Studie: Diabetes-Medikamente erhöhen das Risiko für Blasenkrebs massiv

Die Einnahme des Diabetes-Typ 2 Medikaments Pioglitazon kann dazu führen, dass sich unsere Wahrscheinlichkeit für Blasenkrebs um etwa 63 Prozent erhöht. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Alexander Stindt
Patienten sollten besser über die Auswirkungen von Diabetes-Medikamenten informiert werden
Normalerweise soll das Medikament Pioglitazon helfen, bei Diabetes-Typ-2-Patienten den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Bei einer Untersuchung wurde aber von Medizinern festgestellt, dass Pioglitazon auch unser Risiko für Blasenkrebs erhöht. Diabetes-Typ-2-Patienten sollten sich dringend über alle Auswirkungen des Medikaments informieren lassen.

Pioglitazon wird eingesetzt, um bei Patienten mit Diabetes Typ 2 den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Allerdings scheint das Medikament einen unerwünschten Nebeneffekt zu haben. Forscher fanden in einer großen Untersuchung heraus, dass die Einnahme von Pioglitazon zu einer Erhöhung des Blasenkrebs-Risikos führt. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Die Einnahme des Diabetes-Typ-2-Medikaments Pioglitazon kann dazu führen, dass sich unsere Wahrscheinlichkeit für Blasenkrebs um etwa 63 Prozent erhöht. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Die Einnahme des Diabetes-Typ-2-Medikaments Pioglitazon kann dazu führen, dass sich unsere Wahrscheinlichkeit für Blasenkrebs um etwa 63 Prozent erhöht. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Die Einnahme von Pioglitazon erhöht die Wahrscheinlichkeit für Blasenkrebs um 63 Prozent
Ein Medikament, das Patienten mit Diabetes Typ 2 helfen soll, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, erhöht gleichzeitig das Risiko für eine Blasenkrebs-Erkrankung. Durch die Einnahme steigt die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Blasenkrebs um etwa 63 Prozent, warnen die Mediziner. Die Ergebnisse der großen Studie zeigen, dass die Einnahme von Pioglitazon mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Blasenkrebs zusammenhängt, erläutert der Hauptautor Dr. Laurent Azoulay vom Jewish General Hospital in Montreal.

Experten überprüfen die Daten von 145.806 Patienten
Die kanadischen Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen der Einnahme des Medikaments und einer Reihe von Blasenkrebsfällen. Diese traten bei Patienten auf, die das Medikament während einer früheren Studie einnahmen, erklären die Mediziner. Seitdem gab es verschiedene Studien zu diesem Thema, teilweise mit recht widersprüchlichen Ergebnissen. Die Experten untersuchten die Daten von 145.806 Patienten aus der UK Clinical Practice Research Datenbank. Die Patienten hatten das Medikament zwischen den Jahren 2000 und 2013 eingenommen. Im Jahr 2000 war Pioglitazon zusammen mit einem anderen Medikament auf den Markt gekommen. Die Folgeuntersuchungen endeten im Juli 2014. Insgesamt wurde innerhalb dieser Folgeuntersuchungen bei 622 der Probanden eine Blasenkrebs-Erkrankung festgestellt, sagen die Experten.

Patienten müssen besser über die Auswirkungen von Medikamenten aufgeklärt werden
Das Team von kanadischen Forschern fand heraus, dass im Vergleich zu anderen Antidiabetika das Medikament Pioglitazon mit einem erhöhten Risiko von Blasenkrebs in Verbindung gebracht werden kann. Das Risiko erhöht sich dabei mit der Nutzungsdauer und der Dosis des Medikaments, sagen die Mediziner. Es konnte kein solch erhöhtes Risiko bei der Einnahme von Rosiglitazon festgestellt werden. Allerdings wurde dieses Medikament im Jahr 2010 vom Markt zurückgezogen, weil es das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann, einschließlich Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Eine Typ-2-Diabetes Erkrankung betrifft alleine in England und Wales etwa drei Millionen Menschen und es gibt derzeit noch keine Heilung für die Erkrankung, erkären die Mediziner. Die Krankheit könne zu Folgebeschwerden wie Erblindung, Schlaganfall, Nierenversagen und der Amputation von Gliedmaßen führen. Auf der anderen Seite wird jedes Jahr allein in England und Wales bei etwa 10.000 Menschen eine Blasenkrebs-Erkrankung diagnostiziert. Mehr als 5.000 der Betroffenen versterben durch die Krankheit. Patienten sollten über die Risiken besser unterrichtet werden, damit sie selber auswählen können, ob sie das Medikament weiter einnehmen wollen oder nicht, erläutern die Wissenschaftler.

Ergebnisse sollten Auswirkungen auf die Verschreibung von Diabetes-Medikamenten haben
Eine separate Studie von der Nottingham University stellte fest, dass unser Risiko für Nierenerkrankungen und Blindheit erhöht wurde, abhängig von der Kombination der Anti-Diabetes-Medikamente, die ein Patient einnahm. Das Medikament Metformin senkt zwar signifikant das Risiko für eine schwere Nierenerkrankung, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit zu erblinden um fast 50 Prozent, sagen die Mediziner. Die aktuellen Ergebnisse könnten Auswirkungen auf die Verschreibungen von Medikamenten haben. Ärzte und Patienten sollten die gesamten Risiken und Nutzen von Diabetes-Medikamenten kennen, um diese besser beurteilen zu können, so das Fazit der Forscher. (as)

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