Drogeninduzierte Psychose durch Cannabis? Die fünf wichtigsten Fragen

Wie gefährlich ist das Rauchen von Cannabis? Bild: portishead5 - fotolia
Sebastian
Kann der Konsum von Cannabis zu einer Psychose führen?
Parteiübergreifend wird aktuell die Freigabe von Cannabis auch zum nicht-medizinischen Gebrauch gefordert. Doch wie gefährlich ist die Droge Cannabis wirklich? Stimmt es, dass es bei längerem Gebrauch auch zu Wahnvorstellungen oder gar psychischen Erkrankungen kommen kann? Wir haben die 5 wichtigsten Fragen zu diesem Thema zusammengefasst.

Gibt es eine Form der Schizophrenie, die besonders häufig in Zusammenhang mit Cannabis auftritt?
Cannabis-Konsum kann bei einigen Menschen eine drogeninduzierten Psychose auslösen. Die Zusammenhänge zwischen Drogenkonsum und Erkrankung sind heute gut belegt. Die Substanzinduzierte Psychose kann nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell bei einem Teil anfälliger Personen schon bei geringem Konsum zu einer Psychose führen. Die Erkrankung kann reversibel sein oder auch für immer anhalten. Der Anteil der Gefährdeten, die besonders anfällig sind, wird mit 1,2 Prozent angegeben. Also jeder Hundertste der Cannabis raucht, kann erkranken. Gefährdet sind vor allem junge Menschen, die sich in der Adoleszenz-Phase befinden. Dabei reicht es auch, nur „Gelegenheitskonsument“ zu sein. (Archives of General Psychiatry (2008; 65: 772-784)

Wie gefährlich ist das Rauchen von Cannabis? Bild: portishead5 - fotolia
Wie gefährlich ist das Rauchen von Cannabis? Bild: portishead5 – fotolia

Bekommt man neben einer medikamentösen Behandlung immer eine Psychotherapie?
Die Behandlung wird ambulant oder in Krisensituationen in einer Klinik vorgenommen. Im Behandlungskonzept sind immer Medikamente und Therapie miteinander verbunden. Therapieziel ist vor allem der konsequente Verzicht auf die Drogen. Nur dadurch kann eine Gesundung erreicht werden. Bei der Cannabis-Psychose haben die Patienten die größte Chance, vollständig geheilt zu werden, wenn sie dem Konsum entsagen. Für Viele wird allerdings ein Leben ohne Betreuung nicht mehr möglich sein. Sie leben dann zum Beispiel in speziellen therapeutischen Wohngruppen. Sozialpädagogen, Erzieher und Therapeuten begleiten und unterstützen die Betroffenen im Alltag.

Welche Medikamente stehen zur Verfügung? Wird man von ihnen abhängig? 
Die medikamentöse Behandlung erfolgt wie bei der regulären Psychose. Medikamente wie Neuroleptika werden verabreicht, um psychotische Symptomatiken wie Wahnvorstellungen zu mindern. Beruhigungsmittel können Ängste und Schlafstörungen lindern. Bei letzteren kann eine Sucht entstehen, daher sollten diese nach Angaben von Ärzten nur vorübergehend und nur im Bedarfsfall eingenommen werden. Die Medikamente sind im Allgemeinen gut verträglich.

Was für ein Faktor zur Entstehung der Schizophrenie ist Cannabis? Ein sozialer Faktor? 
Ein Teil der Konsumenten ist für eine drogeninduzierten Psychose sehr anfällig. Bei  dem „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ gehen Mediziner davon aus, dass jeder Mensch unterschiedliche Eingänge besitzt, psychiatrische oder psychische Erkrankungen zu bekommen. In dem Modell wird die individuelle Verletzlichkeit mit einem Fass beschrieben, das unterschiedlich schnell zum Überlaufen gebracht werden kann. Das Wasser, mit welchem das Fass befüllt wird, soll dabei beruflichen und privaten Stress sowie soziale Belastungen darstellen. Jeder Mensch hat demnach ein unterschiedlich großes Fassungsvermögen und ist daher unterschiedlich belastbar. Hat das Fass einen höheren Boden, zeigt dies eine höhere Fähigkeit eines Menschen an, nicht zu erkranken. Nur leider weiß man selbst nicht, wie die eigene Beschaffenheit ist. Daher sind viele Ärzte gegen eine Freigabe von Cannabis. Vor allem Kinder und Jugendliche seien gefährdet.

Löst Cannabis Schizophrenie bei wenigen Menschen aus oder konsumieren sie es zur Eigentherapie ihrer Schizophrenie? Was ist also zuerst da?
Es gibt die Vermutung, dass psychisch Erkrankte Cannabis als Selbstmedikation gebrauchen und dadurch der Anteil der Erkrankten relativ hoch ist. Allerdings hat sich das Vulnerabilitäts-Stress-Modell im Allgemeinen durchgesetzt und wird durch zahlreiche Studien gestützt. Demnach sind Drogen wie Cannabis aber auch Alkohol oder Kokain sehr deutlich als Auslöser zu bezeichnen. (sb)

Liebe Leserinnen und Leser, wir haben eine Vielzahl kritischer Mails zu dem aktuellen Cannabis-Artikel erhalten und möchten unsere Position daher an dieser Stelle kurz erläutern: Wir befürworten aus einer Vielzahl von Gründen die Legalisierung von Cannabis, doch sollten bekannte Risiken nicht einfach ignoriert werden – insbesondere, wenn diese wissenschaftlich belegbar sind. Auch ist der Konsum in jungen Jahren sicher anders zu bewerten, als bei Erwachsenen. Daher muss die Legalisierung mit deutlich höheren Investitionen in die Prävention und Aufklärung einhergehen, es ist eine klare Altergrenze festzusetzen und die Abgabe vernünftig zu organisieren. Auch bedarf es zusätzlicher Studien zu den Risiken des Konsums, die ggf. staatlich finanziert werden müssen.

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