Die drei Säulen der Morbus Bechterew-Therapie

Heilpraxisnet

Morbus Bechterew-Therapie: Rheumatische Erkrankung mit hoher Dunkelziffer

18.09.2014

Dem Gegenüber in die Augen blicken – für gesunde Menschen ist dies selbstverständlich. Menschen die an Morbus Bechterew leiden, fallen solche alltäglichen Dinge aber mit Fortschreiten der rheumatischen Erkrankung schwer. Bei den meisten zeigen sich Symptome wie heftige Schmerzen im Kreuz schon mit Anfang zwanzig. Begleitet wird die Erkrankung von chronischen Entzündungen, die nach und nach das Skelett Betroffener verformen: Im Lendenwirbelbereich flacht die Wirbelsäule ab, im Brustwirbelbereich bildet sich ein Buckel. „Das größte Problem beim Morbus Bechterew ist, dass die Krankheit meist zu spät oder gar nicht entdeckt wird“, erklärt Univ.-Doz. Dr. Bertram HölzI, ärztlicher Leiter des auf Morbus Bechterew spezialisierten Gasteiner Heilstollen. Den nur etwa 100.000-150.000 diagnostizierten Fällen stehen geschätzte 1,6 Millionen betroffene Menschen gegenüber.

Meist diagnostizieren Ärzte die Rheuma-Krankheit bei Männern. Doch Frauen sind ebenso betroffen, bei ihnen ist der Verlauf aber milder und die Bechterewsche Krankheit bleibt daher häufiger unerkannt. Neben starken Rückenbeschwerden, sollten Frauen auf weitere Symptome wie Gelenksbeschwerden, rote, schmerzende Augen, Lichtempfindlichkeit oder Verdauungsprobleme achten. Treten davon mehrere auf, empfiehlt sich der Gang zum Rheumatologen. „Die Behandlung stützt sich auf die drei Säulen Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Bewegung“, verdeutlicht Dr. Hölzl. „Am Anfang jeder Behandlung sollte die Schmerzlinderung stehen. Dies verbessert nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern macht krankengymnastische Maßnahmen, welche der Wirbelsäulenversteifung entgegenwirken, oft überhaupt erst wieder möglich.“ Auch entzündungshemmende Maßnahmen sind wichtig, da chronische Entzündungen den Rücken Betroffener deformieren. Neben schulmedizinischen Medikamenten helfen auch alternative Heilverfahren wie Kälte- und Wärmebehandlungen oder Therapien mit Radon. Mit ihnen gelingt es Betroffen oft, Medikamente mitsamt ihren schweren Nebenwirkungen zu reduzieren.

So mildern beispielsweise Wärmetherapien Schmerzen und Steifheit, indem sie die Durchblutung fördern. Vielen Patienten tut auch eine Radon-Therapie gut. Radon setzt im Körper milde Alphastrahlen frei, die Zellreparaturmechanismen anregen und die Aktivität von Entzündungszellen sowie Schmerzbotenstoffen verringern. Am effektivsten scheint aber eine Kombination aus Radon und Wärme bei Morbus Bechterew zu sein. Wissenschaftliche Studien bestätigen der sogenannten Radonwärmetherapie Erfolgsquoten zwischen 80 und 90 Prozent. Sie kann in warmen Bergwerkstollen im Rahmen einer Kur durchgeführt werden. Hierbei fahren Patienten mit einem Stollenzug in das Berginnere auf die Therapiestationen. Radon tritt dort natürlich aus dem Gestein aus und die klimatischen Bedingungen sind dank hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen bis 41 Grad tropisch. „Patienten profitieren oft noch Monate nach den Einfahrten von der Reduktion von Druckschmerzwellen, Schmerzintensität, funktionellen Einschränkungen und Medikamentenverbrauch“, weiß Dr. Hölzl. (pm)

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