Designerdrogen: Besitz von Crystal-Meth-Grundstoff soll strafbar werden

Alfred Domke
Verbot von Drogen-Grundstoff: So gefährlich ist Crystal Meth
Vor allem im Osten Deutschlands hat sich Crystal Meth in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet. Die Designerdroge gilt als stark aufputschend. Doch viele Konsumenten erleiden durch das Rauschmittel schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Der Besitz und Handel mit dem Grundstoff der illegalen Droge – Chlorephedrin – soll nun strafbar werden.

Besitz und Handel wird unter Strafe gestellt
Vor allem seit dem Drogenfund bei dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck wird von Experten immer wieder darauf hingewiesen, wie gesundheitsgefährdend Crystal Meth in Wirklichkeit ist. Die Designerdroge gilt als stark aufputschend. Doch so manch ein Konsument landet nach der Einnahme sogar im Krankenhaus. Medienberichten zufolge hat der Bundesrat nun einem Gesetz zugestimmt, das Besitz und Handel mit Chlorephedrin – einem Grundstoff von Crystal Meth – unter Strafe stellen soll.

Der Bundesrat hat einem Gesetz zugestimmt, das den Besitz und Handel mit Chlorephedrin – einem Grundstoff von Crystal Meth – unter Strafe stellen soll. Der Konsum der Designerdroge kann schwere gesundheitliche Folgen haben. (Bild: Kaesler Media/fotolia.com)

Droge führt zu Aggressivität und Wahnvorstellungen
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt auf ihrer Webseite, dass das Rauschmittel verspricht, Stress und Druck mit Leichtigkeit zu bewältigen und darüber hinaus mehr Leistung in kürzerer Zeit vollbringen zu können.

Die andere Seite der Designerdroge sind jedoch „Aggressivität, Unruhe und Wahnvorstellungen“, wie es in der Mitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), heißt.

Mehr zum Thema:

Nach dem Rausch folgen häufig Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen. Konsumenten nehmen daher oft zusätzlich weitere Drogen oder erhöhen die Dosis.

Es drohen schere gesundheitliche Probleme wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Muskelkrämpfe und Schwindel sowie körperliche Langzeitwirkungen wie Hirnschädigungen, Kreislaufstörungen, Zahnausfall, chronische Hautentzündungen („Crystal Akne“) oder Nieren- und Leberschäden.

Besonders gefährlich ist die psychische Abhängigkeit, welche zu Angstzuständen und Panikattacken, Halluzinationen, Essstörungen sowie einem erhöhten Suizidrisiko führen kann.

Hilfe für Abhängige
Laut Fachleuten ist die Crystal-Meth-Sucht effektiv behandelbar. Eine neue medizinische Leitlinie „soll in Zukunft überall in Deutschland eine Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau ermöglichen“, so die Drogenbeauftragte. „Die gute Botschaft lautet: Die Abhängigkeit von Crystal Meth ist heilbar.“

„Ziel der Leitlinie ist es, auf Basis substanzspezifischer Studien eine bessere Versorgung von Betroffenen und mehr Handlungssicherheit für therapeutisch tätiges Personal in der klinischen Praxis zu ermöglichen“, berichtet das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das die Leitlinie zusammen mit weiteren Experten erarbeitet hat.

Herstellung des Rauschgifts wird erschwert
Doch auch der Prävention soll nun mehr Bedeutung zukommen. Laut „rbb|24“, dem Nachrichtenportal des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), hat der Bundesrat am Freitag einem Gesetz zugestimmt, das den Besitz und Handel mit Chlorephedrin – einem Grundstoff von Crystal Meth – unter Strafe stellen soll.

Den Angaben zufolge sollen bei Verstößen Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren verhängt werden. In besonders schweren Fällen drohen demnach bis zu fünfzehn Jahre Gefängnis.

Bereits im September 2016 trat eine EU-Regelung in Kraft, nach der Hersteller, Besitzer und Händler des Stoffes eine Erlaubnis besitzen und Unternehmen verdächtige Informationen melden müssen.

Nach Angaben des „MDR“ sprach Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow von einem großen Schritt im Kampf gegen Crystal. Das Verbot werde seiner Meinung nach „entscheidend dazu beitragen, die Belieferung von Crystal-Küchen mit den Zutaten für die Herstellung des Rauschgiftes einzudämmen“.

Osten Deutschlands besonders betroffen
Experten zufolge stammt ein großer Teil des in Deutschland kursierenden Crystal Meth aus Tschechien. In grenznahen Regionen ist der Konsum offenbar stärker verbreitet. Das zeigte sich leider auch an der Zahl der durch Crystal Meth geschädigten Babys.

Da das Rauschmittel in Sachsen stark verbreitet ist, hatte sich der Freistaat besonders für die Gesetzesänderung stark gemacht. In Brandenburg steigt die Zahl der Konsumenten ebenfalls seit Jahren, insbesondere im Süden des Landes. Laut „rbb|24“ gehen grobe Schätzungen von mindestens 10.000 Crystal-Abhängigen aus. (ad)

Advertising