Durch Gewürzmischungen keine EHEC Gefahr

Sebastian

Durch Gewürzmischungen keine EHEC Gefahr

01.07.2011

Am Donnerstag berichteten die Nachrichtenagenturen, dass insgesamt zwei europäische Behörden davon ausgehen, dass sogenannte Bockshornklee-Samen aus Ägypten mit gefährlichen EHEC Keimen belastet sein könnten. Die beanstandeten Samen werden in zahlreichen Lebensmitteln weiterverarbeitet. So lassen sich die Gewürzmischungen in Produkten wie Käse, Currymischungen und eiweißhaltigen Fitnesspulvern finden. Gesundheitsexperten schätzen allerdings die bakterielle Gefahr als gering ein und warnen vor einer Panikmache.

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„Die EHEC Spur führt nach Ägypten“ war gestern in großen Lettern der Tageszeitungen zu lesen. In der Tat haben zwei EU-Behörden auf eine potenzielle Gefahr der ägyptischen Bockshornklee-Samen hingewiesen, die mit EHEC Bakterien kontaminiert wurden. Nun aber besteht unter den Experten Uneinigkeit darüber, ob tatsächlich eine akutee Gefahr für durch die Samen für den Menschen besteht.

Gewürze und Kräuter werden beim Herstellungsprozess abgekocht
Fakt ist, dass bei den meisten Produkten in der Wiederverarbeitung ein Erhitzung-Prozess stattfindet. So erklärte der Hamburger Lebensmittelbiologe des städtischen Instituts für Hygiene und Umwelt, Dr. Anselm Lehmacher: „Kritisch ist das im Falle einer Kontamination mit EHEC nur bei Lebensmitteln, die nicht erhitzt werden“. Die betroffenen Produkte aus Käse und Gewürzen werde bei der Herstellung Hitze-behandelt. Bei diesem Prozess werden in aller Regel die EHEC Bakterien abgetötet. Somit bestehe nach Ansicht des Wissenschaftlers keine Gefahr für den Menschen beim Verzehr der benannten Lebensmitteln. Gerade „Gewürze werden in der Regel sehr schonend mit Wasserdampf unter 100 Grad hitze- behandelt“. Jeder Hersteller hat bei der Zubereitung ein anderes Verfahren. Was sie aber eint ist die Tatsache, dass die Verarbeitung mit aller Vorsicht geschieht. Denn Gewürze enthalten ätherische Öle, deren Farbe es zu erhalten gilt. Bei jedem Verfahren geht es auch darum, „die Keimzahlen so weit zu reduzieren, dass man praktisch von Keimfreiheit sprechen kann“, so Lehmacher.

Samen stammen nur in geringer Zahl aus Ägypten
Die meisten „Bockshornklee-Samen werden überwiegend aus China und Indien“ importiert, erklärte Gerhard Weber vom Fachverband Gewürzindustrie in Bonn. Samen der genannten Sorte werden nur in einer sehr geringen Stückzahl von Ägypten nach Deutschland eingeführt. Zudem werden Bockshornklee-Samen in unverarbeiteter Form nur in einem äußerst geringen Ausmaß verkauft, betonte der Gewürzspezialist. Der größte Teil werden zu Currygewürzmischungen weiter verarbeitet. „Durch die Verarbeitungsform kann man sagen, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass von Gewürzmischungen eine EHEC-Gefahr ausgeht“, bestätigt Weber.

Auch das Institut „Romeis“ bestätigte in einer ersten Stellungnahme die Unbedenklichkeit der Produkte. Dort betonte man, dass die handelsübliche Gewürze und Kräutermischungen „ keine substanziellen und epidemiologisch relevanten Infektionsgefahren durch EHEC-Bakterien“ bedingen. Auch die Käsesorten und Bockshornklee-Samen seien für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich. Denn die Gewürzmischungen, die im Käse enthalten sind, werden immer erhitzt. „Somit ergehe vom Käse keine EHEC Gefahr“, betonte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin. Aus diesem Grund „bestehe bei den Samen keine neue Gefahr für den Menschen“. Zwar bestehe eine Warnung vor dem Verzehr von Samen. Allerdings ist diese nur dann gültig, wenn die Sprossen nicht ausreichend erhitzt wurden. EHEC Bakterien sterben ab einer Mindesttemperatur von 60 Grad Celsius ab. Zur Sicherheit sollten die Waren bei 100 Grad mindestens 5 Minuten gekocht werden, um sicherzustellen, dass die Bakterien abgetötet sind.

Erzeugnisse sollten vor dem Verzehr abgekocht werden
Die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte berichtet, dass an den Bockshornkleesamen der besonders aggressive und gefährlich EHEC Keim haftete. Diese entstamme aus Ägypten und wurde nach Deutschland an den bereits geschlossenen Bioerzeuger in Bienenbüttel geliefert. Dort wurden dann die Sprossen einer Kontamination ausgesetzt. In Folge der EHEC Epidemie sind mindestens 42 Menschen verstorben und einige Tausend Menschen infiziert worden. In einigen Fällen waren die Krankheitsverläufe dramatisch. Noch immer stecken sich täglich Menschen an. Die Neuerkrankungsrate hat allerdings stark abgenommen. (sb)