Designierter US-Präsident Trump sagt: Impfungen würden Autismus auslösen

Trump vertritt die Ansichten von Impfgegnern, die auch glauben, Obama Barack sei unter der Kontrolle von Außerirdischen (crimson/fotoila.com)
Dr. Utz Anhalt
Der kommende Präsident der USA, Donald Trump, sieht die Ursache für Autismus in Impfungen, und die Klimaerwärmung hält er für eine Erfindung der Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen.

Autismus und Impfungen
Wörtlich schrieb Trump in einem Tweet im März 2014:“Healthy young child goes to doctor, gets pumped with massive shot of many vaccines, doesn’t feel good and changes – AUTISM. Many such cases!“ Auf Deutsch: Gesunde Kinder gehen zum Arzt, werden mit Impfstoffen voll gepumpt und verändern sich – Autismus.

Trump vertritt die Ansichten von Impfgegnern, die auch glauben, Barack Obama sei unter der Kontrolle von Außerirdischen
Trump vertritt die Ansichten von Impfgegnern, die auch glauben, Barack Obama sei unter der Kontrolle von Außerirdischen

Widerlegte These
Diese These vertrat der englische Arzt Andrew Wakefield in den 1990ern. Wakefield brachte Autismus mit einem gängigen Impfstoff gegen Mumps, Masern und Röteln in Verbindung. Die Impfrate für diese Krankheiten fiel in Großbritannien von 92 auf 80 Prozent, bevor Wakefields Hirngespinst im wissenschaftlichen Mülleimer landete.

Betrug
Das Fachmagazin „Lancet“ zog einen Beitrag zu Wakefield’s These zurück, nachdem dieser des Betrugs überführt worden war. Der Scharlatan hatte sich nicht einmal aus tiefer Überzeugung gegen Impfungen ausgesprochen, sondern wollte einen eigenen „Impfstoff“ auf den Markt bringen. Dafür war er in der Konsequenz bereit, Menschenleben zu opfern.

Emotionen statt Fakten
Hillary Clinton stellte ausdrücklich klar: „The science is clear: The earth is round, the sky is blue and vaccines work.“ Dass Impfungen wirken und die Erde keine Scheibe ist, spielte im Wahlkampf aber keine Rolle. Im Gegenteil: Je weniger Donald Trump Fakten respektierte, um so erfolgreicher wurde er.

UFO-Gläubige und Verschwörungswahn
Damit ist das in den USA „Lunatic Fringe“, also „verrückter Rand“ genannte politische Spektrum im Amt des mächtigsten Mannes der Welt.
Verschwörungswahn und Verschwörungstheorie dieser Antiaufklärung behaupten, die Mondlandung hätte nicht stattgefunden, das FBI verheimliche Außerirdische, die in New Mexico gelandet seien, und Aliens in Reptilienform würden uns kontrollieren.

Antisemiten und Rassisten
In den USA wie in Deutschland handelt es sich nicht nur um harmlose Spinner: Antisemiten behaupten, Helmut Kohl sei ein Jude mit Namen Henoch Kohn gewesen und sehen Juden mit den Aliens unter einer Decke, um die Weltherrschaft vorzubereiten, Rassisten behaupten, Migration sei von den Verschwörern gesteuert. Psychologische Manipulation: Gehirnwäsche sei der Grund, warum die Menschen nicht merkten, dass sie von Juden, Außerirdischen oder geheimnisvollen Kräften gelenkt würden.

Impfgegner und christliche Rechtsextremisten
Impfgegner sind in den USA stärker als in Deutschland und tummeln sich in einem großen Milieu zwischen fundamentalistischen Christen, die die Evolutionswissenschaft angreifen und behaupten, Menschen und Dinosaurier hätten zusammen gelebt und chauvinistischen Nationalisten. Einige der rechts-religiösen Verschwörungs-Fans glaubten, Obama sei in Geißelhaft von Außerirdischen.

Bibelglaube kontra Wissenschaft
Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris Interactive aus dem Jahr 2010 glauben 29 Prozent der Republikaner, dass Obama Amerika an eine Weltregierung verkaufe.

Die protestantischen Extremisten meinen damit die Herrschaft des Antichristen, und den Beginn der Apokalypse. Sie „belegen“ ihren Wahn mit Verweisen auf die Offenbarung des Johannes.

Bürgerrechte ein Werk des Teufels
Der „Antichrist“ bediene sich der „Schwulenlobby“, um die amerikanischen Familien zu zerstören, Rechte für sexuelle Minderheiten, Schwarze und Latinos seien eine Strategie des Teufels, um die Herrschaft über Gott zu erringen.

Mike Pence, ein Vertreter dieser christlichen Rechtsradikalen ist die rechte Hand von Donald Trump.

Warum sind Impfgegner gefährlich?
Noch Anfang der 1950e Jahre starben jährlich rund 50 Millionen Menschen an Pocken, mit anderen Worten 30 % aller Infizierten. Wer überlebte, den verunstalteten meist Narben oder er erblindete. 30 Jahre später hatte die WHO die Seuche vollständig ausgerottet – erstens, zweitens und drittens durch Impfungen.

1988 gab es noch 350.000 Fälle von Kinderlähmung, 2008 waren es weniger als 1.700. In Europa gibt es de facto keine Kinderlähmung mehr, die wenigen Fälle heute stammen aus Ländern, in denen die Kinder nicht (!) geimpft werden. Die Ursache für den Rückgang waren: Impfungen.

Auch Infektionskrankheiten wie Diphterie oder Masern gingen durch Impfungen weltweit zurück. Vor den globalen Impfungen starben jährlich 2,6 Millionen Kinder an Masern.

Würden sich die Impfgegner durchsetzen, stürben Millionen von Menschen erneut an Krankheiten, die Impfungen in Schach halten.

Keine Argumente gegen Impfungen
Es gibt keine wissenschaftlichen Argumente, die generell gegen Impfungen sprechen. Impfungen sind, millionenfach belegt, die medizinische Maßnahme, die global und in der gesamten Geschichte, die meisten Menschenleben gerettet hat.

Der Historiker Malte Thießen sagt:“Hardcore-Impfgegner hatten und haben ein geschlossenes Weltbild, das wissenschaftliche Erkenntnisse nicht anerkennt. Der gegenüber den Impfgegnern größere Teil der bloßen Impfskeptiker hingegen ist getrieben von Ängsten, die im Wesen des Impfens begründet sind.“

Woher kommt die Angst vor Impfungen?
Impfung bedeutet im Kern, einen Menschen mit einem Erreger kontrolliert zu infizieren, damit er gegen diesen Erreger in einer gefährliche Form der gleichen Krankheit immun wird.

Medizinische Laien standen und stehen der Methode skeptisch gegenüber, einen gesunden Menschen vor einer Krankheit zu schützen, indem man ihn krank macht.
Dies geht bis zum Verdacht, dass die Impfung die Krankheit erst auslöse.

Unfälle bei frühen Impfungen
Hinzu kamen Unfälle bei frühen Impfungen: Zum Beispiel starben in Lübeck 1930 77 vorher gesunde Kinder bei einer Tuberkulose-Impfung.

Der „Rassenkörper“ der Nazis
Führende Nazis hielten später Impfungen für Vergiftungen des Körpers und eine „Erfindung jüdischer Ärzte“, um die „Arier“ zu schwächen. Dem setzte die Rassenideologie der Nazis Abhärtung durch Kraft entgegen.

Neuer Auftrieb durch Profitgier der Pharmaindustrie
Nach 1945 bekamen die Impfgegner neuen Auftrieb, weil Konzerne, die Impfstoffe produzierten zum Beispiel das Ausmaß der Kinderlähmung dramatisch übertrieben.

Den Impfgegnern erschien der Staat als Lakai der Pharmaindustrie, die bestenfalls unnütze Mittel verkaufen wolle, schlimmer aber noch, die Menschen vergifte, um Profite zu machen.

Populistische Propaganda
Dieses Misstrauen gegenüber Staat und Konzernen sagt zwar nichts über die Wirkung von Impfstoffen aus, ist aber generell berechtigt.

Rechtspopulisten in den USA und Europa schlachten das Misstrauen aus und nutzen die Skepsis gegenüber Impfungen, um „gegen die da oben“, Juden, Chinesen, Muslime oder Einwanderer zu hetzen.

Judenfeindliche Stereotypen
Sie bedienen sich dabei eines uralten Stereotyps des jüdisch-orientalischen Arztes, der weiße Christen vergifte und ihr Blut für magische Rituale nutze.

Im Mittelalter verbreitete sich der Wahn, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und so die Pest verbreitet, außerdem wären sie mit dem Teufel im Bunde. Die Ursache für Tod und Qual suchten die Zeitgenossen in einem Sündenbock.

Hass auf das Establishment
Dazu kommt in den USA der Hass weiter Teile der Bevölkerung auf das politische Establishment. Sie halten die etablierten Politiker generell für Marionetten der großen Konzerne.

Sie misstrauen also den Institutionen sowieso – warum sollten sie den Behörden gerade dann trauen, wenn ihnen Substanzen in den Körper gespritzt werden?

Sind Impfungen gefährlich?
Eine Impfung ist nicht angenehm, und insbesondere bei einer Pflichtimpfung fehlt das Vertrauen: Wie soll ein Bürger wissen, ob ein Arzt, den er nicht kennt, etwas in den Körper dieses Bürgers hinein spritzt, dass ihm nicht schadet?

Die Risiko-Nutzen-Rechnung spricht eindeutig für Impfungen. Nur müssen die wissenschaftlich klaren Fakten die Menschen auch emotional erreichen. (Dr. Utz Anhalt)

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