Verkeimtes Geld: potentieller Krankheitsauslöser

Fabian Peters

Schmutziges Geld: Tausende Bakterien besiedeln Geldscheine

22.04.2014

Wissenschaftler der New York University (NYU) haben auf Geldscheinen eine überraschend hohe Anzahl von Mikroben entdeckt. In der ersten umfassenden Studie der DNA auf Dollar-Scheinen, dem sogenannten „Dirty Money Projekt“, stellten die Forscher fest, „dass Geld ein Tauschmittel für Hunderte verschiedener Bakterienarten ist, die mit den Banknoten von Hand zu Hand weitergegeben werden“, berichtet die NYU.

Durch die weitergereichten Erreger auf den Geldscheinen können zahlreiche Infektionskrankheiten ausgelöst werden, wobei die NYU unter anderem Magengeschwüre, Lungenentzündungen und Lebensmittelvergiftungen als mögliche Folgebeschwerden nennt. Einige der Bakterien hätten auch Gensequenzen aufgewiesen, die für eine Antibiotika-Resistenz verantwortlich sind. „Es war schon erstaunlich“, zu sehen, „dass die Mikroben auf dem Geld wachsen“, betonte Jane Carlton, Direktorin des Zentrums für Genomik und Systembiologie an der NYU.

Mehr als 3.000 verschiedene Bakterienarten auf Geldscheinen
Bei der Untersuchung des genetischen Materials auf Ein-Dollar-Noten identifizierten die NYU-Forscher 3.000 Arten von Bakterien. Dabei konnten sie nach eigenen Angaben lediglich 20 Prozent der nicht-menschlichen DNA bestimmten Bakterien zuordnen, „weil viele Mikroorganismen noch nicht in der genetischen Datenbanken katalogisiert sind.“ Die bislang unveröffentlichten Forschungen bieten einen Einblick in das internationale Problem des schmutzigen Geldes. Hygieniker weltweit warnen schon lange vor dem Geld als mögliche Infektionsquelle. Philippe Etienne, Geschäftsführer der Innovia Security Pty Ltd, die das spezielle Banknotenpapier für 23 Länder herstellt, erklärte gegenüber dem „Wall Street Journal“, dass „die Brieftasche mit Körpertemperatur wie eine Petrischale“ wirke. Die Bakterien können sich demnach auf den Geldscheinen schnell vermehren. Schmutziges Geld sei ein Problem internationalen Ausmaßes, denn Dollar, Euro, Rupien und andere Scheine würden ähnlich gut geeignete Keimträger bilden.

DNA des Breitmaulnashorns auf den Geldscheinen
Die Wissenschaftler hatten im Rahmen der Untersuchung von 80 Ein-Dollar-Noten insgesamt mehr als 1,2 Milliarden DNA-Segmente auf den Geldscheinen nachgewiesen. Die entdeckte DNA sei so vielfältig wie New York gewesen, wobei rund die Hälfte davon menschlich war, berichtet die NYU. Die Forscher fanden nach eigenen Angaben auf den Geldscheinen unter anderem „Bakterien, Viren, Pilze und Pflanzenpathogene.“ Zudem hätten sich „sehr geringe Spuren von Anthrax und Diphtherie“ gezeigt. Identifiziert wurde zum Beispiel die DNA von Pferden und Hunden, aber auch kleine DNA-Abschnitte des Breitmaulnashorns ließen sich nachweisen. „Ein breites Spektrum des Lebens war auf dem Geld vertreten“, erläuterte die NYU-Genomforscherin Julia Maritz. Zu den festgestellten Bakterienarten zählten Staphylococcus aureus (z. B. Auslöser von Hautinfektionen), Bacillus cereus und Escherischia coli (beide Auslöser von Lebensmittelvergiftungen) sowie Helicobacter pylori (Ursache von Magengeschwüren) und das Corynebactrium diptheriae (Auslöser der Diphtherie).

Mikrobiologie auf den Geldscheinen
Die Notenbanken und Finanzministerien weltweit sind laut Aussage der Forscher stets um die Haltbarkeit und Fälschungssicherheit der Banknoten besorgt, vergessen dabei jedoch die Mikrobiologie. Jährlich würden knapp 150 Milliarden neue Banknoten weltweit in Umlauf gebracht, was die Regierungen fast 10 Milliarden Dollar koste. Wie der US-Ein-Dollar-Schein seien viele Banknoten auf einer Baumwoll-Leinen-Mischung gedruckt, die aufgrund ihrer Saugkraft die Aufnahme von Bakterien begünstige. Die durchschnittliche Haltbarkeit einer Ein-Dollar-Note liege bei etwas mehr als 21 Monaten, berichten die Forscher weiter. Ein Zeitraum, in dem sich etliche Krankheitserreger auf dem Schein ansiedeln können.

Kunstoff-Geldscheine sollen Keimbelastung reduzieren
Um die Geldscheine resistenter gegen Bakterien zu machen, haben einige Länder wie beispielsweise Kanada oder auch das Königreich Bhutan, Banknoten aus flexiblem Kunststoff hergestellt. Diese Polymer-Scheine zeigten sich in folgenden Studien an der australischen University of Ballarat deutlich weniger keimbelastet, als die herkömmlichen Scheine. Die entsprechende Studie wurde bereits im Jahr 2010 in der Fachzeitschrift „Foodborne Pathogens and Disease“ veröffentlicht. Philippe Etienne erklärte, dass die Polymer-Scheine einen hygienischen Vorteil bieten, da sie nicht saugfähig sind. Allerdings hätten weitere Untersuchungen zu den Bakterien auf sieben verschiedenen Währungen festgestellt, dass einige Keime auf den Kunststoff-Banknoten länger überlebten. Offenbar liefern die Menschen die Nahrung für die Bakterien selbst. Diese würden sich zum Beispiel von Wachsrückständen der Haut und Ölen auf den Geldscheinen ernähren. Wie unappetitlichen die Keimbelastung der Geldscheine sein kann, stellen Mikrobiologen der Queen Mary University of London bereits im Jahr 2012 fest, als sie auf rund sechs Prozent der englischen Banknoten eine Belastung mit E. coli-Bakterien feststellten, die mit der eines Toilettensitzes vergleichbar war. (fp)

Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de