Diagnostik: KI erkennt Hautkrebs so zuverlässig wie Mediziner

Alexander Stindt
Wird in Zukunft eine zuverlässige Hautkrebsdiagnose über Smartphones möglich sein
Bei Hautkrebs ist eine frühzeitige Erkennung wichtig für die optimale Behandlung der Krankheit. Forscher entwickelten jetzt ein System mit einer künstlichen Intelligenz, welches die verräterischen Anzeichen von Hautkrebs genauso zuverlässig wie menschliche Ärzte feststellen kann. Diese neue Technik soll in Zukunft auf jedem Smartphone funktionieren.

Die Wissenschaftler der Stanford University stellten bei einer Untersuchung fest, dass mit der Hilfe einer künstlichen Intelligenz Hautkrebs schneller und einfacher festgestellt werden kann. So könnten Menschen in Zukunft eventuell mit der Hilfe ihres Smartphones eine Eigendiagnose durchführen. Das System arbeitet dabei genauso zuverlässig wie menschliche Ärzte. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Nature“.

Gerade bei Hautkrebs ist eine Früherkennung der Krankheit sehr wichtig. Nur so kann eine effektive Behandlung eingeleitet werden. Mediziner entwickelten jetzt eine Gerät, welches die Anzeichen von Hautkrebs zuverlässig feststellen kann. Die Erfolgsrate ist dabei so hoch wie bei menschlichen Ärzten. (Bild: M.Dörr & M.Frommherz/fotolia.com)

In Zukunft können sich Betroffene vielleicht selber screenen
Das Potenzial der neu entwickelten Technik ist groß. Wenn das System weiter verfeinert und tragbar wird, könnten viele Menschen sich mit minimalen Kosten selber screenen, erläutern die Experten. So würden Betroffene sich ersparen, einen Arzt aufzusuchen und zu warten, dass dieser den Verdacht bestätigt.

Algorithmus lernt aus bereits vorhandenen Daten
Der Schlüssel für den Erfolg der neuen Technik ist ein Algorithmus, welcher von bereits vorhandenen Daten lernen kann, sagen die Forscher. Das System könne Informationen und Bilder aus einer Datenbank über Hautkrebs verwenden. „Wir haben einen sehr umfassenden Lernalgorithmus entwickelt, der aus bereits vorhandenen Daten lernt“, sagt Andre Esteva von der Stanford University.

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System nutzt Algorithmus von Google
Um dem System seine Intelligenz zu vermitteln, trainierten die Forscher es mit der Hilfe von 129.450 Nahaufnahmen von Hautläsionen. Diese deckten mehr als 2.000 verschiedene Krankheiten ab und lieferten zusätzlich eine umfangreiche Datenbank mit Beispielen. Als nächstes nutze das Team einen von Google entwickelten Algorithmus, um den Unterschied zwischen Katzen und Hunden auf Bildern zu erkennen. Danach wurde der Algorithmus angepasst, um den Unterschied zwischen verschiedenen Hautflecken zu erkennen.

Künstliche Intelligenz genau so erfolgreich wie menschliche Ärzte
Anschließend testeten die Wissenschaftler ihr System gegen 21 qualifizierte Dermatologen. Den Experten wurden 376 Bilder von Hautläsionen gezeigt. Danach wurden sie gebeten die Bilder zu beurteilen. Auf Basis der Beurteilung sollten die Mediziner dann die Patienten zu weiteren Analysen überweisen oder den Verdacht auf Hautkrebs ausräumen, erklären die Forscher. Das System mit seiner künstlichen Intelligenz war in der Lage, die Erfolgsrate der Profis zu erreichen, betonen die Wissenschaftler.

Leistung des Systems ist beeindruckend
Die Technologie wurde natürlich nicht entworfen, um Ärzte zu ersetzen, sagen die Autoren. Sie wurde entworfen, um Menschen leichter Zugang zu den ersten beiden Stufen des Screenings zu ermöglichen, bevor die Hilfe von Experten erfolgt, so die Forscher weiter. Den Unterschied zwischen einer tödlichen Läsion und einer gutartigen zu erkennen, ist keine leichte Aufgabe. Dies mache die Leistung des Systems noch beeindruckender.

Ziel ist es das Programm über eine Telefonapp zu betreiben
Bevor das Gerät für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann, muss sichergestellt werden, dass es keine falschen Bewertungen erstellt. Klinische Prüfungen sollen deswegen dazu beitragen, dass das System noch weiter verbessert wird. Später soll das Programm über eine Telefonapp nutzbar sein, fügen die Mediziner hinzu.

Fast jeder Mensch hat einen „Supercomputer“ mit Sensoren dabei
In der heutigen Zeit sind Smartphones allgegenwärtig. Also sollten in Zukunft fast alle Menschen das System nutzen können. Jeder hat sozusagen einen Supercomputer in der Tasche, welcher mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet ist, darunter auch eine Kamera, sagt Esteva.

Beurteilung unserer Gesundheit von zu Hause?
Wir sehen jetzt zahlreiche Programme und Anwendungen, welche von der intuitiven Denkweise einer künstlichen Intelligenz angetrieben werden. Diese Programme laufen auch auf unseren Smartphones. Dies eröfnet billige und einfache Möglichkeiten zur Beurteilung unserer Gesundheit zu Hause.

Früherkennung ist entscheidenend
Wie bei vielen anderen Krankheiten ist die Früherkennung von Hautkrebs entscheidend. Wenn der Krebs früh erkannt wird, liegen seine 10-Jahres-Überlebensraten bei rund 95 Prozent. Diese Rate fällt allerdings auf zehn bis 15 Prozent, wenn der Krebs vor seiner Behandlung bereits spätere Stadien erreicht hat, erklären die Wissenschaftler. (as)