Dornröschen-Syndrom: Britin schläft 22 Stunden

Heilpraxisnet

Junge Frau fällt immer wieder in „Dornröschenschlaf“

24.10.2014

Den ganzen Tag nur schlafen – für viele Menschen eine schöne Vorstellung, vor allem, wenn es draußen dunkel, kalt und regnerisch ist. Für die Britin Beth Goddier ist dies bittere Realität geworden, denn aufgrund des sehr seltenen „Dornröschen-Syndroms“ schläft die junge Frau teilweise bis zu 22 Stunden am Tag.

Leitsymptom bei KLS ist ein periodisch erhöhtes Schlafbedürfnis
„Noch ein bisschen schlafen, das wäre schön“ – so denkt wohl fast jeder beim Aufwachen, insbesondere, wenn es in der kalten Jahreszeit morgens noch dunkel ist. Doch andauerndes Schlafen kann auch regelrecht zu einem Albtraum werden. So wie im Fall der Britin Beth Goddier, die an dem sehr seltenen „Kleine-Levin-Syndrom“ (KLS) leidet, welches umgangssprachlich auch als „Dornröschen-Syndrom“ bezeichnet wird.

Britin schläft bis zu 22 Stunden täglich
Durch die Erkrankung kommt es zu einem periodisch erhöhten Schlafbedürfnis (Hypersomnie), wodurch die 20-Jährige aus Manchester laut einem Bericht der „BBC“ in akuten Phasen bis zu 22 Stunden schläft. Doch da bei KLS typischerweise auch Wahrnehmungs- und Verhaltensstörungen auftreten, könne auch in den verbleibenden zwei „wachen“ Stunden nur eingeschränkt von einem bewussten Zustand gesprochen werden, so die „BBC“ weiter. Infolge der langen Schlafphasen sei es für Goodier schwierig, Realität und Traum zu unterschieden, wodurch es zeitweilig sogar zu einem Rückgriff auf kindliche Verhaltensmuster (Regression) komme. In diesen Momenten sei die Unterstützung der Mutter dementsprechend besonders wichtig – die als Reaktion auf die Krankheit ihrer Tochter bereits ihren Job gekündigt habe.

Nur ein bis zwei Fälle pro einer Million Einwohner
Bei dem „Dornröschen-Syndrom“ handelt es sich um eine extrem seltene Krankheit, deren Prävalenz bei ein bis zwei Fällen pro einer Million Einwohner liegt. Die Ursachen sind bislang nicht geklärt, häufig wird jedoch ein genetischer Ursprung vermutet. Bei der 20-Jährigen Britin sei die Erkrankung im Alter von 16 Jahren ausgebrochen, seit dem leidet die junge Frau unter immer wiederkehrenden Phasen mit einem erheblich verstärkten Schlafbedürfnis. Dennoch gebe es auch längere Wachzeiten, in denen Beth ein nahezu „normales“ Leben ohne Beschwerden führen könne, so die Mutter gegenüber der BBC. „Wir haben jene Tage zu schätzen gelernt, an denen Beth aktiv ist. Weil die Zeit, in der es ihr gut geht, so rar ist, sagen wir niemals ‚dieses und jenes machen wir nächste Woche‘. Wir erledigen Dinge sofort", beschreibt Beths Mutter weiter.

Syndrom verschwindet nach 10 bis 15 Jahren wieder
Wie lange eine solche Wachphase anhält, könne jedoch niemand vorhersagen. Typisch für das Kleine-Levin-Syndrom sei aber, dass es mit der Zeit sukzessive wieder verschwindet. Nach etwa 10 bis 15 Jahren seien die Betroffenen wieder „befreit“, bis dahin leiden sie jedoch unter den unberechenbaren Schlafattacken. Für Beth Goddier bedeutet dies eine anstrengende und quälende Zeit mit vielen Einschränkungen: „Ich bin in einem Alter, in dem ich liebend gerne ausziehen würde, weil ich bereit bin. Aber das kann ich nicht, denn wenn die Krankheit aktiv wird, brauche ich die Aufsicht meiner Mutter. Es ist wirklich frustrierend“, so Beth Goodier gegenüber der BBC.

„Verheerender Zustand“ für die jungen Betroffenen
Dies bestätigt auch Dr. Guy Leschziner, Facharzt für Neurologie am Guy-Hospital in London. KLS sei "entsetzlich für junge Menschen, da sie sich bereits in einer besonders schwierigen Phase ihres Lebens befinden", wenn die ersten Symptome auftreten: „Sie sind an einem entscheidenden Punkt in Hinblick auf ihre Ausbildung, ihr soziales Leben, ihre Familie und ihr Berufsleben. In diesem Zusammenhang ist es ein sehr, sehr verheerender Zustand, vor allem wegen seiner Unberechenbarkeit", so der Mediziner gegenüber der BBC. (nr)

Bild: Sarah Blatt / pixelio.de