Diagnose Spinalkanalstenose wann zur Operation?

Heilpraxisnet

Oft lässt sich Verschlimmerung konservativ aufhalten

24.09.2013

100 Schritte gehen, dann ist Schluss: Kein Schritt ist mehr möglich, die Beine kribbeln und ein dumpfer Schmerz zieht vom Rücken bis in die Füße. Übeltäter ist eine Verengung im Wirbelkanal, die sogenannte Spinalkanalstenose, die auf Nerven drückt. Betroffene berichten typischerweise neben Problemen beim Laufen meist auch über sofortige Verbesserungen der Symptome beim Vornüberbeugen. Seit 2005 haben sich die diagnostizierten Fälle fast verdoppelt – Tendenz steigend. Für Betroffene kommt der nächste Schock aber schon nach der Diagnosestellung: Spinalkanalstenosen sind nicht heilbar. Es gibt aber auch gute Nachrichten. „Nicht immer muss operiert werden, denn oft lässt sich eine Verschlimmerung und damit eine Operation hinauszögern“, macht Dr. Thomas Bierstedt, Wirbelsäulenchirurg und Facharzt für Neurochirurgie aus dem Orthopädisch-Neurochirurgischen Zentrum in Datteln und Recklinghausen, Patienten Mut. „Wenn dennoch eine Operation angezeigt ist, gibt es heute Methoden wie die flexible Wirbelsäulenstabilisierung, welche die Beweglichkeit der Wirbelsäule wiederherstellen.“

Im Vordergrund der konservativen Behandlung stehen Schmerztherapien, Massagen, Rückenschule und Krankengymnastik. Der Grund liegt auf der Hand: Starke Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule, Schmerzmittel verhindern ein Verkrampfen der Muskeln. Bei einer Stenose raten Ärzte erst dann zum Eingriff, wenn unbeherrschbare Schmerzen vorliegen, wichtige Muskeln gelähmt sind oder es zu Störungen im Blasen-Mastdarm-Bereich kommt. „Bei der Operation geht letztendlich darum, dem eingeklemmten Nerv wieder Platz zu verschaffen“, betont Dr. Bierstedt. „Dazu entfernen wir mit feinen Instrumenten störende Gewebestrukturen.“ Je nach Umfang kommt es danach jedoch häufig zu einer Instabilität der Wirbelsäule. Daher schließt sich manchmal ein weiterer stabilisierender Eingriff an. Vielfach geschieht dies durch eine Versteifungsoperation. Für viele Patienten ist dies die bewährte Methode. Erstreckt sich die Versteifung aber über einen größeren Bereich, leidet manchmal die Beweglichkeit der Wirbelsäule darunter. Zudem kann es im späteren Verlauf erneut zu Problemen kommen: Denn ist ein Stück der Wirbelsäule steif, müssen Wirbel sowie Bandscheiben darüber und darunter mehr leisten als zuvor. Für manche ist die flexible Wirbelsäulenstabilisierung eine Alternative: Statt Wirbelkörper statisch zu verbinden, setzen Chirurgen ein dynamisches Implantat – das sogenannte TOPS-System – ein. Dr. Bierstedt erklärt, für wen die Methode sich eignet: „Gerade für Menschen mit einem aktiven Lebensstil ist dies eine gute Sache und die Erhaltung der Bewegungsfreiheit ist für sie von bedeutender Lebensqualität.“ Der Eingriff setzt jedoch eine gesunde Bandscheibe voraus und es darf keine Skoliose vorliegen. Für die Kosten der Operation kommen die Krankenkassen auf. Die Klinik trägt in der Regel die Kosten für das Implantat. (pm)

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