Diese Bakterien auf der Haut schützen vor Hautkrebs

Alexander Stindt

Bieten Bakterien einen natürlichen Schutz vor Hautkrebs?

Generell versuchen die meisten Menschen den Kontakt mit Keimen und Bakterien zu vermeiden. Es gibt allerdings auch Bakterien, welche sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Forscher fanden jetzt heraus, dass auf der Haut gefundene Bakterien scheinbar vor Hautkrebs schützen.


Die Wissenschaftler der University of California, San Diego stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass auf der Haut vorkommende Bakterien zum Schutz vor Hautkrebs beitragen können. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Science Advances“.

Gerade bei Hautkrebs ist eine Früherkennung der Krankheit sehr wichtig. Nur so kann eine effektive Behandlung eingeleitet werden. Mediziner fanden jetzt heraus, dass natürlicherweise auf der Haut vorkommende Bakterien vor Hautkrebs zu schützen scheinen. (Bild: M.Dörr & M.Frommherz/fotolia.com)

Manche Bakterien sind gesund für den Menschen

Nicht alle Bakterien schaden dem Menschen. Es gibt dafür verschiedene Beispiele wie Probiotika und gesunde Darmbakterien. Jetzt wurde eine neue Gruppe von Bakterien identifiziert, welche positive Auswirkungen zu haben scheint. Es handelt sich dabei um die gewöhnlichen menschlichen Hautbakterien der Gattung Staphylococcus epidermidis. Diese produzieren eine Substanz, welche das Wachstum von Tumoren verhindern kann.

Staphylokokken-Bakterien schützen Mäuse vor Krebs

Die Forscher untersuchten die antimikrobiellen Fähigkeiten von Staphylokokken-Bakterien. Diese Art von Bakterien lebt normalerweise auf der menschlichen Haut. Bei ihrer Untersuchung stellten sie etwas Unerwartetes fest. Wenn Mäuse mit diesen Bakterien behandelt wurden, führte dies zu einer bemerkenswerten Resistenz gegen Hautkrebs bei den Versuchstieren, erläutern die Autoren.

Die Verbindung 6-N-Hydroxyaminopurin führt zu der Schutzwirkung

In weitern Untersuchungen konnte dann die für den natürlichen Schutz verantwortliche Verbindung identifiziert werden, welche von den Bakterien produziert wurde. Es handelte sich dabei um 6-N-Hydroxyaminopurin (HAL-6 ). Aufgrund der Struktur der Verbindung (sie ähnelte den Bausteinen der DNA) fragten sich die Mediziner, ob sie die DNA-Synthese beeinträchtigen kann. In zusätzlichen Versuchen konnten die Forscher feststellen, dass sich die abgesonderte Verbindung tatsächlich auf die Maschinerie der DNA-Synthese auswirkt.

HAL-6 verhindert Wachstum von Krebszellen

HAL-6 blockiert das Enzym, welches DNA-Ketten baut und verhinderte das Wachstum dieser Ketten, sagen die Forscher. Dies mag im ersten Moment wie eine negative Fähigkeit klingen, die Verbindung wirkte sich allerdings nicht auf normale gesunde Hautzellen aus. Stattdessen wirkte HAL-6 jedoch auf Krebszellen und verhinderte ein außer Kontrolle geratenes Wachstum.

Wirkung von HAL-6 an Mäusen

Wenn bei den Mäusen die Bakterienflora kein HAL-6 absonderte, bekamen die Tiere nach der Bestrahlung mit hohen UV-Dosen relativ schnell Hautkrebs. Bei Mäusen mit einer intakten Bakterienflora wurde die Verbindung produziert, was dazu führte, dass sie nach der Bestrahlung vor dem Krebs geschützt wurden, erklären die Wissenschaftler. Die Forscher konnten zudem zeigen, dass HAL-6 nicht nur präventiv wirkt, sondern auch das Wachstum von bereits entstandenen Tumorzellen hemmt. Wenn an Krebs erkrankte Mäuse alle 48 Stunden HAL-6 erhielten, bewirkte dies, dass die Tumore der Tiere innerhalb von zwei Wochen um 50 Prozent kleiner wurden, verglichen mit den Tumoren bei Labormäusen aus einer Kontrollgruppe.

HAL-6 hat großes Potenzial

Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial des Mikrobioms, menschliche Krankheiten zu beeinflussen. Menschen scheinen im Laufe der Zeit eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung zu diesem Bakterium entwickelt zu haben, sagt Studienautor Richard Gallo von der University of California, San Diego. Eventuell haben wir uns so entwickelt, dass wir den Organismen einen sicheren Zufluchtsort bieten, weil die Bakterien auch für den Menschen von Nutzen sind, vermutet der Experte.

Die Verbindung HAL-6 funktionierte immer noch, wenn sie aus den Bakterien isoliert wurde – sowohl wenn sie injiziert als auch wenn sie topisch angewendet wurde. Dies zeigt ihr mögliche Potenzial für zukünftige Behandlungen, welche nicht nur Hautkrebs betreffen müssen. Die Forscher fanden zudem heraus, dass HAL-6 auch effektiv bei der Verringerung der Wachstumsraten von Lymphomzellen ist, so dass diese natürliche Abwehr möglicherweise für eine viel breitere Anwendung genutzt werden kann.

Weitere Forschung ist nötig

Natürlich werden weitere Untersuchungen nötig sein, um genau zu untersuchen, wie Staphylococcus epidermidis die Verbindung herstellt und ob es einen toxischen Gehalt gibt. Nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben diese Bakterien auf ihrer Haut, also muss sichergestellt werden, dass sie für alle Menschen ungefährlich sind, betonen die Forscher. Die Ergebnisse der Studie erinnern zudem daran, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der uns umgebenden Organismen tatsächlich schädlich ist und viele stattdessen auch für uns einen Nutzen haben. (as)