Diabetes-Erkrankungen ursächlich für wesentlich mehr Tote als bisher angenommen

Alexander Stindt

Die Anzahl der Todesfälle durch Diabetes ist höher als vermutet

Anscheinend wurden die tödlichen Auswirkungen durch Diabetes-Erkrankungen bisher unterschätzt. Eine neue Untersuchung über die Anzahl an Todesfällen in Deutschland ergab jetzt, dass Menschen mit Diabetes ein bis zu 2,6-faches Sterberisiko im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes haben.

Die Wissenschaftler vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Diabetes-bedingte Sterblichkeit wesentlich höher liegt, als bisher angenommen. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Diabetes Care“.

Viele Menschen in Deutschland und der restlichen Welt leiden an Diabetes. Experten stellten jetzt fest, dass die bisher angenommen Todesfälle durch Diabetes oder Folgeerkrankungen zu gering eingeschätzt wurden. Der Wert scheint in Wirklichkeit wesentlich höher zu liegen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Todesfälle durch Diabetes haben sich in zehn Jahren verdoppelt

Die aktuelle Untersuchung über die Anzahl an Todesfällen in Deutschland, welche auf eine Erkrankung durch Diabetes zurückzuführen sind, ergab höhere Sterberaten als bisher angenommen wurde. Die Zahl der diabetesbedingten Todesfälle hat sich im Zeitraum zwischen dem Jahr 1990 und dem Jahr 2010 verdoppelt, sagen die Experten. Alleine im Jahr 2013 waren etwa 5,1 Millionen Menschen weltweit und ungefähr 620.000 Menschen in Europa an Diabetes oder an diabetesbedingten Folgeerkrankungen verstorben. Mit anderen Worten ist die Lebenserwartung für Menschen mit Diabetes im Durchschnitt etwa fünf bis sechs Jahre kürzer, verglichen mit Menschen im gleichen Alter ohne eine solche Erkrankung. Dabei sind Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren am stärksten betroffen. Zudem scheinen Männer besonders gefährdet zu sein. Statistisch betrachtet sterben erkrankte Männer zehn Jahre früher, verglichen mit Frauen mit Diabetes.

Die bei der Studie verwendeten Daten umfassen ca. 90 Prozent der deutschen Bevölkerung

Bisher wurde die diabetesbedingte Sterblichkeit in Deutschland basierend auf Schätzungen von regional begrenzten Kohortenstudien und Surveys berechnet, erläutern die Autoren. Bei diesen wurden allerdings nur wenige Menschen mit Diabetes untersucht, fügen die Forscher hinzu. Die Mediziner werteten die Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus, um die erhöhte Sterblichkeit durch Diabetes zu errechnen. „Diese Daten ermöglichen uns neue Möglichkeiten, epidemiologische und versorgungsrelevante Untersuchungen für ganz Deutschland durchzuführen“, erklärt Studienautor PD Dr. Wolfgang Rathmann, Stellvertretender Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum und Mitglied im Research Coordination Board des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) in einer Pressemitteilung. Die verwendeten Daten umfassen ungefähr 90 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Daten aus Dänemark wurden miteinbezogen

Aufgrund fehlender verlässlicher Schätzungen der Mortalität von Menschen mit und ohne Diabetes wurde die alters- und geschlechtsspezifische relative Mortalität aus Dänemark in die Berechnung miteinbezogen, erläutern die Wissenschaftler des DDZ. Dänemark und Deutschland haben ein vergleichbares Gesundheitssystem und auch die Prävalenz von Diabetes ist vergleichbar. Mit der Hilfe der sogenannten Alterspyramide und der Sterbetafel für Deutschland vom Statistischen Bundesamt im Jahr 2010 wurden dann die alters- und geschlechtsspezifischen sogeannten Exzess-Todesfälle berechnet.

21 Prozent aller Todesfälle in Deutschland im Jahr 2010 waren auf Diabetes zurückzuführen

Die von den Experten durchgeführten Berechnungen ergaben, dass alleine im Jahr 2010 insgesamt 175.000 Todesfälle (Typ-2-Diabetes: 137.950 Todesfälle) hätten verhindert werden können, wenn die Sterblichkeit von Menschen mit Diabetes genauso hoch wäre, wie bei Menschen ohne eine Diabetes-Erkrankung. Dies bedeutet anders ausgedrückt, dass alleine im Jahr 2010 etwa 21 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf Diabetes zurückzuführen waren. Typ-2-Diabetes konnte mit 16 Prozent aller Todesfälle in Verbindung gebracht werden.

Weitere Forschung ist nötig

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die offizielle Statistik über Todesursachen in Deutschland im Jahr 2010 nicht die wirkliche Anzahl der an Diabetes und damit zusammenhängenden Folgeerkrankungen verstorbenen Menschen wiedergibt. International gesehen kann bei der Sterblichkeit von Menschen mit einer Diabetes-Erkrankung ein positiver Trend beobachtet werden. Seit mehr als 20 Jahren sinken die Raten der Mortalität immer weiter ab. Dies liegt teilweise an einer verbesserte Versorgung der Menschen mit Diabetes und einer verbesserten Prävention und Therapie der durch Diabetes bedingten Komplikationen. Zukünftige Untersuchungen müssen jetzt feststellten, ob diese positiven Trends auch in Deutschland zu beobachten sind. (as)