Diese Genmutation beeinflusst den Schlaf und die innere Uhr bei Nachtmenschen

Alexander Stindt
Mutation führt dazu, dass Menschen spät ins Bett gehen
Gehören Sie zu den Menschen, welche bis spät in der Nacht wach bleiben und dann am nächsten Morgen Probleme mit dem Aufstehen haben? Wenn ja, könnte dies auf eine Mutation ihrer Gene zurückzuführen sein. Forscher fanden jetzt heraus, dass die Tendenz erst spät zu Bett zu gehen, mit ihren Genen zusammenhängen könnte.

Die Wissenschaftler der Laboratory of Genetics an der Rockefeller University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass es in unseren Genen liegen könnte, ob wir sogenannte Nachteulen sind und immer erst spät in der Nacht ins Bett gehen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Cell“.

Viele Menschen gehen regelmäßig erst sehr spät nachts ins Bett. Morgens haben die Betroffenen dann häufig Probleme mit dem Aufstehen. Forscher fanden heraus, dass eine Mutation der Gene daran schuld sein könnte. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

CRY1-Mutation bei Menschen mit verzögerter Schlafphasenstörung festgestellt
Für ihre aktuelle Studie untersuchten die Forscher 70 Personen aus sechs verschiedenen Familien. Sie stellten dabei fest, dass Mutation in einem Gen namens CRY1 bei Probanden gefunden wurde, welche unter einer sogenannten verzögerten Schlafphasenstörung (DSPD) leiden.

Bei DSPD gehen Menschen spät ins Bett und stehen morgens später auf
Bei Betroffenen ist die sogenannte zirkadiane Uhr nach hinten verstellt, also wachen diese Menschen morgens später auf und gehen abends später ins Bett. Die Mutation fehlte allerdings bei den Mitgliedern der gleichen Familien, welche nicht unter DSPD litten, erläutern die Forscher. Außerdem wurde in Laborversuchen nachgewiesen, dass dieses Gen eine Schlüsselrolle bei der circadianen Uhr spielen könnte.

Auswirkungen betreffen das ganze Leben
Dies ist die erste genetische Mutation, die mit DSPD assoziiert wurde, sagen die Wissenschaftler. Menschen mit dieser Mutation gehen täglich spät zu Bett, also wirkt sich die Mutation wesentlich auf das gesamte Leben der Betroffenen aus, erläutert Autorin Alina Patke von derRockefeller University.

Fast alles Leben auf der Welt wird durch den zirkadianen Rhythmus beeinflusst
Die sogenannte zirkadiane Uhr ist ein interner Rhythmus, der fast alles Leben auf der Erde beeinflusst. Bei Menschen bestimmt der Rhythmus, wann Betroffene müde, hungrig oder wach sind. Er regelt sogar die Körpertemperatur, fügen die Mediziner hinzu.

Bei vielen Berufen ist eine solche Mutation ein Nachteil
Bei bestimmten Berufen führt DSPD sicher zu keinen nennenswerten Nachteilen. Barkeeper könnten sogar beispielsweise von so einem verzögerten Schlafzyklus profitieren. Chirurgen und normale andere Berufe, bei denen Menschen früh am Morgen aufstehen müssen, sind allerdings durch die mit DSPD verknüpfte Mutation im Nachteil.

Erster Fall von DSPD
Zum ersten Mal wurde eine mit DSPD verknüpfte Mutation vor sieben Jahren bei einer 46 Jahre alten Frau in den USA festgestellt. Diese war wegen ihrer starken Schlafprobleme zu einer Untersuchung in einem Schlaflabor, erläutern die Mediziner.

Betroffene sollte zwei Wochen abgeschirmt nach ihrem eigenen Zeitplan leben
Die Forscher analysierten dann die natürlichen Schlafmuster der Frau, indem sie zwei Wochen lang in einer Wohnung von allen Umwelteinflüssen abgeschirmt wurde. Es gab dort keine Fenster, keinen Fernseher ud kein Internet, erklärt die Autorin Patke. Die Teilnehmerin sollte dort nach ihrem eigenen Zeitplan leben. Während dieser Isolation setzte bei der Frau ein Rhythmus ein, der etwa 1 Stunde länger als der typische 24-Stunden-Zirkadian-Zyklus dauerte. Der Schlaf der Frau war außerdem fragmentiert.

CRY1-Mutation ist mit verzögerter Schlafphasenstörung verbunden
Bei der Sequenzierung ihrer Gene identifizierten die Forscher die CRY1-Mutation. In der neuen Studie bestätigte das Team von Patke die Verknüpfung von genetischen CRY1 Mutationen zur verzögerten Schlafphasenstörung. Hierfür wurde die Mutation bei den erwachsenen Familienmitgliedern der Frau und bei anderen sogenannten Populationsmusstern gesucht.

Weitere Untersuchungen in der Türkei wurden durchgeführt
Mit Hilfe einer Datenbank mit genomischen Informationen für Menschen in der Türkei identifizierten die Forscher Personen, die die Mutation von CRY1 in sich trugen. Die Wissenschaftler suchten diese Menschen auf und führten Gespräche und weitere DNA-Sequenzierungen bei den Mitgliedern von sechs Familien durch.

Mittelpunkt des Schlafes ist bei Menschen mit CRY1 nach hinten verschoben
Unter den türkischen Familienmitgliedern trugen 39 Personen die CRY1-Mutation. 31 Menschen wiesen diese Mutation nicht auf. Die Schlafzyklen der Familienmitglieder mit dem Gen waren deutlich nach hinten verschoben, sagen die Wissenschaftler. Ihr Mittelpunkt des Schlafes fiel dabei zwischen 6 Uhr und 8 Uhr. Der Mittelpunkt des Schlafes von Personen ohne die Mutation lag zum Vergleich bei etwa 4 Uhr, fügen die Experten hinzu.

Nicht jede Nachteule leidet unter einer CRY1-Mutation
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter einer verspäteten Schlafphasenstörung. Aber nicht alle Nachteulen tragen die Mutation in sich. Es gibt natürlich auch Menschen, welche regelmäßig spät ins Bett gehen, aber trotzdem nicht unter den Auswirkungen einer CRY1-Mutation leiden. Wahrscheinlich können auch andere Ursache der DSPD zugrunde liegen, erklärt Patke.

Gibt es Strategien um die innere Uhr zurückzusetzen?
Dennoch stellt die Identifizierung mindestens einer genetischen Mutation als Ursache der Schlafstörung einen wichtigen Schritt dar. Das Verständnis der Kontrolle dieser Rhythmen könne dabei helfen, die Mutation schließlich mit Medikamenten zu manipulieren, sagen die Mediziner. In der Zwischenzeit , bis es solche Medikamente gibt, können Menschen mit Schlafphasenstörung andere Strategien einsetzen, um dadurch ihre inneren Uhren zurückzusetzen. Betroffene sollten jeden Abend (auch an Wochenenden) zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen und jeden Morgen zu einem bestimmten Zeitpunkt aufstehen. Außerdem sollten sie helle Lichter in der Schlafumgebung vermeiden (einschließlich Laptops und Smartphones), rät die Expertin. (as)

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