Dramatische Entwicklung: 15 Prozent der Kleinkinder haben bereits Karies

Alfred Domke
Mundhygiene: Frühkindliche Karies nimmt immer mehr zu
Schon seit Jahren weisen Gesundheitsexperten darauf hin, dass Karies bei Kleinkindern immer mehr zunimmt. Deutschlandweit sind mittlerweile 15 Prozent der unter Dreijährigen davon betroffen. Zahnärzte erklären, wie man die Gesundheit von Milchzähnen stärken kann.

Wie wichtig Milchzähne für die Entwicklung eines Kindes sind
Richtige Zahnhygiene ist der beste Schutz vor Karies und anderen Zahnproblemen. Bereits Milchzähne brauchen viel Pflege. Doch leider wird noch immer unterschätzt, wie wichtig dies für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist. Dabei entscheiden gesunde Milchzähne unter anderem darüber, ob ein Kind altersgerecht an Gewicht zunimmt, ob es richtig sprechen lernt und ob es aufgrund seines Aussehens Ausgrenzung erfährt, erklärt die Bundeszahnärztekammer in einer Mitteilung zum Tag der Zahngesundheit 2017.

Bundesweit sind bei den unter dreijährigen Kindern bereits 15 Prozent von Karies betroffen. Experten erklären, wie man Milchzähne stark macht. (Bild: SergeyCash/fotolia.com)

Zuckerhaltige Getränke schaden den Zähnen
„Es ist eine traurige Tatsache, dass deutschlandweit bei den unter dreijährigen Kindern schon 15 Prozent von Karies betroffen sind“, sagte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Er fügte hinzu: „Frühkindliche Karies tangiert alle Bevölkerungsgruppen, aber besonders Familien in sozial schwierigen Lebenslagen.“

Vor allem zuckerhaltige Getränke schaden den Zähnen.

„Ursachen für die frühkindliche Karies sind übermäßiges Trinken von zucker- und säurehaltigen Getränken, z.B. aus Saugerflaschen in Kombination mit zu wenig Mundhygiene im frühen Kindesalter. Um das verändern zu können, brauchen wir fachübergreifende Konzepte“, so Oesterreich.

Frühkindliche Karies ist weit verbreitet
Dr. Michael Kleinebrinker, Referatsleiter beim GKV-Spitzenverband, stimmte dem zu: „Leider ist frühkindliche Karies bei Klein- und Vorschulkindern nach wie vor ein Thema.“

Er erläuterte, dass sich die Gesetzliche Krankenversicherung „für eine frühzeitige und systematische zahnärztliche Betreuung ab Durchbruch des ersten Milchzahns stark“, mache, damit aus den erkrankten Milchzähnen kein dauerhaftes Problem wird.

„Die gesetzliche Vorgabe, mit den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen in der GKV zukünftig deutlich früher zu beginnen als dies heute der Fall ist, wird daher begrüßt“, erklärte Kleinebrinker.

So werden Milchzähne stark gemacht
Prof. Dr. Christian H. Splieth, Leiter der Abteilung Präventive Zahnmedizin & Kinderzahnheilkunde der Universität Greifswald, führte aus, was Milchzähne stark machen kann:

„Der Fluoridgehalt der Kinderzahnpasta ist in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern niedrig. Das sollte sich ändern.“

Und weiter: „Außerdem brauchen wir eine Gruppenprophylaxe, die auch die Kleinsten mit täglichem Zähneputzen erreicht – und endlich Prophylaxeleistungen vom ersten Zahn an, die in der zahnärztlichen Regelversorgung erstattet werden.“

„Nur wenn wir uns bei den Milchzähnen die gleiche Mühe geben wie bei den bleibenden Zähnen, können viele Extraktionen bei kleinen Kindern vermieden werden“, so Splieth.

Tag der Zahngesundheit
Der Ernährung kommt ebenfalls eine wichtige Rolle beim Schutz vor Karies zu. So sollten die ganz Kleinen möglichst keine zuckerhaltigen Getränke wie gesüßten Tee oder Obstsaft bekommen.

Auch Milch schadet den Milchzähnen, wenn diese dauernd im Mund ist.

Außerdem stärkt man die Gesundheit von Milchzähnen, indem man Kinder, Eltern, Erzieher und Andere, die Einfluss auf die Gesundheit von Milchzähnen nehmen können, kontinuierlich über Themen wie Zahnpflege oder Kontrolluntersuchungen informiert.

Der Tag der Zahngesundheit am 25. September unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Gemeinsam für starke Milchzähne“, soll dazu einen Beitrag leisten. (ad)