Diabetes: Niedriger Blutzucker erhöht Sterberisiko

Fabian Peters

Diabetes Typ II: Auch zu niedriger Blutzuckerspiegel birgt gesundheitliche Risiken

19.04.2011

Die Senkung des Blutzuckerspiegels ist bei Typ-2-Diabetikern ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung, um die negativen gesundheitlichen Folgen einer Überzuckerung (Hyperglykämie) zu verhindern. Doch auch die Senkung des Blutzuckerspiegels bringt erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich, berichten die US-Wissenschaftler um Elbert Huang von der University of Chicago.

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Bei Diabetes Typ II ist die Senkung des Blutzuckerspiegels ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Doch eine Absenkung auf den Blutzuckerspiegel gesunder Menschen kann für Diabetiker ernsthafte gesundheitliche Folgen mit sich bringen und ist daher nicht zu empfehlen, warnen die US-Forscher der University of Chicago. Sie haben bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass mit der Senkung des Blutzuckerspiegels eine erhöhte Sterblichkeit der Typ-2-Diabetiker einher geht.

Reduzierung des Blutzuckerspiegels zur Vermeidung weiterer Erkrankungen
Generell bietet sich bei Typ-2-Diabetes eine Reduzierung des Blutzuckerspiegels an, um gefährliche Nervenschäden und Wundheilungsstörungen zu vermeiden und das Risiko von Schlaganfällen oder Herzinfarkt zu minimieren. So setzen die meisten Therapien bei Typ-2-Diabetes auf eine Senkung des Blutzuckerspiegels – möglichst auf Normalwerte. Der sogenannte HbA1c-Wert drückt dabei die Langzeit-Blutzuckerwerte der vergangenen zwei bis drei Monate aus, welche bei gesunden Menschen zwischen vier und sechs Prozent liegen. Bei Typ-2-Diabetikern wird im Zuge der Behandlung versucht, die HbA1c-Werte unter acht Prozent zu halten, um die drohenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch eine Überzuckerung zu minimieren, erklärten Elbert Huang und Kollegen bei Vorstellung ihrer Studienergebnisse. Allerdings sei eine zu drastische Absenkung des Blutzuckerspiegels eher kontraproduktiv, da diese ebenfalls erhebliche gesundheitliche Probleme mit sich bringen kann und ein erhöhtes Sterberisiko bedingt, berichten die US-Forscher.

Absenkung des Blutzuckerspiegels erhöht das Sterberisiko
Die sogenannte Accord-Studie hatte bereits im Jahr 2008 ergeben, dass eine Absenkung des Blutzuckerspiegels bei Typ-2-Diabetikern auf den Wert gesunder Menschen ein erhöhtes Sterberisiko bedingt. So war die Zahl der Todesfälle unter den Teilnehmern, die mit Insulinspritzen und Tabletten ihren Blutzucker auf ein vermeintlich normales Niveau senkten, im Verlauf der Studie erheblich gestiegen an, so dass die Untersuchung frühzeitig abgebrochen werden musste. Die US-Forscher haben sich in ihrer Studie nun auf die Daten von mehr als 71.000 Menschen mit Diabetes Typ 2 bezogen, die über vier Jahre an einer Beobachtungsstudie zum Thema Diabetes und Altern teilgenommen hatten. Dabei konnten die US-Forscher erwartungsgemäß eine erhöhte Zahl von Komplikationen und Todesfällen bei den Typ-2-Diabetikern mit deutlich überdurchschnittlichen Langzeit-Blutzuckerwerte feststellen. Doch auch bei niedrigen Blutzuckerwerten zeigte sich ein leicht erhöhtes Sterberisiko, erklärten Elbert Huang und Kollegen.

Blutzuckerwerte zwischen sechs und acht Prozent empfehlenswert?
Für Typ-2-Diabetiker sind den Ergebnissen der US-Forscher zufolge das Sterberisiko und die gesundheitlichen Folgen bei HbA1c-Werten zwischen acht und sechs Prozent am niedrigsten, betonte Studienleiter Elbert Huang. Das Alter der Patienten habe dabei keine besondere Rolle gespielt, so der US-Forscher weiter. „Wir können nicht sagen, ob dieses Ergebnis auf die sehr geringen Blutzuckerwerte selbst zurückzuführen ist, auf die Behandlung zur Kontrolle des Blutzuckers oder auf irgendwelche anderen Faktoren, die nicht direkt mit der Diabetesbehandlung zusammenhängen“, erklärte der ebenfalls an der Studie beteiligte Andrew Karter. Für eine genaue Bewertung der Ergebnisse und eine Übertragung in die klinische Praxis, seien weitere Studien notwendig.

Diabetiker auf niedrige Blutzuckerwerte trainiert
Die negativen Folgen der Absenkung des Blutzuckerspiegels sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Diabetiker, die aus Angst vor Folgeschäden ihren Blutzuckerspiegel immer nahe der Unterzuckerung (Hypoglykämie) halten, ihren Körper regelrecht auf tiefe Blutzuckerwerte trainieren. So werden die Symptome der Unterzuckerung häufig nicht mehr oder zu spät bemerkt und bei Blutzuckerwerten von ca. 27 Milligramm pro Deziliter werden die Betroffen schlagartig bewusstlos. Neben dem erhöhten Sterberisiko sind dabei dementielle Erkrankung eine der möglichen Folge dieser schweren Hypoglykämien. (fp)