie zu Depressionen neigen, sollten sie dringend eine Selbsthilfegruppe, eine Hebamme oder einen Arzt aufsuchen.(as)