Diabetes: Bei drei Millionen bislang unerkannt

Sebastian

Rund drei Millionen Menschen in Deutschland wissen nichts von der eigenen Diabetes-Erkrankung

31.01.2012

Rund sieben Millionen Deutsche leiden an der Stoffwechselerkrankung Diabetes. Experten warnen vor einer hohen Dunkelziffer: Etwa drei bis vier Millionen Menschen in Deutschland wissen von ihrer erworbenen Zuckerkrankheit nichts, wie die Deutsche Diabetes Stiftung mitteilte. Mit Hilfe eines Online-Test kann jeder sein persönlichen Risiko abschätzen. Wichtig ist, die ersten Anzeichen genau zu deuten. Bei einer rechtzeitigen Therapie kann noch effektiv gegengesteuert werden.

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Hohe Diabetes-Dunkelziffer
Viele Millionen Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer Diabetes-Erkrankung. Unspezifische Signale wie Heißhunger auf etwas Süßes oder großen Durst werden von den wenigsten als erste Symptome einer Diabetes-Typ II Erkrankung gedeutet. Zusätzliche Hinweise wie chronische Müdigkeit, Leistungseinbruch oder häufiger Harndrang sollten eindeutige Warnsignale sein, um einen Arzt aufzusuchen. Wird die Stoffwechselstörung zu spät erkannt, drohen schwere Folgeerscheinungen wie Blutgefäßschädigungen, Nervenleiden, Schäden an Augen und Nieren. Zudem gilt die unbehandelte Diabetes als Risiko für die Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall. Trügerisch ist, dass die Erkrankung nur schleichend voranschreitet, weshalb Diabetes oft erst sehr spät erkannt wird. „Aus diesem Grund schätzen Experten die hohe Dunkelziffer von etwa drei bis vier Millionen Menschen, die nichts von ihrer schweren Krankheit wissen.“

Gesundheitscheck und Test in der Apotheke
Ab dem 35. Lebensjahr können gesetzlich Versicherte bei einem Gesundheitscheck die Blutzuckerspiegelwerte messen lassen. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann sogar noch mit einer effektvollen Diät gegengesteuert werden. Zudem kann das Risiko für Folgeerkrankungen gesenkt werden. Ein Test in der Apotheke ist ebenfalls möglich. Teilweise werden die Tests auch kostenlos oder für ein geringes Entgelt angeboten. Der Apothekentest kann aber nur einen ersten Hinweis liefern. Ein abschließende Diagnose wird vom Haus- oder Facharzt gestellt.

Stoffwechselstörung durch ungesunde Ernährung
Diabetes, auch im Volksmund „Zuckerkrankheit“ genannt, bezeichnet eine Reihe von chronischen Stoffwechselstörungen. Hauptmerkmal ist die ständige Überzuckerung des Körpers. Ursächlich hierfür ist ein vorliegender Insulinmangel. Das Hormon Insulin wird vom Organismus gebildet, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Ist das Hormon nur unzureichend erzeugt, gerät der Spiegel aus dem Gleichgewicht. Vielfach wird geäußert, ein „hoher Konsum von Zuckerwaren sei für die Bildung von Diabetes“ verantwortlich. Zwar begünstigen ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel die Entstehung der Krankheit, ein abgespaltener Auslöser ist Zucker allerdings nicht.

95 Prozent Diabetes Typ-2
Wie die Deutsche Diabetes Stiftung berichtet, leiden etwa 95 Prozent aller Diabetiker an dem Typ II. In 80 Prozent der Fällen besteht bei den Betroffenen eine Adipositas (starkes Übergewicht). Durch die mangelhafte, fettreiche und ungesunde Ernährung entwickelt der Körper eine gewisse Insulinresistenz. Die Wirkkraft des Hormons wird dabei herabgesetzt. Forscher haben unlängst herausgefunden, dass eine strikte Diät bei rechtzeitiger Erkennung die chronische Krankheit sogar heilen kann. Allerdings fällt es den allermeisten Menschen schwer, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Viele schlucken daher lieber Pillen. Dabei kann viel Bewegung und eine drastische Umstellung der Nahrungszufuhr die ständige Einnahme von Medikamenten in vielen Fällen verhindern.

Etwa fünf Prozent aller Betroffenen leiden an dem Typ I. Dieser Typ zeigt sich meist bereits in jungen Jahren. Diese Form ist eher vergleichbar mit einer Autoimmunkrankheit, weil das Immunsystem die eigenen Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstören, die für die Produktion des Insulins verantwortlich sind. Der Insulinmangel kann nur wieder hergestellt werden, wenn sich Patienten kontinuierlich Insulin spritzen. Eine Heilung ist nicht möglich. (sb)