Diagnose von Tuberkulose bei Immunschwäche?

Heilpraxisnet

Studie: Bluttest bei immungeschwächten Patienten besser für TB-Diagnose geeignet als Hauttest

14.11.2014

Viele Menschen sind mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert, ohne jemals an Tuberkulose zu erkranken. Über Haut- oder Bluttests kann bestimmt werden, ob das Immunsystem bereits mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist. Bei Menschen mit einer Abwehrschwäche, wie beispielsweise HIV-Infizierte, Organtransplantierte und Rheumakranke, ist der Nachweis mittels der üblichen Verfahren jedoch wesentlich unzuverlässiger, wie eine europäische Studie ergab. Für immungeschwächte Patienten ist die Kenntnis über eine Infektion mit Tuberkulose-Erregern aber besonders wichtig, da sie ein erhöhtes Risiko haben, an Tuberkulose zu erkranken.

Diagnose von latenter Tuberkulose ist bei Abwehrschwäche schwierig
Bei rund einem Drittel der Weltbevölkerung ist bereits eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis oder verwandten Mykobakterien aufgetreten. Aber bei den wenigsten bricht die Atemwegserkrankung auch aus. Ein besonders hohes Risiko für Tuberkulose haben immungeschwächte Menschen.

In Deutschland werden derzeit zwei Diagnoseverfahren zur Bestimmung einer latenten Tuberkulose ohne Ausbruch der Atemwegserkrankung angewandt. So gibt es den Pricktest, bei dem den Patienten Tuberkulin – ein Eiweißgemisch mit Erregerbestandteilen – in die Haut gespritzt wird. Ist das Immunsystem des Patienten bereits mit den Erregern in Kontakt gekommen, wurden Zellen gebildet, die auf das Tuberkulin reagieren. Ist das der Fall, tritt an der Einstichstelle nach etwa zwei Tagen eine spürbare Verhärtung auf. „Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass der Patient sich mit Mycobacterium tuberculosis infiziert hat, da das Tuberkulin Partikel enthält, die auch bei anderen Mykobakterien vorkommen", betont Professor Martina Sester, Leiterin des Instituts für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Saar-Uni, im Gespräch mit der Online-Ausgabe der „Ärzte Zeitung“. „Außerdem ist die Methode bei immungeschwächten Patienten nicht aussagekräftig. Sie können infiziert sein, das Immunsystem ist aber nicht in der Lage, zu reagieren. In der Folge fällt der Test negativ aus."

Studie zur Überprüfung der Aussagekraft von Haut- und Bluttests bei latenter Tuberkulose
Neben dem Hauttest besteht die Möglichkeit zwei Bluttests durchzuführen, sogenannte Interferon-gamma release assays (IGRA). Dabei werden dem Blut Bestandteile des Tuberkulose-Erregers beigemischt, die ausschließlich bei Mycobacterium tuberculosis auftreten. Um die Reaktion der Blutzellen auf die Erregerbestandteile zu ermitteln, wird die Konzentration des Immunsystem-Proteins Interferon-Gamma bestimmt. Nach 24 Stunden liegt das Ergebnis vor. „Ist das Ergebnis positiv, ist der Patient infiziert", so Sester gegenüber der Fachzeitschrift.

Im Rahmen einer Studie mit über 1.500 Patienten aus elf europäischen Ländern in 17 Kliniken, die Sester am Homburger Uniklinikum koordiniert hat, wurde nun überprüft, inwieweit die Ergebnisse dieser Diagnoseverfahren tatsächlich zuverlässig sind. Zudem wollten die Forscher wissen, ob sich über die Testergebnisse auch Aussagen hinsichtlich des Erkrankungsrisikos treffen lassen. An der Studie haben 29 Forscher des Tuberkulosenetzwerkes TBNET mitgewirkt.

Forscher wollen zuverlässigere Tuberkulose-Diagnoseverfahren für immungeschwächte Patienten entwickeln
Die Probanden, zu denen Menschen mit Organ- und Stammzellentransplantationen, Rheuma-Kranke, HIV-Infizierte sowie Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz gehörten, mussten sich sowohl dem Hauttest als auch den Bluttests unterziehen. Im Zeitraum von zwei Jahren beobachteten die Forscher, bei wem es zum Ausbruch von Tuberkulose kam.

Wie sich herausstellte, waren die Bluttests bei den immungeschwächten Patienten aussagekräftiger als der Pricktest über die Haut. Aussagen zum Erkrankungsrisiko sind den Forschern zufolge jedoch nur begrenzt möglich. „25 bis 30 Prozent der Patienten mit Rheuma oder Niereninsuffizienz hatten laut der Tests eine Infektion. Allerdings kam es bei keinem zu einer Tuberkulose", erläutert Sester. Die Atemwegserkrankung brach lediglich bei zehn HIV-Infizierten und bei einem Organtransplantierten aus. Bei sechs von ihnen zeigten die Tests jedoch zuvor keine Infektion an. Nur bei zwei der tatsächlich an Tuberkulose Erkranken fielen alle Tests positiv aus.

„Unter den in dieser Studie berücksichtigten immungeschwächten Patienten entwickelte sich Tuberkulose am häufigsten bei HIV-infizierten Personen und konnte sowohl mit dem Hauttest als auch den Bluttests schwer prognostiziert werden“, so das Fazit der Forscher in ihrer Studie, die im „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht wurde. Sie wollen sich nun der Entwicklung verbesserter Testverfahren widmen, mit denen sich auch das Risiko einer Erkrankung sicherer voraussagen lässt. (ag)

Bild: Jörg Brinckheger / pixelio.de