Der Glaube an eine Therapie reduziert Schmerzen

Sebastian

Der Glaube an eine Therapie unterstützt den Behandlungserfolg

17.02.2011

Eine Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigte, dass der Glaube an eine Therapie den Wirkungsgrad von verabreichten Mitteln entscheidend unterstützt. Wer hingegen gegenüber der Behandlung eine kritische Haltung einnimmt, kann das Therapieziel vollkommen zunichte machen. Trotz der Gabe von hoch potenten Mitteln hielten die Schmerzen fast unverändert an, weil die Studienteilnehmer von der Gabe des Schmerzmedikamentes nichts wussten.

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Das Wissenschaftsteam konzentrierte sich im Versuchsaufbau auf den Wirkungsgrad von schmerzlindernden Arzneimitteln. Dabei stellte die Forscher fest, dass die Haltung des Patienten zum Wirkmechanismus des verabreichten Schmerzmittels eine entscheidende Rolle spielt. Wer an die Wirkung der Schmerztherapie glaubt, erhöht damit im entscheidende Maße auch den Erfolg der Behandlung. Wer hingegen an die Therapie nicht glaubt und eher eine kritische Haltung einnimmt, verringert damit auch eine Schmerzreduktion.

Schmerzmittel wirkten nur durch den Glauben
Das Forscherteam um die Neurologin Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) unternahm eine Studie mit insgesamt 22 gesunden Probanden. Alle Teilnehmer stellten sich dem Versuchsaufbau freiwillig zur Verfügung und waren zwischen 20 und 40 Lebensjahre alt. Die Forscher fügten den Teilnehmern Schmerzen zu und testeten im Anschluss die Wirkung eines Schmerzmedikamentes unter verschiedenen Bedingungen. Den Teilnehmern wurde in mehrfachen Dosen einige Sekunden lang ein Hitze-Schmerzreiz zugefügt. Der Hitzeeffekt führte entweder zu mittleren bis zum Teil starken Schmerzen. Die durchschnittliche Schmerzskala betrugt 70 von 100. Während des Hitzereizes bekamen einige Probanden mit Hilfe einer Infusion ein sehr starkes Schmerzmittel mit Opioide ( Remifentanil) verabreicht. Opioide sind „dem Opium ähnliche“ Arzneimittel, die aus natürlichen und synthetischen Substanzen hergestellt werden und Morphin artige Eigenschaften aufweisen.

Während des ersten Versuchsdurchgangs wussten die Teilnehmer nicht, dass sie durch die gelegte Infusion ein Schmerzmittel verabreicht bekamen. Die gemessene Schmerzintensität sank während des „geheimen“ Verabreichens nur leicht von 66 auf 55. Nach dem ersten Versuchsaufbau informierten die Mediziner die Probanden, dass nun zum ersten Mal ein Schmerzmittel verabreicht wird, obwohl bereits beim ersten Durchgang eines injiziert wurde. Plötzlich sank das Schmerzempfinden nun auf den Wert 39.

Im dritten Studiendurchgang wurde den Teilnehmern gesagt, dass nunmehr die Schmerzmittelgabe gestoppt wird. In Wahrheit wurde die gleiche Schmerzmitteldosis verabreicht, ohne dass die Probanden etwas davon wussten. Trotz der Gabe des Mittels stieg der Schmerzwert wieder auf 64. Damit war das Schmerzempfinden fast genauso hoch, wie vor der Schmerzmittelinfusion. „Die negative Erwartung und die Angst vor dem Schmerz haben den Effekt des Medikaments vollständig zerstört“, erläuterte die Neurologie Expertin Bingel. Dabei zeigte sich, dass die eigene Erwartung, die an eine Behandlung geknüpft ist, auch den Wirkmechanismus des Schmerzmittels stark beeinflusst. Versprachen sich die Probanden viel von dem Mittel, so linderten sich auch die Schmerzen. Nahmen sie eine Negativhaltung ein, linderte sich das Schmerzempfinden nur im geringen Maße oder überhaupt nicht.

Körpereigenes Schmerzsystem wird durch den Glauben aktiviert
Der beobachtete Effekt war weniger subjektiv, da zeitgleich mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) die Schmerzverarbeitung in den speziellen Gehirnarealen analysiert wurden. Wurde den Teilnehmern gesagt, dass sie ein starkes Schmerzarzneimittel verabreicht bekamen, aktivierte dieses Wissen auch das körpereigene Schmerzsystem. Als Folge wurde die Wirkung des Mittels gestärkt und der Proband verspürte weniger Schmerzen.

Hilfe für Patienten mit chronischen Schmerzen
Die Forscher erhoffen sich nun, dass die Studienergebnisse für die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzzuständen verwendet werden. Viele Patienten leiden Jahrelang unter chronischen Schmerzen, da sie verzweifelt und ängstlich sind und den Glauben an die Medizin verloren haben. „Jetzt wissen wir, dass auch negative Erwartungen an die Therapie deren Erfolg beeinträchtigen“, erklärte die Studienautorin Bingel. Jetzt sei klar, dass auch negative Erwartungshaltungen den Therapieerfolg „von eigentlich potenten Schmerzmitteln ungünstig beeinflussen“ kann. (sb)