Die Zeitumstellung beeinflusst unseren Biorhythmus

Sebastian

Schlafforscher: Die Zeitumstellung beeinflusst den menschlichen Biorhythmus

30.10.2011

In der Nacht zum Sonntag wurden um 3.00 Uhr in der Frühe die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Somit war die Nacht eine Stunde länger und die Winterzeit ist damit eingeläutet. Während Langschläfer gefühlt von der Zeitumstellung profitieren, könnten sich bei Frühaufstehern vorübergehend leichte bis mittelschwere Beschwerden zeigen. Nicht wenigen Menschen bereiten die ständigen Umstellungen der Zeiten gesundheitliche Probleme, weil der Biorhythmus des menschlichen Organismus durcheinander gerät.

Mehr zum Thema:

In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt (von 3.00 auf 2.00 Uhr). Damit wird aus der Sommerzeit die Winterzeit. Für Menschen bedeutet die Zeitumstellung eine Veränderung des Biorhythmus, denn das Leben verläuft vor allem in westlichen Industrieländern nach einem festgesetzten Takt, der Hell und Dunkel missachtet. Obwohl den Menschen durch den zeitlichen Wechsel eine Stunde quasi wieder zurück gegeben wurde, können sich in den nächsten Tagen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit oder Unwohlsein einstellen, weil unser Tagesrhythmus nun verändert getaktet ist.

Mini-Jetlag mit geringen Auswirkungen?
Dr. Dieter Kunz, Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin im St. Hedwig-Krankenhaus Berlin erforscht seit bereits über 15 Jahren den biologischen Rhythmus von Menschen. Im Fokus stehen dabei Vitalität und die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten im Verlauf eines Tages, Monats oder ganzen Jahres. Während einige Ärzte, Heilpraktiker oder Politiker die Zeitumstellung als Gesundheitsschädlichen Eingriff in den Biologischen Rhythmus des Menschen kritisieren, will sich der Mediziner nicht generell dieser Position anschließen. Eine Stunde vor oder zurück ist für Kunz lediglich ein sogenannter „Mini-Jetlag“, der nur einen sehr geringen Einfluss auf den Körper hat. Im Vergleich dazu sind Nacht- und Schichtarbeit oder Langstreckenflüge wesentlich gefährlicher und haben einen größeren Einfluss auf den Biotakt und die Gesundheit. Viele Menschen erleben die Zeitumstellung auf die Winterzeit als durchaus positiv. Das liegt nicht daran, dass der Sonntag genau genommen statt 24 ausnahmsweise 25 Stunden lang ist, sondern weil viele Menschen gern ausschlafen und dafür spät ins Bett gehen. Vor allem am Sonntag, der traditionell in Familien zum ausschlafen genutzt wird, wird die Umstellung als sehr angenehm erlebt. Schließlich kann am Sonntagmorgen eine Stunde länger geschlafen werden, ohne dass etwas verpasst wird.

Während die sogenannten „Spättypen“, deren innere Uhr dem normalen Tagesablauf immer etwas hinterherhinkt wahre Nutznießer sind, könnten sich bei Frühaufstehern einige Probleme bemerkbar machen. Nach Angaben des Schlafforschers Kunz sind ungefähr zehn Prozent der Menschen in Deutschland wahre Frühaufsteher. Das bedeutet also, dass etwas jeder Zehnte möglicherweise im Oktober nach der Umstellung Beschwerden erleiden könnte.

Zeitumstellung greift in den Biologischen Takt ein
Während die Schulmedizin zumindest bei der Umstellung zur Winterzeit von einem geringen Mini-Jetlag spricht, wird von Seiten der Naturheilkunde das Thema wiederkehrend kontrovers diskutiert. Naturheilkundlich orientierte Ärzte und Heilpraktiker fordern seit Längerem die Abschaffung der Winter/Sommerzeit Umstellungen. Der ständige Wechsel bringt die Menschen aus dem inneren Takt. Vor allem Feinfühlige leiden in diesen Phasen verstärkt unter Schlafstörungen, innerer Unruhe, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gereiztheit. Einige Statistiken belegen, dass in diesen Zeitfenstern die Einnahmeaktivitäten von Antidepressiva und Schlafmitteln vorübergehend ansteigen. Heilpraktiker Andre Tonak sagt, die Umstellung zur Winterzeit ist „ein subtiler, aber nicht zu unterschätzender Stressfaktor für den Körper und Psyche“. Auch wenn es sich nur um 60 Minuten mehr oder weniger handelt, „führt der Mikrostress bei manchen Menschen zur einer Art Jetlag-Gefühl“. Einige Menschen leiden in „Folge an Niedergeschlagenheit, Infekt-Anfälligkeit und/oder Schlafstörung“. „Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen hat sich der Körper an den neuen Takt gewöhnt und das vorige Allgemeinbefinden kehrt wieder zurück.“ erklärt Tonak. Zur Überbrückung rät der Heilpraktiker natürliche Wirkstoffe wie Johanniskraut, Baldrian oder Melisse einzunehmen und möglichst einen stressfreien Lebenswandel zu führen. Ausreichende Bewegung an der frischen Luft und eine vollwertige gesunde Ernährung sind „Balsam für Körper und Seele“. Dr. Alexander Blau vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Berliner Universitätsklinik Charité rät Betroffenen leichte Mahlzeiten zu essen, sich ausreichend am Tage zu bewegen, um viel Sonnenlicht zu genießen. Doch was ist, wenn Beruf und Alltag diesen Ratschlägen keinen Raum lassen?

Hormonelle Mittel übertrieben und überflüssig
Der Biorhythmus hängt zum Teil von der Ausschüttung des Hormons Melatonin ab. Manche Menschen könnten auf die Idee kommen, bei beschriebenen Symptomen entsprechende Mittel zum Ausgleich einzunehmen. Der Schlafwissenschaftler Kunz hält diese Idee für „weit übertrieben“. Stattdessen sollte man sich dem natürlichen Wechsel von hell und dunkel aussetzen. „Besonders wichtig sind hier das Licht am Vormittag und die Dunkelheit in den frühen Abendstunden“, sagt Kunz gegenüber „Welt Online“. Wer am Morgen nicht gleich in die U-Bahn steigt, sondern ausnahmsweise mal eine Haltestelle zu Fuß geht und dabei die Helligkeit des Tages genießt, „tut bereits sehr viel dafür, dass ihm der Umstieg auf die Winterzeit ohne Probleme gelingt.“ Denn momentan wird es morgens relativ früh hell, dass sollte Betroffene nutzen, „um den Organismus auf die Winterzeit umzustellen“.

Zeitumstellung begünstigt Winterdepression
Eine Umfragestudie der Deutschen Angestellten Krankenkasse aus dem Jahre 2010 brachte zutage, dass etwa 25 Prozent der Frauen unter der Zeitumstellung mit einzelnen Beschwerden reagieren. Bei den Männern gaben lediglich dreizehn Prozent der Befragten an, dass ihnen die Uhrumstellung körperliche oder seelische Probleme bereite. Unklar ist, warum das Geschlechterverhältnis so ungleich ausfiel. Es könnte sein, dass Männer nur ungern zugeben, somatisch zu reagieren.

Durch die Umstellung der Zeit wird es am Abend früher dunkel. Die meisten Menschen sind jedoch durch ihre Berufsleben an eine gleiche Zeitabfolge gebunden, weshalb vielmals die erlebte Dunkelheit am Morgen und Abend für die sogenannte Winterdepression begünstigt. Experten sprechen in diesem Kontext von einer "Saisonal Abhängigen Depression" (SAD). Der Mangel an natürlichem Sonnenlicht verursacht eine geringere Produktion des Hormons Serotonin verantwortlich. Serotonin ist unter anderem für eine positiv gestimmte Gemütslage verantwortlich. Konträr dazu steigt aufgrund der zunehmenden Dunkelheit der Melatonin-Spiegel. Dieses Hormon ist für die Schlafsteuerung zuständig. Gerade in Winterzeiten klagen deshalb viele Menschen unter den genannten Winterdepressionen. In dem Artikel „Hausmittel gegen Winterdepressionen“ finden Sie nützliche und natürliche Tipps, wie diese zu begegnen sind. (sb)