Bier und Wein: Alkohol führt schnell zu Übergewicht

bierbauch
Sebastian

Experten: Alkohol macht dick

Am deutlichsten wird es wohl durch Bierbäuche gezeigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Alkohol und Fett. Verbraucherschützer und Mediziner warnen vor dem Dickmacher Alkohol. Das EU-Parlament diskutiert darüber, ob auf alkoholische Getränke eine Kalorienangabe soll.

Verbraucher besser über Alkohol als Dickmacher informieren
An Stammtischen kann man oft Sätze wie: „Drei Bier sind auch ein Schnitzel!“ hören. Und tatsächlich schlägt etwa ein Glas Hefeweizen à 0,5 Liter mit 215 Kalorien zu Buche, ein Glas Wein mit etwa 130 Kalorien und Cocktails wie Caipirinha bringen es auf noch weit mehr. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, fordern nun Europa-Parlamentarier, Verbraucher besser über Alkohol als Dickmacher zu informieren. Künftig soll demnach bei alkoholischen Getränken eine Kalorienangabe auf der Verpackung stehen. Am Mittwoch stand eine Abstimmung über die Forderung auf der Agenda.

Energiegehalt von Alkohol ähnlich wie von Fett
Für Experten ist klar, dass Alkohol einen hohen Energiegehalt aufweist. So betont der Ernährungsexperte der Berliner Charité, Prof. Andreas Pfeiffer, dass dieser „mit etwa sieben Kalorien pro Gramm in der Nähe von Fett (neun Kalorien pro Gramm) liege“. Man müsse also kein Alkoholiker sein, um zusätzlich zur Nahrung eine relevante Menge an Kalorien über Wein, Bier oder Schnaps aufzunehmen. In einer groß angelegten Studie haben Forscher 2011 untersucht, wie sich der Konsum von zwei Gläsern täglich auswirkt. Es zeigte sich, dass er bei Männern ein höheres Körpergewicht begünstigte. Des Weiteren wurde bei beiden Geschlechtern ein größerer Taillenumfang gemessen.

Dicker Bauch durch Bier
Wie damals unter der Schlagzeile: Alkoholkonsum erhöht Übergewicht-Risiko berichtet wurde, hatten die Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE) im Rahmen der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) die Daten von 250.000 erwachsenen Europäern ausgewertet. Die Erstautorin Manuela Bergmann vom DifE sagte nun gegenüber der dpa: „Wer mehr Bier trank, hatte einen dickeren Bauch. Aber der Zusammenhang zeigte sich etwas schwächer auch bei Weintrinkern.“

Alkohol wirkt auch appetitanregend
Ob es aber wirklich der Energiegehalt des Alkohol selbst ist, der dick macht, ist laut Bergmann nicht endgültig geklärt. Alkohol wirke auch appetitanregend und enthemmend. Außerdem wird er im Körper als erstes abgebaut, insbesondere in der Leber. Bergmann vermutet, dass wegen dieser Entgiftung und Einflüssen auf den Fettstoffwechsel mit der Nahrung aufgenommene Energie anders verarbeitet werden könnte. Darüber hinaus beobachteten die Forscher einen veränderten Hormonspiegel, der womöglich die Verteilung von Fett am Körper beeinflusst. Bergmann dokumentierte in ihrer Studie, „dass Alkohol konsumierende Teilnehmerinnen eine für ihr Geschlecht eher stärkere Taille im Verhältnis zur Hüfte hatten.“

Kennzeichnung wird auch kritisch gesehen
Alkohol erhöht zudem das Risiko für bestimmte Krebsarten und mit Fett im Oberbauch steigt das Risiko für viele andere Erkrankungen. Die Forscherin befürchtet, dass sich mit der Kennzeichnung die Wahrnehmung von Bier, Wein und Co ändern könnte: „Mit einer Kalorienangabe würden alkoholische Getränke in eine Reihe mit Lebensmitteln gestellt.“ Die Angabe des Alkoholgehalts sei gesundheitlich bedeutsamer. Der Mediziner Prof. Manfred Singer sieht immerhin ein Informationsplus für Verbraucher: „In Hinblick auf Fettleibigkeit unterschätzen viele den Einfluss von Alkohol“, so der Experte. „Für kalorienbewusste Verbraucher kann die Kennzeichnung sinnvoll sein“, meint Mediziner Pfeiffer. „Man sollte aber nicht erwarten, dass Menschen dadurch abnehmen.“ Einen solchen Effekt habe auch die Kennzeichnung von Lebensmitteln nicht gehabt.

Deutsche trinken besonders viel Alkohol
Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sieht bei Nahrungsmitteln trotz EU-Verordnungen noch Lücken. Einem Sprecher zufolge fehlten entscheidende Infos. Außerdem stehen Nährwertangaben auf der Vorderseite von Verpackungen in der Kritik, weil dafür unrealistisch kleine Portionen berechnet würden. Die Organisation hat zur Kennzeichnung von Alkohol-Getränken noch keine Stellung bezogen. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2014 wird in Europa und vor allem in Deutschland besonders viel Alkohol getrunken. Dies wird von Suchtexperten unter anderem auf die günstigen Preise und die Verfügbarkeit rund um die Uhr zurückgeführt. (ad)

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Bild: H.-J. Spindler  / pixelio.de