Drastischer Anstieg der Operationen

Fabian Peters

Zahl der Operationen deutlich gestiegenen – Wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend?

23.08.2013

Die Anzahl der Operationen in den deutschen Kliniken ist zwischen 2005 und 2011 um rund 25 Prozent gestiegen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion „Die Linke“ hervor. Von rund 12,1 Millionen im Jahr 2005 auf 15,3 Millionen im Jahr 2011 hat sich Zahl der durchgeführten Operationen demnach erhöht. Nach Ansicht der Linken führen Fehlanreize im System dazu, dass Operationen vermehrt nicht aufgrund medizinischer Notwendigkeit, sondern aufgrund der Vergütung durchgeführt werden.

Mit Einführung der Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups – DRG) in Krankenhäusern wurden seit 2005 die „Leistungen der Krankenhäuser nicht mehr nach Liegedauer, sondern pauschal nach Diagnose vergütet“, erläutert „Die Linke“ in einer Vorbemerkung zur Antwort der Bundesregierung. Dabei würden die DRG in Deutschland im Gegensatz zu allen anderen Ländern als reines Preissystem eingesetzt. „Da die Entgelte für die erbrachten Leistungen in den letzten Jahren langsamer stiegen als die Kosten, wurde ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Krankenhäuser können nur überleben, wenn sie die Fallzahlen steigern“, so Die Linke weiter. Dies bedeute, dass entweder mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden müssen oder die Invasivität der Behandlung ausgeweitet werden muss – zum Beispiel durch mehr Operationen oder andere Eingriffe. Eine These, die durch die Zahlen in der Antwort der Bundesregierung durchaus gestützt wird. Der Anstieg bei den Operationen um rund 25 Prozent lässt sich allein mit dem demografischen Wandel nicht erklären.

Fehlanreize im Gesundheitssystem
Auch die Bundesregierung gesteht in ihrer Vorbemerkung indirekt ein, dass Fehlanreize im Gesundheitssystem bestehen beziehungsweise bestanden haben, indem sie erklärt, dass „erste Maßnahmen zum Abbau von Anreizen für nicht medizinisch indizierte Leistungserbringung bereits auf den Weg gebracht“ wurden. Tatsächlich scheint der drastische Anstieg der Operationen seit Einführung der Fallpauschalen auch den Regierungsparteien zu denken zu geben. Kaum verwunderlich, zumal sich in einzelnen Bereichen, wie beispielsweise bei den Wirbelsäulen-Operationen, die Zahl der Eingriffe mehr als verdoppelt hat – von rund 327.000 Operationen im Jahr 2005 auf circa 735.000 Operationen im Jahr 2011. Außerdem zeigt der internationale Vergleich in der Antwort der Bundesregierung, dass in Deutschland deutlich mehr Hüftoperationen, Knieoperationen aber auch Kaiserschnitte durchgeführt werden, als in anderen europäischen Ländern. Insgesamt scheint die Bereitschaft zu einem operativen Eingriff hierzulande deutlich erhöht.

Operationen aus wirtschaftlichen Gründen?
Ob die gesteigerte Operationsbereitschaft in deutschen Kliniken auf Fehlanreize beziehungsweise die Fallpauschalen zurückgeht, lässt sich anhand der Antwort der Bundesregierung nicht eindeutig feststellen, der Verdacht liegt jedoch nahe. Nach Ansicht der Linken wird zunehmend nicht mehr vorrangig das Wohl der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt gestellt, sondern wirtschaftliche Kriterien gewinnen eine dominierende Bedeutung. „Zeitaufwändige pflegerische oder medizinische Behandlungen oder Zuwendungen wirken dabei kostentreibend und werden aus wirtschaftlichen – nicht aus medizinischen – Gründen reduziert. Darunter leidet die Versorgungsqualität“, so das Fazit der Linken.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, es bestehe kein Zweifel daran, dass in Deutschland mehr operiert wird als in anderen europäischen Ländern. Eine mögliche Begründung lieferte Spahn jedoch nicht, sondern verwies auf eine Studie, die diese Frage bis zum Jahresende klären soll. Jeder Patienten müsse sich darauf verlassen können, dass nur medizinisch notwendige Operationen erfolgen und und nicht operiert wird, um den Umsatz zu steigern, so Spahn weiter. Eine Aussage, die Politiker aller Parteien so unterschreiben können. Die Frage ist jedoch, in welcher Form dieser Ansatz auch in den politischen Entscheidungen Berücksichtigung findet. Wenn die Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zur Maxime des Handelns wird, sind entsprechende Problem vorprogrammiert. Die Kliniken und Ärzte werden bei der Behandlung stets den Kosten-Nutzen-Faktor im Hinterkopf haben, was im Zweifelsfall zu Nachteilen für die Patienten führt. (fp)

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Bildnachweis: Thommy Weiss / pixelio.de