Desinfektionsmittel: Triclosan kann Darmentzündungen und Krebsleiden hervorrufen

Alfred Domke

Nicht nur krebserregend: Triclosan kann Darmentzündungen fördern

Das Desinfektionsmittel Triclosan steht schon seit längerer Zeit wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. Das Biozid, das unter anderem in Kosmetika und Zahnpasta enthalten ist, soll krebserregend sein. Wie Forscher herausgefunden haben, kann der Stoff offenbar auch Darmentzündungen fördern.


Antibakteriell wirkende Substanz kann der Gesundheit schaden

Das Biozid Triclosan steht bereits seit längerer Zeit wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. So gibt es Hinweise darauf, dass die antibakteriell wirkende Substanz, die unter anderem in Kosmetika und Zahnpasta enthalten ist, zu hormonellen Störungen führen kann und den Muskeln schadet. Außerdem könne der Stoff laut Experten möglicherweise Brustkrebs auslösen sowie Spermien schädigen und die Leber angreifen. In einer neuen Studie hat sich nun gezeigt, dass die Substanz auch Darmentzündungen auslösen kann – zumindest bei Mäusen.

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass Triclosan negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Die Substanz, die unter anderem in Desinfektionsmitteln, Kosmetika und Zahnpasta enthalten ist, steht schon länger wegen möglicher gesundheitlicher Risiken in der Kritik.(Bild: matka_Wariatka/fotolia.com)

Negative Auswirkungen auf die Darmgesundheit

Die im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass Triclosan bei Mäusen Entzündungen des Dickdarms verursachen und die Entwicklung von Darmkrebs fördern kann.

„Diese Ergebnisse deuten zum ersten Mal darauf hin, dass Triclosan negative Auswirkungen auf die Darmgesundheit haben könnte“, erklärte Studienleiter Guodong Zhang von der University of Massachusetts Amherst in einer Mitteilung.

Die Co-Erstautoren Haixia Yang und Weicang Wang weisen darauf hin, dass Triclosan zu den am häufigsten verwendeten antimikrobiellen Wirkstoffen gehört und in mehr als 2.000 Verbraucherprodukten zu finden ist.

Zudem erläutern sie, dass sich in einer Untersuchung zeigte, dass Triclosan in etwa 75 Prozent der Urinproben von in den Vereinigten Staaten getesteten Personen nachgewiesen wurde und die Substanz zu den Top-Ten-Schadstoffen in US-Flüssen zählt.

„Da diese Verbindung so weit verbreitet ist, legt unsere Studie nahe, dass weitere Untersuchungen zu den Auswirkungen von Triclosan auf die Darmgesundheit dringend notwendig sind, um mögliche gesetzliche Regelungen vorzubereiten“, so die Postdoktorandin Zhang.

Auswirkungen von Triclosan auf die menschliche Gesundheit

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen fütterte das Wissenschaftlerteam Mäuse drei Wochen lang mit Triclosan in einer geringen Menge.

Die Forscher stellten fest, dass die danach im Blut nachgewiesenen Konzentrationen den Werten entsprachen, die bei vielen Menschen gemessen werden. Bei den Tieren hatte die Exposition eine leichte Entzündung der Darmschleimhaut zur Folge.

Bei genetisch manipulierten Mäusen wurden chronisch-entzündliche Darmerkrankungen durch Triclosan beschleunigt und verstärkt.

Zudem erhöhte sich das bei Darmentzündungen vergrößerte Darmkrebsrisiko. Auch die Sterblichkeit der Tiere erhöhte sich leicht.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass Triclosan die schädliche Wirkung über Bakterien im Darm entfaltet. Der Stoff beeinträchtigte die Zusammensetzung der Darmflora.

Den Angaben zufolge schädigte Triclosan bei keimfrei aufgewachsenen Tieren (ohne Darmbakterien) die Darmschleimhaut nicht.

Nur noch in medizinischen Spezialanwendungen zulassen

In einer redaktionellen Notiz zum Artikel im Journal „Science Translational Medicine“ heißt es: Obwohl diese Studie auf Mausmodelle beschränkt ist, „legt diese Arbeit nahe, dass die Auswirkungen von Triclosan auf die menschliche Gesundheit genauer untersucht werden sollten“.

Hierzulande hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2006 gefordert, dass antibakterielle Wirkstoffe wie Triclosan der Desinfektion in Krankenhäusern und Arztpraxen vorbehalten bleiben sollten.

Und im vergangenen Jahr haben 206 Gesundheitsexperten aus 29 Ländern einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie ebenfalls fordern, dass das „Problem-Biozid“ Triclosan weltweit nur noch in medizinischen Spezialanwendungen zugelassen werden solle.

Der Aufruf der Wissenschaftler, Ärzte und weiterer medizinischer Fachpersonen wurde unter anderem in der Wissenschaftszeitschrift „Environmental Health Perspectives“ veröffentlicht. (ad)