Drei-Eltern-Babys: Krankenhaus möchte Kinder mit Erbgut von drei Menschen erzeugen

Alfred Domke
Klinik darf Befruchtung mit Erbgut von drei Menschen vornehmen
In Großbritannien wollen Mediziner Kinder mit dem Erbgut von drei Menschen zeugen. Erst vor wenigen Monaten war diese Methode der künstlichen Befruchtung im Vereinigten Königreich zugelassen worden. Das Verfahren ist sehr umstritten.

Neue Methode soll Weitergabe von Erbkrankheiten verhindern
Im Dezember war bekannt geworden, dass in Großbritannien bald Drei-Eltern-Babys geboren werden dürfen. Das Vereinigte Königreich ist das weltweit erste Land, das die umstrittene künstliche Befruchtung mit Genmaterial von drei Menschen ausdrücklich erlaubt. Mit der umstrittenen Technologie soll verhindert werden, dass Erbkrankheiten an die Kinder weitergegeben werden.

Eine Klinik in Großbritannien will schon bald Kinder mit dem Erbgut von drei Eltern zeugen. Diese künstliche Befruchtung soll die Weitergabe von bestimmten Erbkrankheiten verhindern. Die Methode ist sehr umstritten. (Bild: Herrndorff/fotolia.com)

Erlaubnis für umstrittene Befruchtung erteilt
Laut Medienberichten hat eine britische Klinik weltweit erstmals die Erlaubnis für eine umstrittene künstliche Befruchtung mit Genmaterial von drei Menschen bekommen.

Den Angaben zufolge soll die Methode bestimmte Erkrankungen, die mit den Mitochondrien vererbt werden, verhindern. Von Kritikern wird jedoch befürchtet, dass solche Eingriffe den Weg zu sogenannten „Designer-Babys“ ebnen.

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Mitochondrien haben eine eigene DNA. Sie sind die Kraftwerke der Zelle und liefern Energie. Fehlfunktionen der Mitochondrien können zu Erkrankungen wie Muskelschwäche und Diabetes führen.

Gestörte Zell-Kraftwerke werden durch Mitochondrien einer Spenderin ersetzt
Bei der neuen Methode werden die gestörten Zell-Kraftwerke der Mutter durch Mitochondrien einer Spenderin ersetzt. Laut Experten werden die so erzeugten Kinder Mutter und Vater ähneln. Der von der fremden Frau stammende Teil an den Erbanlagen ist hingegen gering.

Den Angaben zufolge dürfen die Ärzte nun insgesamt 25 Patientinnen auf diese Weise behandeln. Wie es heißt, sollen die ersten Versuche noch in diesem Frühjahr starten.

Viele Jahre Forschungsarbeit haben zu dieser „Behandlung geführt, um das Risiko von Müttern zu reduzieren, die Krankheiten an ihre Kinder zu übertragen“, sagte Mary Herbert von der Universität Newcastle in einer Mitteilung.

Man könne so Familien helfen, „die von diesen verheerenden Krankheiten betroffen sind“.

Erstes Drei-Eltern-Baby in Mexiko geboren
Schon im Dezember hatte die Behörde für Befruchtung und Embryologie (HFEA) die Methode in Großbritannien zugelassen. Es ist das erste Land weltweit, das diese Behandlung ausdrücklich erlaubt hat.

In Mexiko war im April 2016 erstmals ein Baby mit dem Erbgut von drei Eltern geboren worden. Dort gibt es keine gesetzliche Regelung für das reproduktionsmedizinische Verfahren.

Schon lange vor der Legalisierung warnten Kritiker vor den neuen Methoden. „Diese Techniken sind unnötig und unsicher und werden in Wirklichkeit von der Mehrheit abgelehnt“, sagte Dr. David King vom „Human Genetics Alert“ vor Jahren gegenüber der „BBC“.

Andere Experten verwiesen darauf, dass die Mitochondrien-Ersatz-Therapie vermutlich nicht immer den Ausbruch der Krankheit verhindern könne. (ad)