DRK-Warnung: Zu wenig Blutspenden in Deutschland

Fabian Peters

Drohende Engpässe bei den Blutkonserven?

13.06.2012

Am 14. Juni ist Weltblutspendertag. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat aus diesem Anlass die mangelnde Bereitschaft der Deutschen zur Blutspende kritisiert. Bereits in wenigen Jahren drohen schlimmstenfalls Engpässe bei der Versorgung kranker und verunglückter Personen mit Blutkonserven, so die aktuelle Mitteilung des DRK.

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Institutionen wie das Deutsche Rote Kreuz nutzen den Weltblutspendertag als Anlass, um darauf aufmerksam zu machen, wie notwendig die freiwillige und unentgeltliche Blutspende ist. Über 3,8 Millionen Menschen entscheiden sich jährlich in Deutschland für eine freiwillige Blutspende, doch dies reicht lediglich, um den akuten Bedarf zu decken, so die Aussage des Sprechers der DRK-Blutspendedienste, Friedrich-Ernst Düppe, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Für die Zukunft müssten jedoch eigentlich weitere Reserven aufgebaut werden, da nach Einschätzung der Experten künftig deutlich mehr Menschen auf eine Blutkonserve angewiesen sein werden.

Zu wenig junge Blutspender
Im Vorfeld des Weltblutspendertages am 14. Juni hat das DRK deutliche Kritik an der mangelnden Blutspende-Bereitschaft der Deutschen geübt. Insbesondere jüngere Menschen zeigten sich nur selten bereit zu einer Blutspende. Das durchschnittliche Alter der Blutspender liege derzeit beim DRK bereits bei 44 Jahren, trotz intensiver Bemühungen der Hilfsorganisation, durch regelmäßige Besuche in Berufsschulen und Gymnasien sowie durch verstärkte Aufklärungsarbeit, auch junge Menschen für eine Blutspende zu gewinnen. Laut DRK sind Unwissenheit und die Angst vor Spritzen häufig der Grund für die Ablehnung einer Blutspende. Auch fürchten sich dem DRK zufolge einige potenzielle Blutspender vor Infektionen. Da „bei jedem Spender neues Material" verwendet wird, ist diese Angst laut Aussage des Sprechers vom DRK-Blutspendedienst jedoch unbegründet.

Ältere Menschen oft nur begrenzt zur Blutspende geeignet
Die mangelnde Bereitschaft junger Menschen zur Blutspende wird laut Mitteilung des DRK auch zum Problem, da in den kommenden Jahren immer mehr Stammspender altersbedingt ausschieden. Zwar wurde die Altersgrenze für regelmäßige Blutspender beim DRK bereits mehrfach nach oben angepasst und liegt derzeit bei 71 Jahren, doch generell sind ältere Menschen häufig als Blutspender ungeeignet. „Viele ältere Menschen schlucken regelmäßig Tabletten und scheiden damit als Blutspender aus“, erklärte Friedrich-Ernst Düppe. Die Anhebung der Altersgrenze biete daher keine wirkliche Lösung des Problems. Vielmehr seien die jungen Menschen aufgefordert, häufiger zur Blutspende zu gehen. Ab einem Alter von 18 Jahren dürfen gesunde Menschen hierzulande Blutspenden.

Folgen des demografische Wandels für die Blutspenden
Dem Sprecher der DRK-Blutspendedienste zufolge hat auch der demografische Wandel in Deutschland einen massiven Einfluss auf die Anzahl der Blutspende und die benötigten Blutkonserven. Einerseits führe das altersbedingte Ausscheiden der Stammspender, zu einem deutlichen Rückgang der Blutspenden, da diese drei bis fünf Mal im Jahr zur Blutentnahmen bereit waren, während die ohnehin knappen jüngeren Spender durchschnittlich nur eineinhalb Mal pro Jahr zur Blutspende gehen. Anderseits mehren sich „mit steigendem Alter die Krankheiten, für deren Behandlung eine Blutkonserve benötigt wird“, so dass die Alterung der Bevölkerung einen Anstieg des Bedarfs an Blutkonserven erwarten lässt, erläuterte Düppe. Die knapp 3,9 Millionen Blutspenden im Jahr könnten somit künftig nicht mehr zur Versorgung aller bedürftigen Patienten ausreichen. Es gebe „einige Experten, die sagen, da rollt eine Alterslawine auf uns zu“, betonte der Sprecher der DRK-Blutspendedienste. Düppe selbst zeigte sich hingegen etwas moderater und erklärte, das bei derzeit „zwei bis drei Prozent der Bevölkerung als aktive Blutspender zumindest rein rechnerisch noch genügend Luft sein.“ Hier stelle sich allerdings die Frage, wie zusätzliche Spender mobilisiert werden können.

Fragwürdige Aufwandsentschädigung für Blutspenden
Den von einigen Universitätskliniken, privaten Dienste und der Pharmaindustrie verfolgten Ansatz, für die Blutspende eine pauschalierte Aufwandsentschädigung zu zahlen, hält Düppe indes für den falschen Weg. Denn hier würden zum Teil Beträge von 25 Euro oder mehr bereitgestellt, was dem dreifachen Tagessatz eines Hartz-IV-Empfängers entspreche. Damit drohen finanzielle Aspekte entgegen den gesetzlichen Regelungen bei der Entscheidung zur Blutspende eine wesentliche Rolle zu spielen. Europaweit gilt die gesetzliche Vorgabe, dass die Blutspende freiwillig und unentgeltlich sein muss. Somit wäre nach Ansicht des Experten eine Entschädigung für die Fahrt- und Parkkosten angemessen, nicht jedoch ein Betrag von 25 Euro oder mehr. (fp)