Diabetes-Forschung: Google und Pharmakonzern Sanofi arbeiten zusammen

Sebastian
Google kooperiert mit Sanofi zur Diabetes-Bekämpfung
Der Internetkonzern Google und das französische Pharmaunternehmen Sanofi haben sich darauf geeinigt, zur Bekämpfung von Diabetes zu kooperieren. Die Behandlung von Patienten soll erleichtert und die Kosten gesenkt werden.

Diabetes-Zahlen werden drastisch steigen
Experten zufolge gibt es in Deutschland sechs Millionen Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden. 400 Millionen sollen es weltweit sein. Wenn die Nationen nicht mit wirkungsvollen Präventionsstrategien reagieren, werden nach Schätzungen der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) bis zum Jahr 2035 rund 600 Millionen Menschen von Diabetes betroffen sein. Weltweit erforschen zahlreiche Wissenschaftler, wie Vorbeugemaßnahmen und Behandlungsmethoden der Stoffwechselkrankheit zu verbessern sind. Auch der Internetkonzern Google beteiligt sich daran. So wurden im vergangenen Jahr erstmals vom Konzern entwickelte Prototypen der intelligenten Kontaktlinsen für Diabetiker getestet, die den Blutzuckerspiegel anhand der Tränenflüssigkeit ermitteln. Nun wurde bekannt gegeben, dass der Internetriese gemeinsam mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi an neuen Behandlungsmöglichkeiten arbeiten will.

Google Gesundheit: Immer mehr Neuerfindungen durch den Suchgiganten. Bild: vege - fotolia
Google Gesundheit: Immer mehr Neuerfindungen durch den Suchgiganten. Bild: vege – fotolia

Zusammenarbeit zur Diabetes-Bekämpfung
Der US-amerikanische Konzern macht sich zunehmend im Gesundheitswesen breit. Anfang des Jahres wurde bekannt gegeben, dass Google an einem Armband zur frühzeitigen Krebserkennung arbeitet. Über die nun vereinbarte Zusammenarbeit zur Diabetes-Bekämpfung erklärte der Leiter der Life-Science-Sparte von Google, Andy Conrad, dass Diabetes genau die Art Krankheit sei, bei der Technologie den Patienten helfen könne. Die beiden Unternehmen hoffen, die Nutzung von Gesundheitswerten wie Blutzucker und Hämoglobin sowie anderen Patientendaten zu verbessern und Sensoren für den Gesundheitscheck zu entwickeln. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, sagte Conrad gegenüber der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“: „Wir wollen eine Schnittstelle aufbauen, die es Ärzten und Patienten erlaubt, jene Daten zu nutzen, die wir sammeln.“

Blutzuckerspiegel permanent überwachen
Diabetiker müssen permanent ihren Blutzuckerspiegel überwachen und die Insulinzufuhr entsprechend ihrer Nahrungsaufnahme und ihrer körperlichen Anstrengung dosieren. Nach der gängigen Methode pieksen sie sich in den Finger, führen das herausquellende Bluttröpfchen an einen Teststreifen, den ein Messgerät auswertet. Eine durchaus lästige Prozedur, die im Zweifelsfall spontane Entgleisungen des Blutzuckerspiegels auch nicht erfassen kann. Ein plötzlicher Anstieg (hoher Blutzucker) oder ein steiler Abfall (niedriger Blutzucker) der Blutzuckerwerte sind jedoch gesundheitlich äußerst kritisch und bedürfen umgehender Gegenmaßnahmen. Hier könnte künftig eine Technik helfen, an der deutsche Wissenschaftler arbeiten. Forscher am Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) in Duisburg sind schon seit längerem damit beschäftigt, einen Mini-Sensor für Diabetiker zu entwickeln, der den intelligenten Kontaktlinsen von Google ähnelt. Dieser könnte in Zukunft dazu beitragen, Entgleisungen des Blutzuckers frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Behandlung für Patienten verbessern und Kosten senken
Auch andere Diagnsotikkonzerene und Pharmaunternehmen arbeiten an neuen Lösungen, zum Beispiel Verabreichungsgeräten wie Pens, die über den Kurzstreckenfunk Bluetooth und das Internet eine Verbindung zum Arzt haben. Wie Google und Sanofi hervorhoben, sollen solche Innovationen die Behandlung für die Patienten erleichtern, die Ergebnisse verbessern und somit auch Kosten senken. Die beiden Konzerne wollen Produkte entwickeln, mit deren Hilfe Glukose-Werte im Blut in Echtzeit gespeichert und analysiert werden können, so dass Patienten und Ärzte schneller auf Spitzen- und Tiefwerte reagieren und damit Spätfolgen einer schlecht eingestellten Diabetes vermeiden können, darunter auch Herzinfarkte und Krebs. Laut einer Mitteilung des Nachrichtenunternehmens „Bloomberg“ erläuterte Conrad, dass es Geräte, die die Blutzuckerwerte kontinuierlich überprüfen und die Daten in eine Cloud hochladen, den Patienten ermöglichten, weg von einer reaktiven und episodischen Behandlung hin zu einer proaktiven und vorbeugenden Behandlung zu kommen. „Ein Gramm Vorbeugung wiegt ein Pfund Heilbehandlung auf.“ (ad)