Diabetes-Experten fordern: „Wasser gegen Zucker statt Wasser mit Zucker“

Statt Softdrinks sollte mehr Wasser getrunken werden, um Übergewicht und Gesundheitsschäden zu vermeiden. (Bild:     Monkey Business/fotolia.com)
Alfred Domke
Süße Softdrinks: Strategie gegen die Zuckerbomben
Adipositas, Diabetes, Karies: Der häufige Konsum süßer Softdrinks birgt eine Menge Gesundheitsrisiken. Ernährungsexperten und Mediziner raten daher von solchen Getränken ab. Eine Strategie gegen die Zuckerbomben und eine effiziente Methode zur Vorbeugung von Diabetes ist, mehr Wasser zu trinken.

Hoher Zuckerkonsum macht krank
Gesundheitsexperten warnen immer wieder: Vermeiden sie zu hohen Zuckerkonsum. Das Süßungsmittel kann bei häufigem Konsum zu enormen gesundheitlichen Problemen wie Karies, Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes führen. Viel Zucker wird über süße Limonaden aufgenommen. Solche Softdrinks sind oft Ursache für Übergewicht. Manche Experten meinen, man könne dem Problem mit einer Zucker-Fett-Steuer begegnen, wie es sie bereits in einigen Ländern gibt. Eine Mehrheit der Deutschen lehnt die Zuckersteuer allerdings ab. Aus Österreich berichten Fachleute über eine einfache Strategie gegen die Zuckerbomben.

Statt Softdrinks sollte mehr Wasser getrunken werden, um Übergewicht und Gesundheitsschäden zu vermeiden. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)
Statt Softdrinks sollte mehr Wasser getrunken werden, um Übergewicht und Gesundheitsschäden zu vermeiden. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Konsum von flüssigen „Zuckerbomben“ verringern
„Wasser gegen Zucker statt Wasser mit Zucker“: So lautet die Devise der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft (ÖDG), um der Entstehung von Übergewicht und Diabetes effizient vorzubeugen. Ein besonderer Dorn im Auge sind den Medizinern gezuckerte Softdrinks. Wie die Nachrichtenagentur APA berichtet, wünschen sie sich mehr Bewusstsein bei den Konsumenten und vom Gesetzgeber Anreize, die den Konsum von flüssigen „Zuckerbomben“ verringern. In zahlreichen Studien zeigte sich, dass der bewusste Konsum von Flüssigkeit zur Vermeidung von Übergewicht beitragen kann. „Das gilt aber nur für Leitungswasser, Mineralwässer und ungesüßte Tees“, sagte ÖDG-Präsident Hermann Toplak. Selbst vermeintlich gesunde Drinks wie Smoothies haben einen hohen Zuckeranteil.

„Softdrinks sind gar nicht so soft“
Toplak, der Stoffwechselexperte an der Ambulanz für Lipidstoffwechsel der Uniklinik für Innere Medizin der Med-Uni Graz ist, warnte, dass die Wahl des falschen Getränkes gegen den Durst das Risiko von Übergewicht sogar erhöhen und eine Diabeteserkrankung begünstigen könne. „Im Typenschein des Menschen steht Wasser, getankt wird im übersetzten Sinne aber meistens Kerosin“, so der Experte. Verschiedene Untersuchungen belegten in den vergangenen Jahren, dass es einen starken Zusammenhang zwischen dem Konsum von sogenannten Softdrinks und der Entstehung von Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen wie Fettsucht und Typ-2-Diabetes gibt. „Ein Liter eines Softdrinks hat rund 500 Kalorien, da hat man schon fast eine Leberkäse-Semmel „getrunken“ ohne satt zu sein. Die Softdrinks sind gar nicht so soft, wenn es um unsere Gesundheit geht, sondern höchst gefährlich“, sagte Helmuth Brath vom Gesundheitszentrum Wien-Süd.

Warnhinweise könnten eine Option sein
Die ÖDG forderte eine gesellschaftspolitische Diskussion: „Der Gesetzgeber kann Anreize bieten, um den Konsum von Softdrinks zu verringern. Zum Beispiel wird in Mexiko auf Süßgetränke eine Steuer eingehoben“, erklärte Toplak. Auch in anderen Ländern wurden ähnliche Maßnahmen ergriffen. So führte etwa Frankreich schon vor Jahren eine „Cola-Steuer“ ein. Zwar müsse es in der Alpenrepublik nicht gleich eine Steuer sein, doch „verpflichtende und sichtbare Warnhinweise sind eine weitere Option, um das Thema bewusst zu machen“, meinte der Grazer Mediziner. Er wünsche sich, dass die verschiedenen erprobten Modelle nach ihrer Tauglichkeit untersucht werden. „Man kann aber die Ergebnisse von Interventionen in Ungarn, Mexiko oder Großbritannien nicht eins zu eins für Österreich übernehmen. Hier spielen viele lokalregionale Faktoren des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens eine Rolle“, so Toplak.

Täglich ausreichend Wasser trinken
Die Antwort auf die Frage, wie viel Wasser sollen wir trinken, fällt nicht für alle Menschen gleich aus. Laut einer Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt die „absolute Untergrenze“ bei einem Liter täglich. Anderen Experten zufolge scheidet der Mensch durch Schwitzen und Stoffwechselvorgänge etwa 2,5 Liter Wasser pro Tag aus. Um diesen Verlust auszugleichen, sollte ein Erwachsener etwa eineinhalb Liter täglich trinken. Die restliche Flüssigkeitsmenge wird mit der Nahrung aufgenommen. Bei Hitze und damit verstärkter Transpiration dürfen es auch ruhig drei Liter oder mehr sein.

Wirkung auf den Blutzuckerspiegel
Wie es in der APA-Meldung heißt, würden mit Zucker gesüßte Getränke durch ihre Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und ihrem gleichzeitig geringen Sättigungspotenzial nicht nur zu Übergewicht, sondern auch der Insulinresistenz (als Vorstufe zum Typ-2-Diabetes) beitragen. In einer Pressemitteilung erläuterte Prof. Toplak: „Ein Teil des Flüssigkeitsbedarfs kann durchaus auch durch Light-Getränke abgedeckt werden, da auch sie beim Kaloriensparen helfen. Hier ist aber zu bedenken, dass die Geschmackswahrnehmung dadurch immer mehr auf „Süßes“ konditioniert wird.“ Andere Experten sehen das jedoch anders und raten davon ab, Light-Getränke zu konsumieren, da der enthaltene Süßstoff ebenfalls mit einem Diabetes-Risiko einhergehen könne. (ad)

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