Die meisten Patienten würden Arzt weiterempfehlen

Alfred Domke

Die meisten deutschen Patienten würden ihren Arzt weiterempfehlen

07.09.2013

Laut einer aktuellen Auswertung des Bewertungsportals „Weisse Liste“ sind die meisten deutschen Patienten offenbar mit ihren Ärzten zufrieden. Es konnte festgestellt werden, welche Mediziner am häufigsten empfohlen wurden und dass Orthopäden, Dermatologen und Unfallchirurgen eher schlecht abschnitten.

85 Prozent würden Arzt weiterempfehlen
Offenbar sind die meisten deutschen Patienten mit ihren Haus- und Fachärzten zufrieden. Rund 85 Prozent von ihnen würden ihren Arzt weiterempfehlen. Dies geht aus der am Freitag veröffentlichten Auswertung von rund 250.000 Patientenbewertungen in den Arztbewertungsportalen der „Weissen Liste“ sowie von AOK, Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Hausärzte schneiden dabei besonders gut ab. So erhielten Internisten (89 Prozent) und Allgemeinmediziner (88 Prozent), gefolgt von Urologen (87 Prozent) die besten Empfehlungsraten.

Dermatologen und Orthopäden schneiden schlechter ab
Dermatologen (62 Prozent), Orthopäden (64 Prozent) und Unfallchirurgen (67 Prozent) landeten bei der Auswertung ganz hinten. Allerdings hielten knapp zwei Drittel der Befragten ihren Arzt auch aus jenen Fachrichtungen, die am schlechtesten abschnitten, immer noch für empfehlenswert. Es gibt jedoch unter den einzelnen Ärzten einer Fachrichtung deutliche Unterschiede. So kommt beispielsweise jeder zehnte Orthopäde bei seinen Patienten nur auf eine Weiterempfehlungsrate von unter 40 Prozent. Andererseits wird ein Drittel von ihnen von 80 bis 100 Prozent der eigenen Patienten weiterempfohlen.

Die „Weisse Liste“
Die „Weisse Liste“ ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände großer Patienten- und Verbraucherorganisationen. Unter anderem soll damit Patienten bei der Suche nach einem passenden Arzt geholfen werden. Für die aktuelle Analyse hat die „Weisse Liste“ alle bis zum Juni 2013 ausgefüllten Fragebögen des Portals ausgewertet. Teilnehmende Patienten müssen sich dafür unter Angabe ihrer Krankenkasse registrieren, um einen Arzt bewerten zu können. Möglich ist dies für Versicherte von Barmer GEK, TK und AOK. Bewertet werden sollen nur Ärzte, bei denen der Patient in den vergangenen zwölf Monaten in Behandlung war. Es wird dabei nach der Praxisorganisation, der Kommunikation des Arztes, der Behandlung und einem Gesamteindruck gefragt.

Keine objektiven Werte
Die „Weisse Liste“ kann wie auch andere Bewertungsportale keine objektiven Werte vergleichen, die über die Qualität der Ärzte Auskunft geben könnten. Das Portal versucht mit indirekten Fragen zur Behandlung Hinweise auf beispielsweise nachlässige Kommunikation oder Behandlung zu erhalten. So können die Teilnehmenden jeweils in verschiedenen Abstufungen antworten, von „trifft voll und ganz zu“ bis zu „trifft überhaupt nicht zu.“ So ist etwa die Meinung gefragt zu: „Der Arzt erkundigt sich regelmäßig nach der Verträglichkeit der verordneten Medikamente." Oder zu: „Ich habe den Eindruck, dass der Arzt an einen Facharzt oder Spezialisten überweist, wenn dies medizinisch notwendig ist." Mindestens fünf Patienten müssen einen Arzt bewertet haben, bevor die Informationen über den Mediziner veröffentlicht werden.

Kommunikation des Arztes wichtig
Am stärksten wird eine mögliche Weiterempfehlung scheinbar beeinflusst von der Art, wie gut der Arzt kommuniziert und dabei auf Fragen, Ängste und Sorgen eingeht. Internisten und Allgemeinmediziner schneiden dabei am besten ab und Dermatologen und Orthopäden stellen hier wieder die Schlusslichter dar. Für die Patienten sei es wichtig, ob der Arzt sich Zeit nimmt für die Behandlung und sie gründlich untersucht. Hingegen sei die Praxisorganisation weniger wichtig.

Ärzte drängen auf Igel-Leistungen
Mit 17 Prozent fühlt sich mehr als jeder sechste der Befragten vom bewerteten Arzt bedrängt, sogenannte Igel-Leistungen in Anspruch zu nehmen. Das sind Diagnostik- und Gesundheitsleistungen, die nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen aufgeführt sind und deshalb aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. In diesem Bereich führen Augenärzte mit 37 Prozent vor den Orthopäden mit 27 Prozent. Keine Igel-Leistung sollte überstürzt angenommen werden. Arztpraxen verbessern durch die Angebote ihre wirtschaftliche Situation. So wird aus dem Patienten ein potentieller Käufer und aus dem Arzt ein Verkäufer. Wird eine solche Leistung angeboten, sollte auch immer eine Bedenkzeit hierfür in Anspruch genommen werden. Diese kann beispielsweise dazu genutzt werden, unabhängige Informationen über Sinn und Unsinn der Behandlung einzuholen.

Nicht repräsentativ
Die Auswertung ergab außerdem, dass der Großteil der Patienten darauf vertraut, rechtzeitig von ihrem Arzt an einen Spezialisten überwiesen zu werden (94 Prozent). Beim Austausch von Befunden zwischen verschiedenen Ärzten bestehe aber noch etwas Verbesserungsbedarf (77 Prozent Zufriedenheit). Die Befragung gilt jedoch nicht als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, unter anderem da die Stichprobe rein zufällig ist. In der Befragung gelten alle Ärzte mit der Bezeichnung Allgemeinmedizin, Praktischer Arzt, Arzt und Innere Medizin als Hausärzte. Nur Fachgebiete, bei denen mindestens 1.000 Bewertungen vorlagen, wurden mit eingeschlossen. (ad)

Bild: Jörg Sabel / pixelio.de