Dornröschen-Syndrom: Junge Patientin verbringt seit Wochen 75 Prozent ihres Lebens im Dauerschlaf

Alfred Domke
Britin mit Dornröschen-Syndrom: 22-Jährige verbringt 75 Prozent ihres Lebens schlafend
Von Gesundheitsexperten wird meist geraten, sieben bis acht Stunden pro Tag zu schlafen. Manche Menschen kommen mit deutlich weniger aus, andere brauchen mehr. Eine junge Britin verbringt aber nicht nur rund ein Drittel, sondern etwa Dreiviertel ihres Lebens schlafend. Sie leidet am sogenannten „Dornröschen-Syndrom“.

Frau verbringt Dreiviertel des Lebens schlafend
Immer mehr Menschen leiden unter chronischem Schlafmangel. Beth Goodier aus Großbritannien allerdings nicht. Die 22-Jährige leidet unter dem sogenannten „Kleine-Levin Syndrom“ (KLS), welches umgangssprachlich auch als „Dornröschen-Syndrom“ bezeichnet wird. Sie verbringt rund 75 Prozent ihres Lebens schlafend. Die seltene Erkrankung ist für die junge Frau aus Stockport zu einem regelrechten Alptraum geworden.

Eine 22-jährige Frau aus Großbritannien leidet am sogenannten "Dornröschen-Syndrom". Sie hat rund 75 Prozent der letzten fünf Jahre schlafend verbracht. (Bild: natara/fotolia.com)
Eine 22-jährige Frau aus Großbritannien leidet am sogenannten „Dornröschen-Syndrom“. Sie hat rund 75 Prozent der letzten fünf Jahre schlafend verbracht. (Bild: natara/fotolia.com)

22 Stunden Schlaf am Tag
Eigentlich wäre es jetzt soweit, dass Beth Goodier ihre Ausbildung zur Kinderpsychologin anfangen sollte. Denn genau das war ihr Berufswunsch als sie noch eine Teenagerin war. Doch daraus wurde nichts. Denn kurz vor ihrem 17. Geburtstag fiel die heute 22-Jährige in einen tiefen Schlaf und wachte sechs Monate nicht auf, berichtet die „Daily Mail“.

„Sie schlief 22 Stunden am Tag, sie ging nur kurz wie in Trance um etwas zu essen und zu trinken und die Toilette aufzusuchen“, so das Blatt. Laut ihrer Mutter verbrachte die junge Frau rund 75 Prozent der letzten fünf Jahre schlafend.

Sehr seltene Krankheit
Beth Goodier ist eine von über 100 jungen Menschen in Großbritannien, bei denen das sogenannte „Dornröschen-Syndrom“ diagnostiziert wurde. „Doch der Märchen-Name ist weit entfernt von der grauenvollen Realität, der diese jungen Leute in der prägendsten Zeit ihres Lebens gegenüberstehen“, so die Zeitung.

Den Angaben zufolge befindet sich die junge Engländerin derzeit seit zweieinhalb Monaten in einer weiteren Tiefschlaf-Episode. „Nichts – keine Medikamente, Lärm, Bitten oder Überreden – wird sie wecken“, heißt es in der Zeitung.

Ursachen noch nicht geklärt
Beim „Dornröschen-Syndrom“ handelt es sich um eine extrem seltene Krankheit, deren Prävalenz bei ein bis zwei Fällen pro einer Million Einwohner liegt. Die Ursachen sind bislang nicht geklärt, häufig wird jedoch ein genetischer Ursprung vermutet.

Beth Goddier war eines Abends eingeschlafen und als sie ihre Mutter weckte, hat sie „nur gebrabbelt, im Tonfall einer Fünfjährigen“. Die Mutter dachte daher zunächst an einen Hirntumor oder Blutungen, doch die Ärzte konnten nichts feststellen.

Da sich die junge Frau aber gerade von einer Mandelentzündung erholt hatte, vermuten die Ärzte, dass diese Krankheit – mit der genetischen Veranlagung – der Auslöser für das beginnende „Dornröschen-Syndrom“ gewesen sein könnte.

Syndrom verschwindet oft wieder von allein
Zwischen den immer wiederkehrenden Phasen mit einem erheblich verstärkten Schlafbedürfnis gibt es auch längere Wachzeiten. Wie lange diese anhalten, ist jedoch nicht vorhersehbar. Typisch für das Kleine-Levin-Syndrom sei laut Experten, dass es mit der Zeit sukzessive wieder verschwindet.

Nach etwa zehn bis 15 Jahren seien die Betroffenen wieder „befreit“, bis dahin leiden sie jedoch unter den unberechenbaren Schlafattacken.

Zu müde um zu gehen
Für Beth Goddier bedeutet das eine anstrengende und quälende Zeit mit vielen Einschränkungen: „Ich bin in einem Alter, in dem ich liebend gerne ausziehen würde. Aber das kann ich nicht, denn wenn die Krankheit aktiv wird, brauche ich die Aufsicht meiner Mutter. Es ist wirklich frustrierend“, sage sie vor Jahren gegenüber der „BBC“.

In ihren Wachphasen muss sie laut der „Daily Mail“ mit dem Rollstuhl zum Arzt gebracht werden, da sie zu müde zum Laufen ist. „Es ist wie Nacht und Tag“, sagte ihre Mutter Janine. „Sie könnte morgen aufwachen und dann beginnt das Rennen gegen die Zeit, um das Leben zu leben, das sie leben sollte. Sie beeilt sich, um Freunde zu treffen und ihre Haare machen zu lassen. Aber niemand weiß, wann sie wieder einschlafen wird.“

„Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie die besten Jahre ihres Lebens vorüberziehen“, sagte die Mutter. Doch es besteht die Möglichkeit, dass Beth Goddier eines Tages wieder gesund wird und das Leben auskosten kann. (ad)