Deutscher Schmerzpreis: Diese Antibiotika wirkten auch gegen Rückenschmerzen

Alfred Domke
Bei manchen Patienten können Antibiotika gegen Rückenschmerzen helfen
Rund 80 Prozent der Deutschen leiden immer mal wieder an Rückenschmerzen. Ursache der Beschwerden sind häufig eine schlechte Körperhaltung und zu wenig Bewegung. Gegen die Schmerzen stehen sowohl natürliche als auch medizinische Behandlungsformen zur Verfügung. Manchen Patienten können auch Antibiotika helfen. Für diese Erkenntnis wurde einer dänischen Forscherin nun der Deutsche Schmerzpreis verliehen.

Manchmal reichen einfache Mittel gegen Rückenschmerzen nicht aus
Rückenschmerzen sind zu einem wahren Volksleiden geworden. Betroffenen wird meist geraten, sich bei Beschwerden nicht übermäßig zu schonen, sondern vielmehr den Rücken durch Bewegung zu stärken. Zu empfehlen ist in der Regel auch Wärme in Form einer Wärmflasche oder eines heißen Bades. Wenn die Beschwerden jedoch heftiger und/oder chronisch werden, reichen einfache Hausmittel bei Rückenschmerzen oft nicht mehr aus. In manchen Fällen kann hier der Einsatz von Antibiotika sinnvoll sein.

Eine Wissenschaftlerin aus Dänemark hat für ihre Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika den Deutschen Schmerzpreis erhalten. Nicht alle Patienten sollten mit Medikamenten behandelt werden. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Dänische Forscherin mit Deutschem Schmerzpreis ausgezeichnet
Zahlreiche Gesundheitsexperten warnen davor, bei Rückenschmerzen vorschnell zu Medikamenten zu greifen, da diese oft mehr schaden als helfen.

Doch bei manchen Patienten macht der Einsatz von Arzneimitteln durchaus Sinn. Die dänische Wissenschaftlerin Hanne Albert ist nun für ihre revolutionären Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika mit dem Deutschen Schmerzpreis ausgezeichnet worden.

„Hanne Albert hat mit ihrer bahnbrechenden Arbeit schmerzmedizinische Denkweisen nachhaltig verändert und eine neue Diskussionsbasis zum Verständnis von chronischen Rückenschmerzen geschaffen“, erklärte Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) in seiner Laudatio in Frankfurt.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird jährlich an Wissenschaftler verliehen, die sich in der Diagnostik und Therapie akuter und chronischer Schmerzen verdient gemacht haben.

Bakterien in der Bandscheibe
Wie die DGS in einer Mitteilung erläutert, weisen ungefähr die Hälfte der Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken bei Untersuchungen im MRT Ödeme im Knochenmark, sogenannte „modic changes“, auf.

Albert konnte bei ersten Untersuchungen in dem nach einem Bandscheibenvorfall entnommenen Gewebe bei über 50 Prozent der Patienten Bakterien nachweisen. Zu einem Großteil war das Gewebe mit P. acnes infiziert.

Dieses Bakterium, das zur natürlichen Mundflora gehört, gelangt zum Beispiel über kleine Verletzungen, die beim Zähneputzen entstehen, ins Blut und schließlich ins Innere der Bandscheibe, wo sie auch nach einer Ausheilung des Bandscheibenvorfalls Entzündungen, Knochenödeme und Schmerzen verursachen.

Antibiotika-Einsatz nur bei manchen Patienten
Daher entstand die Idee, zu testen, ob Antibiotika gegen den Bakterienbefall und damit auch gegen die Rückenschmerzen der Patienten wirken können. Schon diese erste Studie zeigte signifikante Ergebnisse in der Verbesserung – sowohl der Schmerzsymptome als auch der funktionellen Beschwerden der Patienten.

Weitere Untersuchungen bestätigten das Ergebnis. Erste Effekte zeigten sich nach sechs bis acht Wochen und setzten sich über eine Follow-up-Zeit von einem Jahr, in einer weiteren Studie sogar über zwei Jahre, fort.

Trotz der positiven Ergebnisse heißt das aber nicht, dass nun alle Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken mit Antibiotika behandelt werden sollen.

„Aber diejenigen mit „modic changes“, bei denen Bakterien eine Rolle spielen, profitieren enorm“, sagte Albert. „Ein revolutionärer Ansatz in der Schmerzmedizin, der nicht nur das Leiden von Millionen von Patienten lindern könnte, sondern auch enorme Kosten aufgrund von Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen einsparen könnte“, heißt es in der Mitteilung der DGS. (ad)