Deutschland als Masern-Exporteur

Fabian Peters

Deutschland als Masern-Exporteur

06.05.2011

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eigentlich das Ziel propagiert hatte, dass bereits bis 2010 die Masern in Deutschland ausgerottet seien sollten, sind hierzulande dieses Jahr bereits 390 Menschen an Masern erkrankt. Ein 26-jähriger Patient mit Vorerkrankungen in eine Münchener Klinik ist sogar an den Folgen der Masern verstorben. Der Grund für die dramatische Wiederbelebung der Masern sei der mangelnde Impfschutz in der Bevölkerung, warnen die Gesundheitsbehörden.

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Die wachsende Zahl von Masern-Erkrankungen ist nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ein deutliches Anzeichen für die Ausbreitung der Viren in der ungeschützten Bevölkerung. Dass sogar medizinisches Personal nicht gegen Masern geimpft ist, wie im Rahmen des Todesfalls in der Münchener Klinik deutlich wurde, wertet der BVKJ als Skandal. Denn Masern zählen zu den Krankheiten mit dem höchsten Infektionsrisiko und bei ungeschütztem Kontakt mit den Viren würden 95 bis 99 Prozent der Betroffenen an Masern erkranken, warnte der BVKJ.

Masern sind hoch ansteckend – Schutzimpfung empfohlen
Die Masern können sich laut Aussage des Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte,Wolfram Hartmann, derzeit vor allem bei der Bevölkerung im Alter zwischen 20 und 40 Jahren ausbreiten, da hier der entsprechende Impfschutz zum Großteil fehlt. Besonders problematisch ist dabei nach Aussage der Experten, dass die vermeintlich harmlose Infektionskrankheit bei Erwachsenen oft erheblich schwerer verläuft und durchaus tödlich enden kann. Die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist dem BVKJ-Präsidenten zufolge besonders gefährdet, da sie entweder als Kind nur einmal gegen Masern geimpft und die Schutzimpfung anschließend nicht aufgefrischt wurde (dies war erst seit 2001 üblich) oder die Betroffenen im Kindesalter gar keine Impfung erhielten und auch nicht an Masern erkrankten. Wer indes bereits als Kind an Masern litt, ist sein Leben lang gegen die Krankheit immun und braucht sich keine Sorgen um den Impfschutz zu machen, erklärte der Experte. Alle ungeschützten Personen seien jedoch bei Kontakt mit dem Masern-Virus einer erheblichen Ansteckungsgefahr ausgesetzt, denn von 100 Personen ohne entsprechende Antikörper erkranken 99, wenn sie mir den Masern-Erregern in Berührung kommen. Dennoch herrscht in Deutschland anders als zum Beispiel in Skandinavien oder Nord- und Südamerika keine Impfpflicht, bemängelte der Präsident des BVKJ. Dass sogar medizinisches Personal sich keine Schutzimpfungen unterziehen muss, empfindet der Experte als Skandal.

Schutzimpfungen die einzige Option im Kampf gegen Masern?
Sowohl der BVKJ als auch die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts sehen in konsequenten Schutzimpfungen die einzige Möglichkeit, um Masern effektiv zu bekämpfen. Dabei sollten nicht nur Kinder geimpft werden, sondern auch alle nach 1970 geboren Personen sind aufgefordert, ihren persönlichen Impfschutz zu überprüfen und gegebenenfalls die Schutzimpfung nachzuholen, erklärte der Präsident des BVKJ. Auch Personen, die unsicher sind, ob sie als Kind bereits Masern hatte und so über einen entsprechende Schutz verfügen, sollten sich laut Aussage des BVKJ und der Ständigen Impfkommission impfen lassen. Durch zwei Spritzen im Abstand von vier bis sechs Wochen könne die Ansteckungsgefahr künftig ausgeschlossen werden, erklärte der BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Dabei werden die Kosten der zweimaligen Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln auch bei Erwachsenen von der Krankenkasse übernommen, so Hartmann weiter. Laut Aussage des Mediziners ist der Impfstoff insgesamt gut verträglich und Nebenwirkung seien nicht zu befürchten bzw. äußerst selten. Hartmann forderte in Zusammenhang mit den Masern-Impfungen auch einen nationalen Impfplan ähnlich wie er in anderen Ländern bereits geführt werde. Für den Experten ist es nicht zu fassen, dass „Deutschland in Europa zu den größten Masernexporteuren“ zählt.

Masern für Erwachsene besonders bedrohlich
Auch Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf warnte, dass die gesundheitlichen Risiken der hoch ansteckenden Masern hierzulande häufig noch unterschätzt werden. Vor allem Erwachsene seien sich der gesundheitlichen Folgen, die eine Masern-Erkrankungen haben kann, oft nicht bewusst, kritisierte der Fachmann. Dabei sind Masern nach Aussage von Jelinek keineswegs harmlos und können durchaus tödlich verlaufen. Vor allem bei älteren Menschen nehme die Krankheit meist einen erheblich schwereren Verlauf. Anfängliche Symptome seien Fieber, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten sowie etwas später der typische fleckig-knotigen rötlichen Hautausschlag (Masernexanthem), der sich im weiteren Verlauf über den gesamten Körper ausbreiten kann. Vor allem bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem könne es im Krankheitsverlauf zu erheblich Komplikationen kommen, erklärte BVKJ-Präsident Hartmann. Dabei seien Augen- oder Lungenentzündungen relativ häufig die Folge einer Masern-Erkrankung doch auch lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns treten im Rahmen der Masern auf. Nach Aussage des Experten stirbt etwa einer von 1.000 Masern-Patienten an den Entzündungen des Gehirns. (fp)