Deutsche trinken literweise Alkohol

Fabian Peters

Schädlich für die Gesundheit: Deutsche trinken durchschnittlich knapp zwölf Liter reinen Alkohol im Jahr

13.05.2014

Mehr als fünf Liter reinen Alkohol pro Kopf haben die Deutschen im Jahr 2012 allein über ihren Bierkonsum aufgenommen. Insgesamt tranken die Deutschen im Alter über 15 Jahren durchschnittlich knapp 12 Liter reinen Alkohol pro Kopf im Jahr 2012, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Der „Globale Statusbericht zu Alkohol und Gesundheit 2014“ bietet eine Übersicht zu der weltweiten Entwicklung des Alkoholkonsums, den nationalen Unterschiedenen und den festzustellenden gesundheitlichen Folgen. „Weltweit 3,3 Millionen Todesfälle gingen im Jahr 2012 auf Alkoholmissbrauch zurück“, so die Mitteilung der WHO. Mit dem Alkoholkonsum sein nicht nur das Risiko einer Abhängigkeit verbunden, sondern auch die Entwicklung von mehr als 200 Krankheiten, darunter Leberzirrhose und bestimmte Krebsarten, werde begünstigt. Den Ergebnissen des Berichts zufolge macht der übermäßige Alkoholkonsum Menschen zudem „anfälliger für Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Lungenentzündung.“ Bei Vorstellung des Reports in Genf betonte der WHO-Experte für nichtübertragbare Krankheiten und psychische Gesundheit, Dr. Oleg Chestnov, dass „mehr getan werden muss, um die Bevölkerung vor den negativen gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums zu schützen.“

Männern trinken deutlich mehr als Frauen
In dem WHO-Bericht werden auch drastische geschlechtsspezifische Unterschiede bei dem Alkoholkonsum der Deutschen deutlich. So trinken Männer durchschnittlich 16,8 Liter reinen Alkohol pro Jahr, während Frauen lediglich auf weniger als die Hälfte kommen (7 Liter reinen Alkohol pro Kopf jährlich). Eine Alkoholabhängigkeit entwickeln laut Angaben der WHO 4,7 Prozent der Männer in Deutschland und 1,1 Prozent der Frauen. Europa fällt im weltweiten Vergleich insgesamt durch einen deutlich erhöhten Pro-Kopf-Konsum auf (10,9 Liter gegenüber 6,2 Liter reinem Alkohol pro Jahr) und Deutschland zählt innerhalb der EU zu den Ländern mit signifikant überdurchschnittlichem Verbrauch. Ein Großteil des Alkohols wird dem Bericht der WHO zufolge hierzulande in Form von Bier konsumiert (54 Prozent), aber auch Wein leistet mit 28 Prozent des Konsums einen beachtlichen Beitrag. 18 Prozent des Alkoholkonsums gehen auf Spirituosen zurück. Allerdings sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass immerhin 5,5 Prozent der Deutschen zu den lebenslangen Abstinenzlern gehören, die noch nie einen Tropfen Alkohol zu sich genommen haben.

Alkoholkonsum in Europa am höchsten
Zwar ist Europa weltweit die Region mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Kopf, doch zeigt die Trendanalyse der WHO, dass der Verbrauch hier in den letzten fünf Jahren weitgehend stabil war. In anderen Regionen, mit bislang relativ niedrigem Alkoholkonsum, wie beispielsweise Süd- Ost-Asien, sei indes ein drastischer Anstieg des Alkoholkonsums im Gange. Die WHO erwartet zudem insbesondere in China und Indien ausgehend von einem niedrigen Niveau eine erhebliche Zunahme des Alkoholkonsums. In Europa sei hingegen mit einem leichtem Rückgang des bislang extrem Alkoholkonsums zu rechnen. Allerdings mache der aktuelle Bericht auch hier deutlich, „dass kein Raum für Selbstzufriedenheit bleibt, wenn es um die Verringerung des schädlichen Gebrauchs von Alkohol geht“, betonte Dr. Chestnov.

Regierungen zum Handeln aufgefordert
Die WHO forderte von den Regierungen ein stärkeres Engagement im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch. Die Notwendigkeit für verstärkte Aktionen sei auch von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bestätigt worden. Einige Länder würden bereits Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen. „Dazu gehören die Erhöhung der Steuern auf Alkohol, Einschränkungen der Verfügbarkeit von Alkohol durch Anhebung der Altersgrenze und die Regulierung der Vermarktung von alkoholischen Getränken“, so die Mitteilung der WHO. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet weiter, dass insbesondere die Menschen in den ärmeren Ländern stärker von den sozialen und gesundheitlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs betroffen sind, da hier„eine hochwertige Gesundheitsversorgung“ fehle. (fp)

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