Der schwierige Kampf gegen Aids

Astrid Goldmayer

Nach 30 Jahren immer noch kein Heilmittel gegen Aids

21.05.2013

1983 wurde erstmals ein Virus beschrieben, dass die Immunschwäche HIV auslöst. Die französischen Forscher Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinouss wurden 2008 für die Entdeckung des HI-Virus mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Doch bis heute existiert trotz intensiver Forschung kein Heilmittel gegen Aids. Mehr als 35 Millionen Menschen sind weltweit von der Immunschwäche betroffen. Seit 1997 ist die Zahl der Neuinfektionen jedoch rückläufig. Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge sei die Zahl in der Gruppe der Männer, die sexuelle Kontakte zu Männern pflegten, seit 2011 in Deutschland jedoch wieder leicht angestiegen.

Bisher keine Heilung von HIV und Aids möglich
Das sogenannten Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) wird durch Kontakt mit den Körperflüssigkeiten Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch und Liquor cerebrospinalis übertragen. Eine Ansteckung mit HIV ist deshalb wesentlich schwerer als beispielsweise mit Grippe-Viren, bei denen eine Übertragung über Tröpfcheninfektion möglich ist. Dennoch hat sich die Verbreitung der Immunschwäche seit den 1980er Jahren zur Pandemie entwickelt, an der weltweit rund 35 Millionen Menschen erkrankt sind.

Vor 30 Jahren beschrieben die französischen Forscher Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinouss erstmals das HI-Virus, das unbehandelt die Immunschwäche Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome) verursacht. Der US-Wissenschaftler Robert Gallo machte parallel zu den beiden Franzosen ebenfalls diese Entdeckung. Am 20. Mai 1983 erschienen deshalb zwei Beiträge von historischer Bedeutung im Fachmagazin „Science“. Damals grassierte die lebensbedrohliche Immunschwäche, deren Ursache bis dahin unbekannt war, vor allem unter homosexuellen Männern. Die Forscher erkannten unabhängig von einander, dass das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) für die rätselhafte Erkrankung verantwortlich war. Seither beschäftigen sich Forscher aus aller Welt mit der Entwicklung von Medikamenten gegen Aids. Doch ein Heilmittel gibt es bislang nicht.

Antiretrovirale Therapie bei HIV und Aids
Dennoch konnte die Wissenschaft in den vergangenen 30 Jahren große Fortschritte im Bereich der Aids-Forschung erzielen. Sogenannte antiretrovirale Medikamente können den Ausbruch von Aids in den meisten Fällen verhindern. Wird eine HIV-Infektion jedoch nicht behandelt, wird das Immunsystem des Betroffenen so schwer geschwächt, dass es sehr wahrscheinlich zum Ausbruch von Aids kommt. Dieses Krankheitsstadium kennzeichnet sich vor allem durch das Auftreten der sogenannten opportunistischen Infektionen, die durch Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten verursacht werden, von bösartigen Tumore wie dem Kaposi-Sarkom und Lymphdrüsenkrebs, HIV bedingten Veränderungen im Gehirn (HIV-Enzephalopathie) und dem Wasting-Syndrom, Erkrankungen die im weiteren Verlauf zum Tod des Betroffenen führen können.

Wird eine HIV-Infektion rechtzeitig behandelt kann der Ausbruch von Aids jedoch meist verhindert werden. Bereits seit einiger Zeit werden antiretrovirale Medikamente erfolgreich bei HIV eingesetzt, so dass die Lebenserwartung von Betroffenen heute deutlich gestiegen ist. Zwar bewirkt die Kombination von verschiedenen Wirkstoffen häufig, dass die Viruslast im Blut der Erkrankten nicht mehr nachweisbar ist, jedoch kann die antiretrovirale Therapie (ART) keine endgültige Heilung herbeiführen. Die Medikamente verhindern jedoch die weitere Vermehrung des Virus und müssen deshalb ein Leben lang von Betroffenen eingenommen werden.

Bei HIV häufig erst spät zum Arzt
Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge wird HIV häufig erst sehr spät oder in manchen Fällen sogar gar nicht erkannt, da viele Betroffene sehr spät zum Arzt gehen. Dabei ist eine möglichst frühe Diagnose besonders wichtig, um das Risiko weiterer Neuansteckungen zu minimieren und eine effektive Behandlung zu beginnen. Von schätzungsweise rund 3.400 Neuinfektionen im Jahr 2012 seien knapp die Hälfte sogenannte „Late Presenter“ gewesen, bei denen die AIDS-Erkrankung bereits ausgebrochen oder aber zumindest das Immunsystem schon stark geschwächt gewesen sei. Die sehr späte Erkennung der HIV mindert jedoch die Erfolgsaussichten der antiretroviralen Therapie. Häufig sind Scham, Verdrängung oder Unwissenheit Ursache eines späten Arztbesuchs. Noch immer bedeutet eine HIV-Infektion in vielen Fällen Stigmatisierungen im Arbeitsumfeld, aber auch im Freundes- und Familienkreis, wenn die Erkrankung bekannt wird. In einigen Fällen werden die Symptome, zu denen Durchfall, Fieber, Gewichtsverlust und Schwellungen der Lymphknoten gehören, aber auch von den Ärzten nicht unmittelbar mit HIV in Verbindung gebracht. Erst ein entsprechender Bluttest kann endgültig Aufschluss über eine mögliche HIV-Infektion geben. (ag)

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Bild: Gerd Altmann / pixelio.de