Diabetes: Neues kostengünstiges tragbares Gerät erlaubt bessere Krankheitskontrolle

Alexander Stindt
Durchbruch bei der Verwaltung von Diabetes?
Forschern ist es gelungen, eine neue tragbare Vorrichtung zu entwickeln, welche durch die Überwachung von Schweiß zur besseren Kontrolle von Diabetes beitragen kann. Die Entwicklung könnte das Ende für Bluttests mit schmerzhaften Nadelstichen bedeuten. Das Gerät ist in der Lage, drei spezielle Verbindungen im Schweiß zu erkennen und diese über einen Zeitraum von einer Woche – ohne einen Verlust der Signalintegrität – zu messen.

Die Wissenschaftler der University of Texas stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass das neu entwickelte tragbare Gerät verlässlich den Schweiß von Patienten analysiert und so bei der Verwaltung von Diabetes helfen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Im Falle eines Diabetes müssen die Blutzuckerwerte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Ein neues tragbares und preiswertes Diagnosegerät könnte in Zukunft diese Kontrollen durch Messungen des Schweißes durchführen. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Schweißtest misst Cortisol, Glukose und Interleukin-6
Der tragbare diagnostische Biosensor kann drei miteinander zusammenhängende Verbindungen erkennen und messen. Cortisol, Glukose und Interleukin-6 können auch noch eine Woche später in einem Schweißtest festgestellt werden. Um die chronische Erkrankung zu verwalten und zu regulieren, sind diese Marker besonders wichtig, erklärt Autorin Professor Shalini Prasad von der University of Texas. „Wir haben das erste tragbare Diagnosegerät geschaffen, welches diese Verbindungen über den Zeitraum von bis zu einer Woche im Schweiß messen kann“, fügen die Experten hinzu.

Stress kann zu Prädiabetes führen
Wenn eine Person chronischen Stress ausgesetzt ist, erhöhen sich ihre Cortisol-Werte. Die daraus resultierende Insulin-Resistenz wird allmählich den Glukosespiegel beeinflussen, sagt Prasad. An diesem Punkt können Betroffene sogenannte Prädiabetes entwickeln, welche zu Typ-2-Diabetes werden kann. Wenn dies passiert, liegt im Körper der Betroffenen ein Zustand der Entzündung vor. Der Marker für solche Entzündungen (Interleukin-6) zeigt hier an, ob bereits Organe betroffen sind, erläutert die Expertin.

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Geringe Mengen von Schweiß reichen für die Messung aus
Die Biomarker-Messungen sind laut Aussage der Wissenschaftler auch bei einer geringen Schweißmenge zuverlässig. Es reichen bereits ein bis drei Mikroliter, sagen die Forscher. Wir wollten ein nützliches Produkt erschaffen, welches nicht Unmengen von Schweiß benötigt, betonen Prasad und Kollegen.

Gerät misst verschiedene Moleküle in kombinatorischer Weise
Es reicht nicht aus, nur eine der Verbindungen zu erkennen. Das Messen von verschiedenen Molekülen in einer kombinatorischen Weise und deren Überwachung über einen längeren Zeitraum ermöglicht es, dass Mediziner die Gesundheitsgeschichte der Betroffenen besser analysieren und verstehen können, erläutern die Studienautoren.

Mediziner entwickeln gerade eine passende App für den neuen Biosensor
Die tragbaren Geräte sollten in Zukunft einen kleinen Transceiver enthalten, welcher die gemessenen Daten an eine auf einem Mobiltelefon installierte Anwendung (App) sendet, sagt Prasad. Mit solch einer App, welche gerade entwickelt werde, reiche es für Nutzer aus, einen Knopf zu drücken, um benötigte Informationen vom Gerät anzufordern, fügt die Autorin hinzu.

Neues Gerät ist sehr preiswert
Wenn die Konzentrationen der Verbindungen jede Stunde über einen Zeitraum von einer Woche gemessen werden, erolgen 168 Messungen der Gesundheitsdaten und deren Änderungen, erklärt Professor Prasad. Dies ermögliche Medizinern eine bessere Übersicht über die Erkrankung und deren Auswirkungen. Das neue Gerät zur Diagnose sei sehr preiswert entwickelt worden, weshalb das Endprodukt für sehr viele Menschen zugänglich und erschwinglich sein werde. „Wir haben extra dafür gesorgt, dass Prozesse eingesetzt werden, welche die Massenproduktion ohne zusätzliche Kosten ermöglichen“, sagt Prasad. Die Herstellungskosten seien vergleichbar mit den Kosten, welche zur Herstellung von Glukose-Teststreifen für den einmaligen Gebrauch benötigt werden. Mit anderen Worten betragen die Herstellungskosten nur etwa zehn bis 15 Cent, erläutert die Autorin. (as)