Desinfektionsmittel fördern resistente Bakterien

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Desinfektionsmitteln bei Bakterien

Irische Wissenschaftler finden weiteren Faktor zur Ausbildung von Antibiotika- Resistenzen bei Bakterien

Wissenschaftler der Abteilung für Mikrobiologie der Nationalen Universität der Republik Irland in Galway haben in einer Studie herausgefunden, daß der Einsatz von Desinfektionsmitteln bei Bakterien die Resistenz gegen Antibiotika fördern kann.

Die Wissenschaftler um Dr. Gerard At Fleming untersuchten das sehr widerstandsfähige Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Dies ist ein Bakterium, welches häufig in Krankenhäusern vorkommt. Entdeckt wurde es 1900 von dem deutschen Botaniker Prof. Walter Migula (1863- 1938). Es ist zwar bevorzugt in feuchten Bereichen anzutreffen, wie in Gewässern, aber auch in unseren Sanitärräumen, in Wasserleitungen, auf Obst und Früchten, im Darm von gesunden Menschen, etc.,. Nach Angaben des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen (vom Griechischen: Nosokomeion= Krankenhaus) Infektionen (NRZ), eine Institution, die sich für die Zusammenführung aller Informationen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten aus allen relevanten Bereichen einsetzt, sind in Deutschland ca. 10 Prozent aller Infektionen im Krankenhaus durch Pseudomonas aeruginosa ausgelöst. Jedes Jahr infizieren sich nach Angaben eines WDR Berichtes in deutschen Krankenhäusern ca. 1,5 Millionen Patienten mit Bakterien und ca. 40.000 Menschen sterben an den Folgen.

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Gefahrenquellen
Im Krankenhaus stellen natürlich Geräte zur Dialyse, Luftbefeuchter, Infhalationsgeräte, u.a., eine Gefahrenquelle dar. Bekannt war schon, dass das Bakterium gegen einige Desinfektionsmittel resistent ist, aber nicht dass die Desinfektionsmittel dazu beitragen, dass es resistent gegen Antiobiotika wird, mit denen es bisher noch keinen Kontakt hatte, wenn das Desinfektionsmittel es nicht abtötet. Dann nämlich verändert sich das Erbgut der Bakterien dahingehend, dass sie resistent gegen bestimmte Antibiotika werden.

Forderung nach mehr Erkenntnissen
Die Wissenschaftler um Fleming setzten Pseudomonas aeruginosa steigenden Dosen von Benzalkoniumchlorid aus. Dies ist eine Ammoniumverbindung, die durch ihre konservierende und desinfizierende Wirkung häufig in Desinfektionsmittel (z.B. in Sagrotan), aber auch in Augen- und Nasentropfen und neuerdings auch in unserer Kleidung zu finden und in der Lage ist, gegen Pilze, Bakterien, Algen, einige Viren u.a. vorzugehen. Wenn die Bakterien nicht komplett abgetötet und im Anschluß dem Antibiotikum Ciprofloxacin ausgesetzt wurden, so wiesen sie eine Resistenz gegen letzteres auf. Bisher ging man davon aus, dass der ungehemmte Einsatz von Antibiotika selbst zu Resistenzen führt, aber Fleming et al haben hier in ihrem Bericht, den sie in einem der führenden Fachmagazine im mikrobiologischen Bereich, dem Journal „Microbiology“, im Oktober 2009 publizierten, einen neuen sensationellen Mechanismus gefunden. Sie fordern zurecht, dass auf dieser Grundlage weitere Stoffe untersucht werden müssen, die zu einer Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika, wie bei dem Bakterium MRSA (Multi- resistenter Staphylococcus aureus) geschehen, führen könnten. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 30.12. 2009)