Dioxin-Eier könnten in den Handel gelangt sein

Sebastian

Ministerium: Verseuchte Eier sind offenbar doch in den Handel gelangt

06.04.2012

Nach dem Dioxin-Eier-Befund befürchtet das Nordrhein-Westfälische Verbraucherschutzministerium, dass verseuchte Hühnereier trotz aller Warnhinweise in den Verkaufshandel gelangt sein könnten. Daher erneuerte ein Ministeriumssprecher entsprechend vorangegangene Warnmeldungen. Durch Fehler beim Etikettieren seien möglicherweise Dioxin-Eier in die Supermärkte gelangt.

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Wie jetzt bekannt wurde, hatte der Landwirtschaftliche Betrieb entgegen erster Angaben, noch weitere Vertriebswege. "Es besteht der erhärtete Verdacht, dass der Erzeugerbetrieb in Stemwede entgegen erster Aussagen weitere Betriebswege hatte", teilte das Ministerium mit. Eine direkte Gesundheitsgefahr für die Verbraucher bestehe allerdings derzeit nicht. Unterdessen dauern die Untersuchungen an, um die Ursprungsquelle der Dioxin-Kontaminierung zu lokalisieren.

Zahlreiche Eier mit Dioxin könnten in den Handel gelangt sein
Erst hatte es geheißen, seit dem siebten März seien aus dem Erzeugerbetrieb in Ostwestfalen keine Eier in den Vertrieb gelangt. Doch der Landwirtschaftsbetrieb widerrief bisherige Angaben, wie das Ministerium mitteilte. Demnach sei aufgrund eines Fehlers bei der Etikettierung auch nach dem 7. März versandt worden. Aus diesem Grund wurden nunmehr weitere Betriebsprüfer in das Unternehmen geschickt, um alle Unterlagen zu beschlagnahmen und weitere Vertriebswege zu ermitteln.
Weitere Höfe in Duisburg betroffen

Neben dem Biohof in Stemwede sind auch zwei Direktverkäufer in Duisburg aufgrund eines Fundes mit PCB (Polychlorierte Biphenyle) kontaminierten Eiern gesperrt. Bei den Betrieben handelt es sich laut Ministeriumsangaben um den "AWO Ingenhammshof" mit 150 Hühnern und einen Biobetrieb mit 120 Legehennen. Beide Höfe sind allerdings deutlich kleiner als der Großbetrieb in Ostwestfalen, in dem jeden Tag rund 23.000 Eier produziert werden.

Welche Eier sind betroffen?
Die Verbraucherschutzzentralen raten davon ab, Bioeier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 zu verzehren. Die Eier aus dem zweitem Betrieb tragen die Stempelnummer 0-DE-0521991. Der zuletzt gesperrte Erzeuger verwendet jedoch keine Nummern, so dass ein nachträgliches Überprüfen nicht stattfinden kann.

Verzehr von Dioxin-Eiern mit Langzeitwirkungen für die Gesundheit
Obwohl das Verbraucherschutzministerium betont, dass „bei einem kurzfristigen Konsum“ von Eiern mit Dioxin keine Gesundheitsgefahr ausgehen, gilt es allgemein als erwiesen, dass schon geringe Dosen krebserregend und stark toxisch wirken. Dioxin setzt sich im Fettgewebe ab und ist aus diesem Grund eine längerfristige Gefahr. Das bedeutet, der mehrmalige Verzehr kann aus wissenschaftlicher Sicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushaltes in Tierversuchen nachgewiesen. Auch schwer entzündliche Hauterkrankungen und Leberschäden sind möglich. Nach gängiger Meinung geht man davon aus, dass bei geringem Verzehr von Dioxin-belasteten Eiern keine akute Gefahr besteht. Laut Experten der Verbraucherschutzzentralen NRW könne erst ein „mittel- bis langfristiger Konsum zu Gesundheitsschäden“ führen.

Futtermittel sind bislang unbelastet
Bis auf weiteres soll der Großbetrieb in Stemwede gesperrt bleiben. Bei diesem Hersteller waren am vergangenen Dienstag erstmals Dioxin-belastete Eier entdeckt worden. Eine wiederholte Analyse der PCB (Polychlorierte Biphenyle) verseuchten Eier habe nach wie vor eine Überschreitung des gesetzlichen Höchstwerts ergeben, teilte ein Sprecher des Landkreises am Abend mit. Noch immer werde nach den eigentlichen Ursachen gefahndet. In den Futtermitteln wurden keine erhöhten Belastungen festgestellt.

Hinweise darauf, dass die PCB-Belastungen der drei Betriebe der selben Quelle entstammen, gibt es derzeit nicht, wie das Ministerium betonte. So würden alle Erzeuger das Futter von verschiedenen Händlern erhalten. Das Futtermittel für den Bio-Großbetrieb entstammen dem Bundesland Niedersachsen. Bei den Futtermittelherstellern wurden bereits mehrere Proben entnommen, die aber bislang alle negativ waren. Nun wollen die Prüfer untersuchen, ob die Hühner das Dioxin durch fortwährendes Scharren der Böden aufgenommen haben. Ein Hof in Duisburg könnte durch ein benachbarten Industriebetrieb durch Schadstoffemissionen belastet worden sein. „Das ist aber bislang nur eine Vermutung“, sagte ein Sprecher.

Ministerium kritisiert Verwaltung
Das Verbraucherministerium kritisierte in einer Stellungnahme das zu langsame Agieren der Stadtverwaltung Duisburg. Es sei nicht erklärbar, warum die Erzeugerbetriebe nicht schon am 20. März geschlossen wurden, nachdem bei einer Kontrolle die erhöhten Dioxin-Werte festgestellt wurden. Die Verwaltung konterte, man habe zunächst die Ergebnisse einer weiteren Probe abwarten wollen. Außerdem haben beide Betriebe nicht mehr als 110 Eier pro Tag produziert. Daher sei die Verkaufsmenge insgesamt gering gewesen. (sb)

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Bild: Gerd Altmann/ myself / pixelio.de