Dioxin-Skandal: 15 Millionen Schadenersatz

Fabian Peters

Dioxin-Skandal: Millionen Schadenersatzforderungen gegen „Harles & Jentzsch“

24.06.2011

Bei dem Dioxin-Skandal, der Anfang des Jahres über die Republik rollte, stand der Uetersener Futtermittelhersteller „Harles & Jentzsch“ schnell als möglicher Verursacher der Dioxin-Belastung im Fokus der Ermittlungen. Das Unternehmen soll Dioxin verseuchte Mischfettsäuren zu Futtermitteln weiterverarbeitet haben. Nun stehen Schadenersatzansprüche von 15 Millionen gegen „Harles & Jentzsch“ im Raum, doch das Unternehmen ist insolvent und der Insolvenzverwalter will einen Großteil der Forderungen bestreiten, berichtet die Nachrichtenagentur „DPA“.

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Das Unternehmen „Harles & Jentzsch“aus Schleswig-Holstein stand im Mittelpunkt des Dioxin-Skandals Anfang des Jahres. Dioxin belastete Futtermittel sollen von dem Uetersener Betrieb aus deutschlandweit ausgeliefert worden sein. Nach den ersten Funden Dioxin verseuchter Eier, war der Absatz massiv eingebrochen und die Massenproduzenten blieben auf ihren Waren sitzen, während Bio-Bauern die massiv gestiegenen Nachfrage nach ökologisch produzierten Eiern kaum bedienen konnten. Als Folge des Skandals richten sich nun Schadensersatzansprüchen in Höhe von rund 15 Millionen Euro gegen die Firma „Harles & Jentzsch“. Der Insolvenzverwalter Heiko Fialski teilte jedoch am Donnerstag in Hamburg mit, dass er einem Großteil der gestellten Forderungen nicht zustimmen werde.

Dioxin-Skandal verursacht Millionenschäden
Der durch den Dioxin-Skandal verursachte Schaden, dürfte insgesamt deutlich über den nun im Raum stehenden Schadenersatzansprüchen von 15 Millionen Euro liegen, doch es finden nur Forderungen Berücksichtigung, die bis zum Auslaufen der gerichtlich gesetzten Frist am 8. Juni gemeldet wurden. Unzählige Betroffenen beziehungsweise möglicherweise Geschädigte machten Schäden wie erhöhte Standzeiten von Mastvieh durch die Sperrung der Höfe, geringere Erlöse aufgrund gesunkener Fleischpreise, Kosten für die Futtermittelanalyse und zusätzliche Untersuchungskosten bei Masttieren gelten. Einen Schwerpunkt der gestellten Forderungen bilden außerdem die entstandenen Entsorgungskosten für potenziell belastetes Fleisch. Während des Dioxin-Skandals wurden tausende Bauernhöfe deutschlandweit durch die Behörden gesperrt, da die Betriebe potenziell belastetes Futtermittel von dem Uetersener Unternehmen „Harles & Jentzsch“ bezogen hatten. Die Forderungen werden im Rahmen des laufenden Insolvenzverfahren jedoch wahrscheinlich nur zu Bruchteilen Berücksichtigung finden, da einerseits noch weitere vier Millionen Euro an Verbindlichkeiten zu begleichen sind und anderseits der Insolvenzverwalter Heiko Fialski bereits am Donnerstag mitteilte, dass er einen Großteil der Schadenersatzansprüche nicht akzeptieren werden. Die Schadensersatzansprüche wurden den Angaben von Fialski zufolge auch der Versicherung von „Harles & Jentzsch“ übermittelt und ob diese die Schäden übernehme, sei bislang nicht entschieden.

Geschädigte bleiben auf den Kosten des Dioxin-Skandals sitzen
Da etliche der rechtzeitig vorgebrachten Schadenersatzforderungen zwar im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal stehen, aber kaum zu belegen ist, dass „Harles & Jentzsch“ die entstandenen Kosten beziehungsweise Verluste verursacht hat, können sich die meisten betroffene Betriebe vor Gericht kaum Chancen erhoffen. Da der Insolvenzverwalter außerdem schon bekannt gab, dass er einen Großteil der Forderungen bestreiten werde, bleiben die meisten durch den Dioxin-Skandal Geschädigten am Ende voraussichtlich auf ihren Kosten sitzen. Obwohl die Staatsanwaltschaft Itzehoe derzeit dabei ist, dem Verdacht der mutwilligen Weiterverarbeitung Dioxin-belasteter Mischfettsäuren zu Futtermitteln durch die mittlerweile insolvente Firma „Harles & Jentzsch“ nachzugehen und die Ursache des Dioxin-Skandals zu Jahresbeginn laut Einschätzung sämtlicher Branchenkenner auf das Uetersener Unternehmen zurückgeht, bleiben die meisten Kosten des Dioxin-Skandals an den Geschädigten hängen. Das „Harles & Jentzsch“ laut Anschuldigung der Staatsanwaltschaft belastete Vorprodukte möglicherweise systematisch so lange verdünnt hat, bis der vorgeschriebene Grenzwert für Futtermittel gerade noch eingehalten wurde, spielt hierbei offenbar keine Rolle. Auch die vom schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium nachgewiesenen vierzehnfache Grenzwertüberschreitungen in den verwendeten Fetten des Betriebes hat in Bezug auf die Schadenersatzansprüche keine Folgen. (fp)