Diabetiker besitzen ein höheres Demenz-Risiko

Alfred Domke

Gefährliche Kombination

Gefährliche Kombination: Erhöhte Gefahr für Diabetiker an Demenz und Depressionen zu erkranken

19.06.2013

Diabetiker sind wesentlich häufiger davon betroffen, an Demenz oder Depressionen zu erkranken als andere Menschen. Vor den Gefahren dieses Teufelskreises warnen nun Experten.

Gefahr von Hirnschädigungen durch Diabetes
Diabetes Typ 2 verbreitet sich in Deutschland immer rasanter. In Deutschland sollen mittlerweile fast neun Millionen Menschen betroffen sein. Die Dunkelziffer der unerkannten Fälle soll bei etwa vier Millionen liegen. Die Gefahr für Typ-2-Diabetiker, an gefäßbedingter Demenz zu erkranken, ist etwa bis zu viermal so hoch, als bei Menschen ohne die Stoffwechselkrankheit. Und Alzheimer-Demenz trete bei ihnen 1,5 bis zweimal so häufig auf, so die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) am Dienstag in Berlin. Dies seien die Ergebnisse von mehrere Studien. Bei den Patienten kann es, etwa durch fehlerhafte Insulin-Gaben, zu schweren Unterzuckerungen kommen und dadurch offenbar zu weiteren Hirnschädigungen, die eine Demenz beschleunigen können. Um die Therapien der Betroffenen zu vereinheitlichen und zu verbessern, präsentierte die DDG eine bislang weltweit einzigartige Leitlinie unter dem Titel: „Psychosoziales und Diabetes.“

Depressionen bei Diabetikern doppelt so häufig
Diabetiker sind auch von Depressionen überdurchschnittlich betroffen. Im Gegensatz zur Normalbevölkerung mit rund zehn Prozent etwa doppelt so stark, so Johannes Kruse vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Dabei komme es häufig zu einer Art Teufelskreis: „Einerseits erhöht die Depression das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, andererseits gehen die Belastungen der körperlichen Erkrankung einher mit der Entwicklung von depressiven Symptomen.“ Die Ärzte weisen deshalb darauf hin, dass in all diesen Fällen eine frühzeitige psychotherapeutische Unterstützung, gegebenenfalls auch mit Medikamenten ergänzt, wichtig sei. Der Präsident der DDG, Erhard Siegel, warnte: „Bleibt die psychische Erkrankung bei Diabetes-Patienten unerkannt, wird eine gute Diabeteseinstellung erschwert. Eine verkürzte Lebenserwartung ist die Folge.“ Psychische Erkrankungen und Diabetes begünstigten sich wechselseitig. Deshalb betonte Siegel: „Für die Therapie und langfristige Prognose sind somatische und psychosoziale Faktoren gleichermaßen wichtig.“

Junge Diabetikerinnen setzen sich größten Gefahren aus
Seit längerem bekannt ist, dass Frauen wesentlich häufiger von Essstörungen betroffen sind, als Männer. So belegten Studien von Forschern der Universität Leipzig, dass die weibliche Bevölkerung fünfmal öfter davon betroffen ist. Aber auch bei Diabetes-Patienten treten Essstörungen gehäuft auf. Körperliche und psychische Erkrankung bedingen sich dabei oft gegenseitig. So könnten etwa Depressionen sowohl Folge als auch Ursache der Diabetes sein. Depressive Menschen bewegen sich zum einen durchschnittlich weniger, essen ungesünder und werden eher übergewichtig und damit steigt das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zum anderen kann die Stoffwechselkrankheit gleichzeitig eine Depression auslösen.
Beides zusammen kann tödliche Folgen haben. Zu einer ebenfalls äußerst gefährlichen Kombination kommt es oft bei jungen Frauen, die an Diabetes erkrankt sind, wenn zusätzlich Essstörungen dazu kommen. So warnt Stephan Herpertz von der Ruhr-Universität Bochum: „Schwanken Blutzuckerwert und Gewicht bei einer jungen Patientin stark, sollte eine Bulimia nervosa in Betracht gezogen werden.“ Bei Bulimie komme es zu einem Kontrollverlust der Nahrungsaufnahme und um gegen die übermäßigen Kalorien vorzugehen, spritzten sich viele Betroffene bewusst zu wenig Insulin, um dadurch abzunehmen. Dies kann enorme Folgen für die künftige Gesundheit haben, denn es besteht die Gefahr sogenannter diabetischer Spätschäden. Langfristig könne sich das auf Augen, Nieren und Nerven dramatisch auswirken.
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Bild: Bernd Kasper / pixelio.de