Dramatischer Medizinfehler: Patient wegen falscher Diagnose 43 Jahre im Rollstuhl

Alfred Domke
Wegen falscher Diagnose über vier Jahrzehnte im Rollstuhl
Ein Mann aus Portugal saß 43 Jahre lang im Rollstuhl, weil die Ärzte seine Krankheit nicht richtig diagnostiziert hatten. Nach über vier Jahrzehnten war schließlich die richtige Diagnose gestellt worden. Jetzt kann der mittlerweile 61-Jährige wieder laufen.

Über vier Jahrzehnte im Rollstuhl
Medienberichten zufolge hat ein Portugiese 43 Jahre seines Lebens im Rollstuhl verbracht, weil die Ärzte seine Krankheit nicht richtig erkannt hatten. Laut einer Meldung der Zeitung „Jornal de Notícias“ habe Rufino Borrego binnen kurzer Zeit wieder zu laufen gelernt, nachdem Mediziner den Fehler realisierten. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, war bei Borrego mit 13 Jahren in einem Lissabonner Krankenhaus unheilbare Muskeldystrophie diagnostiziert worden.

43 Jahre lang saß ein Portugiese im Rollstuhl, bis ein Arzt entdeckte, dass eine andere Muskelerkrankung, als die ursprünglich diagnostizierte, für sein Leiden verantwortlich ist. Nun kann er wieder laufen. (Bild: bubutu/fotolia.com)
43 Jahre lang saß ein Portugiese im Rollstuhl, bis ein Arzt entdeckte, dass eine andere Muskelerkrankung, als die ursprünglich diagnostizierte, für sein Leiden verantwortlich ist. Nun kann er wieder laufen. (Bild: bubutu/fotolia.com)

Wenig Erfahrungen mit der seltenen Krankheit
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke kommen Muskeldystrophien weltweit mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von etwa zehn Erkrankten auf 100.000 Einwohner vor.

Wie die Experten auf ihrer Webseite berichten, teilt sich diese geringe Zahl noch auf die verschiedenen Formen der Muskeldystrophien auf, die sich durch den Erbgang, den Manifestationsbeginn, den bevorzugten Beginn in bestimmten Muskelgruppen, die Geschwindigkeit des Fortschreitens und die Beteiligung anderer Organe unterscheiden.

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„Daher ist es verständlich, dass viele Ärzte mit diesen Krankheiten wenig Erfahrung haben“, so die Fachgesellschaft.

Hinter Leiden steckt andere Muskelerkrankung
Der heute 61-Jährige benutzte nach der Diagnose mehr als vier Jahrzehnte einen Rollstuhl, bis ein Neurologe 2010 schließlich erkannte, dass er in Wahrheit an einer anderen Muskelerkrankung, Myasthenia, leidet.

Auch diese Krankheit ist äußerst selten. Laut der Deutschen Myasthenie Gesellschaft (DMG) wird die Häufigkeit auf etwa einen Erkrankten pro 10.000 Personen geschätzt. „Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter (auch im Kindesalter) auftreten“, schreibt die DMG.

Wie es in der Agenturmeldung heißt, kann die seltene Krankheit einfach durch die Einnahme von Asthma-Mitteln behandelt werden. Nur ein Jahr nach der neuen Diagnose konnte Borrego erstmals wieder zu seinem üblichen Café gehen.

Seltene Krankheit war Ärzten damals kaum bekannt
Der Cafébesitzer Manuel Melao in der Stadt Alandroal sagte gegenüber dem „Jornal de Notícias“: „Wir dachten, es wäre ein Wunder.“ Borrego, der nun wieder ein normales Leben führen könne, betonte, dass er keinen Groll gegen die Ärzte hege, die damals für die Fehldiagnose verantwortlich waren. Myasthenia sei bei Medizinern damals schließlich kaum bekannt gewesen. Borrego erklärte: „Ich will einfach nur mein Leben nutzen.“ (ad)