Kranke Menschheit: Ein Großteil der Menschen ist krank

Fabian Peters
95 Prozent der Menschen haben gesundheitliche Beschwerden
Ein Großteil der Menschen weltweit ist nicht gesund, so das Ergebnis der Global Burden of Disease Study 2013. Das internationales Forscherteam mit mehr als 1.000 Experten aus über 100 Staaten hat seine Analyse des Gesundheitszustandes der Menschheit in dem Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht und dabei ein ernüchterndes Resümee gezogen. 95 Prozent der Menschen weltweit klagen über mindestens ein Gebrechen, viele haben sogar mehrere Beschwerden gleichzeitig, berichtet die Nachrichtenagentur „APA“ von den aktuellen Studienergebnissen.

Die Global Burden of Disease (GBD) Studie berechnet die Menge der akuten und chronischen Erkrankungen sowie der Verletzungen für den Zeitraum von 1990 und 2013 in 188 Ländern weltweit. Insgesamt wurden 35.620 verschiedene Datenquellen ausgewertet, um die Verbreitung von 301 Krankheiten und Verletzungen sowie von 2.337 Folgeerscheinungen hochzurechnen, berichten die Wissenschaftler. Dabei habe sich gezeigt, dass Krankheiten und Verletzungen weit verbreitet sind und nur ein kleiner Anteil der Menschen nicht unter Folgebeschwerden leide. In den vergangen 23 Jahren sind die gravierendsten Beschwerden laut Angaben der Forscher weitgehend gleich geblieben, wobei Rückenschmerzen und Depressionen in fast allen Ländern der Welt eine maßgebliche Rolle spielen. Die GBD-Studie misst die Beeinträchtigungen durch die jeweiligen Beschwerden anhand von sogenannten YDL („Years Lived with Disability“ beziehungsweise „Gelebte Jahre mit Behinderung“).

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Ein Großteil der Menschen weltweit hat mindestens mit einem gesundheitlichen Beschwerdebild zu kämpfen. (BIld: Dreaming Andy/fotolia.com)

Umfassende Studie zur globalen Gesundheit
Die GBD-Studie ist laut Angaben der Forscher die größte und umfassendste Untersuchung der Gesundheitsbeschwerden weltweit, wobei die Daten in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, um mögliche Trends beziehungsweise Entwicklungen zu erkennen. In der aktuellen GBD Studie 2013 haben die Wissenschaftler zum Beispiel einen deutlichen Anstieg der akuten Folgeerscheinungen von Infektionskrankheiten und kurzfristige Verletzungen festgestellt. Jeweils deutlich mehr als zwei Milliarden Fälle seien bei den oberen Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen, aber auch bei den Spannungskopfschmerzen im Jahr 2013 aufgetreten. Zwölf weitere Beschwerdebilder hätte Fallzahlen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde aufgewiesen, darunter die akute Mittelohrentzündung, Zahnschmerzen durch Karies, bakterielle Hauterkrankungen, die klinischen Folgen von Malaria, Chlamydien-Infektionen, Herpes-Viren-Infektionen (einschließlich Windpocken und Herpes zoster) sowie akute Hepatitis B und akute Hepatitis A.

Rückenschmerzen bilden die häufigste Beeinträchtigung
Zu den Beschwerdebildern mit zehn Millionen bis 100 Millionen Betroffenen im Jahr 2013 zählten verschiedene Verletzungen und Vergiftungen sowie Infektionen in Form von Harnwegsinfektionen, Typhus, Hepatitis C und E, Dengue-Fieber, Gonorrhoe, Genital-Herpes, Trichomoniasis und Erkrankungen des Verdauungssystems, einschließlich der Gastritis und Duodenitis, Magengeschwüren, einer Pankreatitis und einer Blinddarmentzündung. Verantwortlich für die meisten YLD waren weiterhin Rückenschmerzen. Insgesamt beobachteten die Forscher einen Anstieg der YLD für beide Geschlechter von rund 538 Millionen im Jahr 1990 auf 765 Millionen im Jahr 2013, was vor allem auf das Bevölkerungswachstums und die Alterung der Bevölkerung in den modernen Industrienationen zurückzuführen sei.

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Regionale Unterschiede bei den Beschwerden
Die Forscher haben in ihrer aktuellen Studie auch erhebliche regionale Unterschiede bei den Beschwerdebildern festgestellt, was vor allem mit den Lebensbedingungen in den einzelnen Ländern in Zusammenhang gebracht wird. So zeigen sich in den Industrienationen vermehrt Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems wie Nackenschmerzen oder Kreuzschmerzen und die Bevölkerung leidet hier relativ häufig an einer chronischen Bronchitis, berichtet die „APA“. Zudem hätten viel Menschen in den Industriestaaten mit Beeinträchtigungen infolge von Stürzen zu kämpfen und es zeige sich eine Zunahme psychischer Beschwerden in Form der Depressionen. Des Weiteren seien zum Beispiel Migräne, Diabetes und Alzheimer relativ weit verbreitet. In den afrikanischen Staaten südlich der Sahara spielen indes gänzlich andere Probleme eine maßgebliche Rolle. So hat die Bevölkerung hier zum Beispiel verstärkt unter der Verbreitung von HIV/Aids zu leiden und viele Menschen zeigen gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge zurückliegender Bürgerkriegsjahre.

Die Wissenschaftler verkünden in ihrer aktuellen Studie auch eine erfreuliche Botschaft, denn sie kommen zu dem Schluss, dass sich der Anteil behinderungsfreier Lebensjahre am gesamten Leben von durchschnittlich 21 Prozent im Jahr 1990 auf 31 Prozent im Jahr 2013 erhöht habe. Die Menschen können demnach heute deutlich länger ein beschwerdefreies Leben genießen, als noch vor 23 Jahren. (fp)