Drohende Schließung der BKK für Heilberufe

Fabian Peters

BKK für Heilberufe kurz vor der Insolvenz

11.10.2011

Immer wieder wurde in der Vergangenheit über finanzielle Schwierigkeiten der BKK für Heilberufe berichtet. Aufgrund der bestehenden Liquiditätsprobleme sucht die angeschlagenen Krankenkasse seit Monaten nach einem möglichen Fusionspartner. Doch jegliche bisherigen Fusionsverhandlung brachten keinen Erfolg. Offenbar war das finanzielle Risiko den anderen Krankenkassen stets zu groß. Die „Financial Times Deutschland“ hatte der BKK für Heilberufe daher schon Ende Mai die Insolvenz prophezeit, sollte kein Fusionspartner gefunden werden.

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Nachdem der zuletzt angedachte Fusionspartner, die Bochumer BKK vor Ort, ebenfalls einen mögliche Zusammenschluss mit der BKK für Heilberufe ausgeschlossen hat, sei die Schließung der in Bedrängnis geratenen Krankenkasse ein gutes Stück näher gerückt, berichtete ein Sprecher der BKK für Heilberufe in Düsseldorf. Damit müsste nach der City BKK die zweite gesetzliche Krankenversicherung wegen finanzieller Schwierigkeiten ihren Betrieb einstellen. Über hunderttausend Versicherte müssten sich eine neue Krankenversicherung suchen, was bei ähnlichem Verlauf wie bei der City BKK erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringen dürfte.

120.000 Versicherte bräuchten eine neue Krankenkasse
Heute wird der BKK-Bundesverband im Rahmen einer Sondersitzung über mögliche Alternativen zur Rettung der BKK für Heilberufe beraten, sollte sich jedoch keine Lösung finden, bleibe eine Schließung zum Jahreswechsel die letzte Option, erläuterte der Sprecher der angeschlagenen Krankenkasse. Die Insolvenz der BKK für Heilberufe müsse am Ende zwar vom Bundesversicherungsamt beschlossen werden, doch diesem bliebe angesichts der Liquiditätsprobleme der BKK für Heilberufe keine andere Wahl. Den Angaben des Kassensprechers zufolge wird das Bundesversicherungsamt spätestens bis zum 2. November dieses Jahres über die Schließung der BKK für Heilberufe entscheiden. Die 120.000 Versicherten der Krankenkasse müssten sich im Fall einer Insolvenz ab dem kommenden Jahr eine neue Versicherung suchen und die verbliebenen 150 Mitarbeiter würden ihren Job verlieren. Angesichts der sich abzeichnenden Schwierigkeiten hatte die BKK für Heilberufe im September bereits 90 Mitarbeitern betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen.

Sämtliche Fusionsmodelle scheiterten am Geld
Seit Monaten diskutieren die Betriebskrankenkassen über verschiedenen Varianten zur Rettung der angeschlagenen BKK für Heilberufe, am Ende scheiterten jedoch alle angedachten Fusionsmodelle am Geld. Auch die BKK vor Ort hatte für den Zusammenschluss mit der BKK für Heilberufe von den anderen Krankenkassen im Verbund der Betriebskrankenkassen eine finanzielle Unterstützung über 53 Millionen Euro erwartet. Allerdings waren dem „Handelsblatt“ zufolge etliche der anderen Betriebskrankenkassen nicht dazu bereit, bedingungslose Fusionshilfen zu leisten. Da der Finanzbedarf zudem deutlich höher ausfiel als ursprünglich angenommen, hat die BKK vor Ort beschlossen, nicht länger an dem Fusionsvorhaben festzuhalten, so die Aussage in einem dem „Handelsblatt“ vorliegenden Schreiben des BKK-Bundesverbandes. Die BKK für Heilberufe hatte ihrerseits bereits mehrfach vergeblich darauf hingewiesen, dass eine Übernahme für die übrigen Betriebskrankenkassen immer noch deutlich günstiger wäre, als die nun drohende Insolvenz.

Als Ursache für die finanziellen Schwierigkeiten der BKK für Heilberufe, ist – wie bei der bereits im Juni geschlossenen City BKK – neben strukturellen Problemen vor allem die Einführung von Zusatzbeiträgen zu nennen. Nachdem die Krankenkasse erste Zusatzbeiträge erhob, um sich aus der finanziellen Zwangslage zu befreien, verließen immer mehr Mitglieder die Versicherung und zurück blieben überproportional viele Alte und Kranke, die meist mehr Kosten verursachen, als durch die Versicherungsbeiträge eingenommen wird. So haben sich die finanziellen Schwierigkeiten weiter verschärft und nachdem sämtliche angedachten Fusionen geplatzt sind, bleibt die Insolvenz als letzte Option. Dabei verursacht die Unterbringung der Versicherten in einer neuen Krankenkasse bei der City BKK massive Schwierigkeiten, nicht zuletzt da die übrigen gesetzlichen Krankenversicherungen ihnen beim Versicherungswechsel erhebliche Steine in den Weg rollten. Ähnliche Probleme könnten bei einer Insolvenz nun auch den Versicherten der BKK für Heilberufe drohen. (fp)